Unterricht im Namen Allahs
Die Gesichter sind angespannt. Vier Kinder sitzen sich gegenüber, haben die Augen geschlossen und beten. Im Klassenraum der Grundschule Brucker Lache wirkt es fast ein wenig traditionell-bayerisch. Wenn da nicht der Name des Lehrers an der Tür wäre. Ali Türkmenoglu unterrichtet Islamunterricht und beginnt bei den vier Erstklässlern wie üblich mit einem Bittgebet, einem Dua. Dieses wird in Arabisch und Deutsch gehalten.
Für die Gäste Joachim Herrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayerischen Landtag, und Martin Neumeyer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Islam der CSU-Fraktion, ein wichtiger Aspekt. Der Erlanger Modellversuch soll sich deutlich absetzen von den bisher praktizierten „islamischen Unterweisungen“, die in der Regel in Türkisch oder Arabisch abgehalten wurden. Gebete und Koran-Zitate werden „um der Sache Willen“ in Arabisch gehalten, im Unterricht soll grundsätzlich Deutsch gesprochen werden. „Die muslimischen Bürger sollen sich integrieren und dies geht nur mit einer gemeinsamen Sprache“, so Herrmann.
Die vier Jungs zählen zu 42 Muslimen, die in der Erlanger Grundschule Unterricht haben. Bayernweit gebe es rund 70 000 Schüler islamischen Glaubens, für die dieses Fach interessant werden könne. Dr. Harry Harun Behr von der Friedrich-Alexander-Universität ist vorsichtig, einen Zeitpunkt für die Übertragung des Modells auf andere Schulen zu nennen. „Eventuell gibt es bei einer Schule noch dieses Jahr den Start, September 2007 ist allerdings wahrscheinlicher für die Mehrzahl der Schulen, die sich bisher beworben haben.“ Eines der Hauptprobleme ist nach den Worten Herrmanns, den richtigen Ansprechpartner für den Unterricht zu finden. Denn per Gesetz sei die Religionslehre vom Staat zusammen mit den Kirchen zu erarbeiten. Der Islam verfügt in Deutschland allerdings nicht über eine solche Institution.
Den vier Jungs in der Klasse ist dies egal, sie malen, wie ihre christlichen Mitschüler auch, ein Bild von Jesus in ihr Heft. (Quelle: FT - Michael Busch)
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