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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Text vorlesen Voll orientiert! Suchen war gestern – WLAN-Lokalisierung ist heute

Voll orientiert! Suchen war gestern – WLAN-Lokalisierung ist heute



Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und der MüllerVerlag mit den GelbenSeiten starten ein gemeinsames Projekt zur WLAN-Lokalisierung in Innenstädten und in Gebäuden. Erster "Testlauf" war am 19. Dezember 2006 im vorweihnachtlichen Nürnberg. Die Nutzer des Systems überzeugten sich dabei, wie sich die von den GelbenSeiten bereitgestellten Zusatzinformationen auf dem Smartphone abrufen ließen – ortsabhängig und punktgenau.

Gerade erst hat man sich an Navigation per GPS gewöhnt und seinen Nutzen erkannt, so soll diese Form der Orientierung schon wieder out sein? Nein – Satellitennavigation hat seine Berechtigung und ist als System zur Navigation im Freien bestens erprobt. Aber zur Navigation für Fußgänger in engen Innenstädten, Gebäuden oder U-Bahn-Bereichen eignet sich GPS wegen der nicht ausreichenden Satellitenverbindungen nur wenig.

Das Fraunhofer IIS entwickelte die – im Vergleich zur GSMOrtung – wesentlich exaktere und autarke WLAN-Lokalisierung, die ohne Netzverbindung (also auch ohne Gebühren) und unter Nutzung aller verfügbaren WLAN-Sender die Position bestimmt. Dies funktioniert auch innerhalb von Gebäuden, so dass sogar eine Navigation bis in bestimmte Räume (z. B. Behördennavigation) oder zu ausgewählten Produkten (z. B. in Einkaufszentren) denkbar ist.

GelbeSeiten bietet seit Januar 2006 auf mobil.gelbeseiten.de eine Suchfunktion für mobile Endgeräte an. »Durch die neue WLAN-Lokalisierung wäre eine Bereitstellung vorhandener Serviceinformationen im Nahbereich ohne aufwendiges Eintippen des Ortes und ohne Nutzungsgebühren möglich. Servicefunktionen wie das Navigieren zum nächsten gewünschten Standort – zum Beispiel einem Restaurant – können mit mobiler Aktionswerbung (z.B. aktuelles Mittagsmenü) an interessierte Nutzer abgerundet werden«, so Michael Oschmann, Geschäftsführer Telefonbuch Verlag Hans Müller GmbH & Co.KG Nürnberg. »Der Einsatz im Verzeichnisbereich stellt nur eine Möglichkeit der Anwendung dieser neuen Basistechnologie dar.«

Die Zahl der WLAN-Sender in den Innenstädten – egal ob kommerzieller HotSpot oder privater WLAN-Sender – ist in den letzten Monaten explosionsartig angestiegen. Beispielsweise zeigten Messungen, dass sich in Nürnbergs Innenstadt rund um den Hauptmarkt die Anzahl der WLAN-Sender in den letzten sechs Monaten fast verdreifacht hat. Die exakte Lokalisierung und die damit verbundene Möglichkeit, dem Nutzer vor Ort Informationen zukommen zu lassen, basiert also auf einer technischen Infrastruktur, die sich geradezu von selbst ausbaut. Schon jetzt existiert in innerstädtischen Bereichen eine hohe Flächendeckung. Genauso bei den Endgeräten: man wird sich in naher Zukunft schwer tun, ein Smartphone oder einen PDA ohne WLAN-Karte zu bekommen. Für die Vor-Ort-Information und Navigation mittels WLAN ist im Grunde nur ein wenig Software nötig – und gepflegte Datenbanken, die die Informationen bereitstellen.

Technische Zusatzinformation: Die kontinuierliche Selbstlokalisierung von mobilen Endgeräten in WLANInfrastrukturen basiert auf einem so genannten Fingerprinting. Hierzu werden an Referenzpunkten Messwerte aufgenommen, welche alle empfangenen WLAN-Basisstationen und die dazugehörigen Empfangsinformationen enthalten. Dieser »Abdruck« der WLANEmpfangsinformationen wird auf einem zentralen Server hinterlegt und kann von den mobilen Endgeräten einmalig zusammen mit dem Plan z. B. der Stadt oder des Gebäudes heruntergeladen werden. Der auf dem mobilen Endgerät vorhandene Lokalisierungsalgorithmus des Fraunhofer IIS berechnet daraus dann völlig autark und kontinuierlich die aktuelle Position. Somit ist nur dem Nutzer seine eigene Position bekannt. Er entscheidet daher frei, ob er seine Position nur für die eigene Orientierung nutzt oder einem zentralem Dienst für weitere Serviceangebote zur Verfügung stellt. Location-based Services sind damit sowohl als lokale Dienste auf dem Endgerät als auch als netzseitige Dienste, die durch einen Service-Betreiber angeboten werden, realisierbar. Der robuste Ortungsalgorithmus toleriert dabei auch Veränderungen in der Infrastruktur. Das Basisverfahren des Fingerprintings ist in gleicher Weise auf GSM anwendbar. Dadurch ist eine Ortung auch in Bereichen, in denen kein WLAN zur Verfügung steht, möglich. Die WLAN-Lokalisierung ist eine kostengünstige, reine Software-Lösung, die leicht in mobile Endgeräte integriert werden kann. Die erreichbare Genauigkeit ist umgebungsabhängig und liegt im Bereich einiger Meter.



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