Text vorlesen Bayern beim Bau Lärm mindernder Fahrbahnbeläge einer der Technologieführer

Bayern beim Bau Lärm mindernder Fahrbahnbeläge einer der Technologieführer



Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland klagen über Lärm in ihrem Wohnumfeld. Besonders störend dabei ist meist der Straßenverkehr. Abhilfe und Linderung verschaffen aber nicht nur die Entwicklungen bei der Fahrzeug- und Reifentechnologie, sondern auch beim Straßenbau.

Das größte Minderungspotential bieten offenporige Asphaltschichten. Hier ist Bayern inzwischen einer der Technologieführer innerhalb Deutschlands", teilen Innenstaatssekretär Jürgen W. Heike und Umweltstaatssekretär Dr. Marcel Huber mit. Diese Entwicklung ist eine Folge konsequenter Technologieförderung durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern. Offenporige Asphaltdeckschichten (OPA) mindern den Lärm dauerhaft um fünf Dezibel.

Heike weiter: "Zweischichtige offenporige Asphaltbeläge (ZWOPA) können in den ersten Jahren nach dem Einbau sogar bis zu zehn Dezibel bringen. Damit würde man acht vorbeifahrende Autos nur noch so laut wie eines auf einem normalen Belag hören. Diese ''Flüsterasphalte'' sind allerdings dreimal so teuer wie herkömmliche Fahrbahnbeläge. Zudem weisen sie eine deutlich geringere Lebensdauer auf und erfordern einen höheren Aufwand im Winterdienst. Wir können diese Lärm mindernden Beläge daher nur dort einsetzen, wo dies zur Einhaltung der Lärmgrenzwerte zwingend erforderlich ist." In Bayern gibt es auf Autobahnen und Bundesstraßen 140 Fahrbahnkilometer mit OPA, davon seit 2005 auf der A 9 bei Garching die zweischichtige Bauweise mit 20 Fahrbahnkilometern.

Offenporige Asphaltbeläge sind leiser, weil zum Einen der Lärm durch die Poren des Belags teilweise geschluckt wird. Und zum Anderen, weil das Pfeifen, das entsteht, wenn Luft zwischen Reifen und Straße eingeschlossen und komprimiert wird, nunmehr in die Hohlräume des Belags ausweichen kann und damit geringer wird. Da die Hohlräume jedoch mit der Zeit verschmutzen, lässt auch die Lärmminderung nach.

Um langfristig eine Minderung von 5 dB(A) zu gewährleisten, werden OPA daher mit einer viel höheren Lärmminderung gebaut. So konnten bei einschichtigen OPA gleich nach dem Bau Minderungen von über 8 dB(A) und bei der A 9 zwischen Garching und Eching am ZWOPA sogar über 9 dB(A) Lärmreduzierung gemessen werden. "Diese Lärmreduzierung entspricht einer Reduktion der Verkehrsmenge auf 1/8. Das heißt, dass man acht auf ZWOPA fahrende Fahrzeuge nur so laut hört wie ein einziges Fahrzeug auf einem herkömmlichen Belag", veranschaulichten Heike und Huber. Messungen auf der A 9 bei Bayreuth haben gezeigt, dass dort nach acht Betriebsjahren immer noch eine Lärmminderung von über 7 dB(A) erreicht wird.

Um die anfangs hohe Lärmminderung möglichst lange zu erhalten, wurde der einschichtige Belag zu einem zweischichtigen System weiterentwickelt. Dieses soll mit einer feineren oberen Schicht die Verschmutzung der Hohlräume und die damit verbundene Abnahme der Lärmminderung verzögern. Zudem wird durch die größere Dicke der ZWOPA auch eine größere Lärmreduktion bei Lkw-Reifen erreicht.

Huber: "So kommt der Belag auch für innerstädtische Hauptverkehrsstraßen in Frage. Die Pilotprojekte in Augsburg und Ingolstadt haben gezeigt, dass wir mit ZWOPA mit einer Anfangsminderung von 7 dB(A) schon bei Tempo 70 (Westtangente Augsburg) bzw. Tempo 50 (Westliche Ringstraße in Ingolstadt) auch auf innerstädtischen Straßen eine deutliche Pegelminderung erzielen können."

OPA können insbesondere auf schnell befahrenen Straßen, aber vor allem in der zweischichtigen Bauweise auch innerorts zum Einsatz kommen. Entscheidend hierbei ist, dass möglichst lange Straßenabschnitte zur Verfügung stehen. Viele Grundstückszufahrten und Kreuzungen, aber auch Leitungen im Fahrbahnbereich gefährden sowohl die Lärm mindernde Wirkung als auch die Dauerhaftigkeit. In Augsburg und in Ingolstadt wurden ZWOPA erstmalig innerstädtisch realisiert. Dort werden die Aspekte Lärmminderung und Haltbarkeit durch ein acht Jahre dauerndes Monitoring ausführlich untersucht. "OPA ist eine High-Tech-Bauweise, bei der alle Bedingungen von der Asphaltherstellung bis zum Einbau durch speziell geschultes Personal mit bestmöglichen Geräten und unter möglichst guten Witterungsbedingungen optimal erfüllt sein müssen, damit der gewünschte Erfolg erreicht wird", betonte Heike.

"OPA sind wegen ihrer kürzeren Lebensdauer und der höheren Baukosten etwa drei Mal so teuer wie herkömmliche Decken. Der Einsatz von OPA ist jedoch eine Schallschutzmaßnahme, so dass die Mehrkosten mit den Kosten für Schallschutzwände oder –wälle in Relation gesetzt werden müssen", so Huber. Insbesondere, wenn kostengünstige Lärmschutzwälle nicht möglich sind, beidseitig Lärmschutz erforderlich ist, hohe Gebäude geschützt werden müssen oder wenn der Grunderwerb für Wälle und Wände sehr teuer ist, können OPA wirtschaftlicher sein. Das gilt besonders dann, wenn mit OPA Einhausungen oder Tunnels vermieden werden können. "Daher muss für jeden Einzelfall eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchgeführt werden", betonte Heike.

Links

Bayerisches Staatsministerium des Innern
http://www.stmi.bayern.de
Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
http://www.stmwivt.bayern.de/
© 2012 Stadt Erlangen
Datum: Samstag, 26. Mai 2012
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