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Lebensmittel aus den Wasserschutzgebieten



Trinkwasser

Appetitlich und rein soll es sein, – natürlich – frei von Schadstoffen und Krankheitserregern. Schmackhaft und gesund mit den lebensnotwendigen Mineralien versehen möchten wir ein möglichst unbelastetes Trinkwasser aus Bodenschichten einer intakten Natur. Hohe Ansprüche, die wir an unser wichtigstes Lebensmittel, das Trinkwasser, stellen. Natürlich bevorzugen wir Grundwasser als Trinkwasser und verlassen uns dabei auf den Schutz sowie die Reinigungsleistung der über Jahrtausende gewachsenen Bodenschichten.

Doch ist das heute in unserer Umwelt alles noch natürlich selbstverständlich, können wir uns darauf in einer dicht besiedelten und vielfältig genutzten Landschaft verlassen? Nein – wir müssen darauf achten, dass uns die wichtigsten natürlichen Lebensgrundlagen nicht verloren gehen. Wasserschutzgebiete Im Allgemeinen kann der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen vielfach nicht mehr sichergestellt werden. Siedlungsentwicklungen wie auch wirtschaftliche Tätigkeiten des Menschen stehen dem als konkurrierende Nutzungen entgegen. Daher ist es erforderlich geworden, zumindest die Erhaltung existenzieller Lebensräume unter besonderen Schutz zu stellen. Neben Naturschutzgebieten gehören dazu auch Schutzgebiete, die angesichts unserer berechtigt hohen Ansprüche an das Lebensmittel Trinkwasser entsprechende natürliche Voraussetzungen nachhaltig sichern sollen – Wasserschutzgebiete.

So ist für die öffentliche Trinkwasserversorgung der Stadt Erlangen bereits im Jahre 1954 ein erstes Wasserschutzgebiet ausgewiesen worden, das Wasserschutzgebiet Erlangen West. In Wasserschutzgebieten ist vor allem darauf zu achten, dass sich hier Wasser für die Trinkwasserversorgung unseren Ansprüchen entsprechend in möglichst natürlicher Reinheit erneuern kann. Dazu muss die Schutz- und Filterwirkung der natürlichen Bodenschichten erhalten bleiben sowie vermieden werden, dass die in das Grundwasser versickernden Niederschläge durch unnatürliche Stoffe belastet sind.

Gedenke der Quelle, wenn du trinkst!
Chinesisches Sprichwort

Das Trinkwasser kommt für die meisten heutzutage aus dem Zapfhahn. Haben wir da noch den bewussten Bezug zur Quelle, der natürlichen Herkunft? Unsere „Quellen" befinden sich in den Wassergewinnungsgebieten Erlangen West und Erlangen Ost. Es sind dort die Brunnen, umgeben von den Wasserschutzgebieten. Damit soll dauerhaft die Verfügbarkeit von möglichst natürlich reinem, gesundem Trinkwasser sichergestellt werden. Es liegt an uns allen, darauf Rücksicht zu nehmen und dafür Sorge zu tragen, dass dies auch so bleibt.

Karte Wasserschutzgebiete in Erlangen

Landwirtschaft

Vom Wasser allein können wir aber nicht leben. Wir brauchen auch Nahrung, Lebensmittel, die durch die Landwirtschaft erzeugt werden. Landwirtschaftliche Nutzungen in Wasserschutzgebieten werden allerdings oft kritisch gesehen, teilweise zu Recht. Dabei geht es im Wesentlichen um die Wechselwirkungen zwischen Boden, Bodennutzung und Wasserqualität.

Landwirtschaftliche Bodennutzungen wirken sich zwangsläufig über das versickernde Wasser auf die Grundwasserqualität aus. In Wasserschutzgebieten berührt dies angesichts der Gewinnung von Wasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung wiederum die Lebensgrundlagen der Menschen. Ein gemeinsames Ziel trägt dazu bei, solche vermeintlichen Konflikte zu lösen – die Erzeugung gesunder und hochwertiger Lebensmittel.

Entscheidende Bedeutung haben dabei die Böden für sauberes Grundwasser wie auch die Produktion der pflanzlichen Lebensmittel. Die Böden sind eine Domäne der Landwirtschaft, mit dem Grundwasser unterhalb der Böden kennt sich die Wasserversorgung aus. Nur in der Zusammenführung dieser Kenntnisse und einer entsprechenden Kooperation miteinander ist es möglich, verantwortungsvoll Lebensmittel in Wasserschutzgebieten zu produzieren. Dazu wurden am 10. März 1992 durch einen Beschluss des Aufsichtsrates der Erlanger Stadtwerke wesentliche Voraussetzungen geschaffen – mit der Förderung grundwasserschonender Bewirtschaftungsweisen im Wasserschutzgebiet.

