Onkologisches Spitzenzentrum für optimale Therapie von Tumorpatienten
Das Universitäts-Krebszentrum Erlangen (UCC) wird als ein besonders hervorgehobenes Spitzenzentrum für interdisziplinäre Krebsbehandlung ausgezeichnet und mit insgesamt drei Millionen Euro in den kommenden drei Jahren gefördert.
Das gab die Deutsche Krebshilfe gestern (01.04.09) in Berlin bekannt. Neben Erlangen sollen bundesweit noch fünf weitere Zentren an Uni-Klinika von der Deutschen Krebshilfe gefördert werden. Zuvor waren die onkologischen Behandlungs- und Forschungsstrukturen der Zentren von internationalen Gutachtern aus Europa und den USA geprüft worden. „Wir sind der Deutschen Krebshilfe sehr dankbar für die überaus wichtige Initiative für Krebspatienten“, sagte Prof. Dr. Rolf Sauer, Gründungsdirektor des Erlanger Universitäts-Krebszentrum (UCC) heute bei einem Pressegespräch.
„Mit der Anerkennung des UCC-Erlangen als einziges Onkologisches Spitzenzentrum in Bayern werden wir unseren krebskranken Patienten eine noch bessere, individuell zugeschnittene Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ermöglichen können. Sie wird die klinische und experimentelle Forschung aktivieren und neue Formen des Unterrichts entwickeln - sowohl für Studierende und Ärzte, aber auch für die Pflege und Verwaltung“, sagte Prof. Sauer.
Die Diagnose „Krebs“ ist für Patienten oft ein Schock. Bei der Frage nach der richtigen Therapie stoßen Ärzte oft an ihre Grenzen. Aus einer Vielzahl von Angeboten ist es schwer, die passende und beste Therapie herauszufinden. „Dabei entscheidet die Qualität der Behandlung oft wesentlich über das weitere Überleben“, sagte Prof. Sauer. Mit der Förderung von Onkologischen Spitzenzentren will die Deutsche Krebshilfe bundesweit Anreize für optimale Behandlungsstrukturen von Krebspatienten etablieren. Grundvoraussetzung für die Förderung eines Onkologischen Spitzenzentrums sind nach Auffassung der Deutschen Krebshilfe eine zentrale Anlaufstelle für Krebs-Patienten, interdisziplinäre Tumor-Konferenzen, umfassende Patientenbehandlung auf höchstem Niveau, ein modernes Qualitätssicherungssystem sowie die Verbindung der klinischen Forschung und Grundlagenforschung mit der klinischen Praxis. Ebenso notwendig sind auch die Vernetzung und enge Kooperationen mit den umliegenden Krankenhäusern sowie den niedergelassenen Ärzten, um auch in der Region die Qualität der Versorgung und Betreuung von Krebspatienten zu verbessern.
Seit 2007 unterstützt die Deutsche Krebshilfe bereits vier Zentren an den Universitätskliniken Dresden, Freiburg, Köln/Bonn und Tübingen sowie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Sechs weitere Zentren kommen jetzt hinzu an den Uni-Klinika Berlin (Charite), Erlangen, Essen, Frankfurt, Hamburg und Ulm.
Voraussetzung für die Förderung durch die Deutsche Krebshilfe in Erlangen war die Gründung des Universitätskrebs-Zentrum Erlangen (University Cancer Center- UCC) im Januar 2008. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen. Das UCC bündelt die Kompetenz bei der Tumorbehandlung fach- und berufsübergreifend und wird Kooperationsanreize für die Region Ober- und Mittelfranken schaffen. Das Nürnberger Klinikum hat bereits im Vorfeld der Begutachtung seine Bereitschaft erklärt, als besonders hervorgehobener Kooperationspartner im UCC-Erlangen mitzuarbeiten und baldmöglichst gleichberechtigter Partner zu werden. „Dieser starke Verbund auf der Ebene eines international vernetzten Universitätsklinikums gibt den Patienten in der Region die Sicherheit, mit maßgeschneiderten und modernsten Behandlungsmethoden therapiert zu werden“, sagte Prof. Sauer.
Schonende & wirksame Therapie dank neuester Technologie
Der Vorteil für Patienten ist: Sie werden fachübergreifend mit mehrfacher Kompetenz behandelt. „Die Zeiten, in denen die Therapieentscheidungen davon abhingen, in welcher Klinik ein Krebs-Patient zuerst aufgenommen wurde, gehören mit der Gründung dieses fachübergreifenden Behandlungszentrums der Vergangenheit an“, sagte Prof. Sauer. Sämtliche Therapieentscheidungen werden für jeden Patienten von Experten der jeweiligen Fachrichtungen in Tumorkonferenzen, so genannten „Tumor Boards“, getroffen. Im Tumorboard „Brustkrebs“ entscheiden beispielsweise gleich fünf Fachärzte gemeinsam über die Behandlungsschritte: Gynäkologe, Hämatoonkologe, Radiologe, Strahlenmediziner und Pathologe. Entsprechendes gilt für die Tumoren des Magen-Darm-Traktes, der Thoraxorgane, der Kopf-Hals-Region, der Haut, der Prostata etc.
Klinische Studien garantieren höchste Behandlungsstandards
Immer mehr Patienten sollen innerhalb von klinischen Studien behandelt werden. „Das bedeutet, dass unsere Patienten von medizinischen Fortschritten als erste profitieren und mit höchsten Sicherheit behandelt werden“, sagte Prof. Sauer. Alle Patientenverläufe werden im neuen elektronischen Dokumentationssystem SOARIAN dokumentiert. Dadurch erhalten auch die Krebsforscher aus anderen Bereichen innerhalb und außerhalb des Uni-Klinikums Einblick in die Behandlungsabläufe. Auch soll der Unterricht für Studierende, die Weiter- und Fortbildung der Ärzte und Pflegekräfte grundlegend umgestaltet und stärker interdisziplinär ausgerichtet werden. Ebenfalls wird das UCC-Erlangen niedergelassenen Ärzten die Möglichkeit bieten, sich in der Onkologie weiterzubilden.
Vorbild für die von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren sind die so genannten „Comprehensive Cancer Center“ in den USA.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rolf Sauer
Telefon: 09131 85-35849
E-Mail: rolf.sauer@uk-erlangen.de
Quelle: http://www.uk-erlangen.de