Kooperation

Seit 15 Jahren kooperieren jetzt die Landwirtschaft und die Wasserversorgung im Wasserschutzgebiet auf vertraglicher Grundlage miteinander, im Sinne der seinerzeit vereinbarten Präambel: „Gemeinsames Ziel der Vertragspartner ist es, Landbewirtschaftung und Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung im Wasserschutzgebiet in verträglicher Weise partnerschaftlich miteinander zu regeln."

Landwirtschaft im Wasserschutzgebiet

Seit 15 Jahren stellen die Landwirte der Wasserversorgung Informationen zur Bewirtschaftung der Böden zur Verfügung. Seitens der Wasserversorgung wird auf die Beobachtung der Böden und des Grundwassers geachtet. Über Messergebnisse erfolgen Informationen, die in jährlichen Versammlungen oder auch gelegentlichen Treffen diskutiert werden.

Und wie wirkt er sich aus, der kontrollierte integrierte Landbau? Die ohnehin nicht hohen Nitrat-Konzentrationen im Wasser sind weiter gesunken, der Grenzwert nach Trinkwasser-Verordnung wird weit unterschritten. Pflanzenschutzmittel sind im Grundwasser kaum mehr nachweisbar. Die Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und den Erlanger Stadtwerken ist gut und vertrauensvoll. Wenn Probleme auftreten, werden diese offen miteinander besprochen. Wir produzieren miteinander und gemeinsam „Lebensmittel aus Wasserschutzgebieten".

Wasser und Getreide - Brot und Bier

Neben dem Trinkwasser kommen auch weitere Rohstoffe für Lebensmittel aus dem Wasserschutzgebiet. Hier ist vor allem das Getreide zu nennen, dem bereits seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung zukommt.

Das erste zum Leben sind Wasser und Brot.
Buch Sirach, 2. vorchristliches Jahrhundert

Brot ist ebenso wie Wasser weit mehr als ein normales Lebensmittel, es ist auch Sinnbild körperlicher wie geistiger Nahrung. Bei vielen den Ackerbau betreibenden Völkern galt und gilt Brot als heilig. Brot und Salz sollen zudem Wohlstand bringen. „Unser täglich Brot gib uns heute" bitten Christen (Matthäus 6, Vers 11).

Getreide, umweltverträglich angebaut im Wasserschutzgebiet, vermahlen und zu Brot verbacken, hat eine ähnliche Bedeutung wie das Trinkwasser. Entsprechend sind Roggen und Weizen kontrolliert angebaut, separat geerntet und gelagert sowie vermahlen und verbacken worden. Damit gibt es als „Lebensmittel aus Wasserschutzgebieten" neben dem Erlanger Trinkwasser auch ein gutes „Erlanger Brot". Unter den etwa 250 Brotsorten in Deutschland ist dieses ein ganz besonderes, ein Sauerteigbrot, dessen Getreide garantiert aus unserem Wasserschutzgebiet stammt und gemeinsam mit dem Erlanger Trinkwasser erzeugt worden ist.

Brotbacken

Sauerteigbrot mit Weizen und Roggen aus den Wasserschutzgebieten entsteht unter anderem in der Bäckerei Seitz.

Flüssiges bricht Fasten nicht

Wie kann man sich mit Wasser ohne feste Nahrung gehaltvoll nähren? Dieses Problem lösten Mönche, die sich an die Fastenzeit halten mussten, mit einer sehr nützlichen Erfindung – dem Bier.

Vor etwa 6.000 Jahren im alten Mesopotamien wurde Gerstenschrot zu Brotlaiben geformt, leicht angebacken, anschließend mit Wasser vergoren, und so entstand das erste Bier. Heute wird in Erlangen ein köstlicheres, schmackhafteres Bier gebraut. Das Wasser stammt aus dem Wasserschutzgebiet und auch das Malz wurde aus Braugerste gewonnen, die im Wasserschutzgebiet angebaut worden ist.

Bierbrauen bei Steinbach

„Bier – das flüssige Brot" - 600 Hektoliter Bier konnte die Steinbach Bräu 2006 mit dem Gerstenmalz herstellen.

Wasser, Brot und Bier haben in der Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln eine lange gemeinsame Tradition. Dem Bier kann als Lebensmittel der erste gesetzliche Schutz mit dem Reinheitsgebot von 1516 zugerechnet werden. Doch das wichtigste Lebensmittel ist und bleibt unser Trinkwasser!

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