Station 10: Brauerei Franz Erich 
1718 - 1975 (Altstädter Kirchenplatz 6)
Der später auch „Herz der Erlanger Brauwirtschaft“ genannte, aus neun Einzelanwesen entstandene Brauereikomplex wurde im Jahr 1718 von Rupprecht Windisch gegründet und blieb zunächst im Familienbesitz. In dieser Zeit entstand auch das bekannte Kellerhäuschen am Burgberg (1730).
Nach dem Erwerb durch Franz Erich 1848 wuchs der Betrieb dank einer modernisierten Betriebsstätte zur 1869-74 größten Erlanger Exportbrauerei. Ab 1861 begann die Erweiterung des Brauereianwesens und der Kelleranlagen. 1870 wurde das Hauptgebäude am Altstädter Kirchenplatz unter Erhalt älterer Bausubstanz repräsentativ umgestaltet, 1873 östlich angrenzend das Kühlhaus sowie 1886/87 das Erich-Haus errichtet. Trotz rückläufiger Exporte stand die Erich-Bräu in den folgenden Jahrzehnten auf dem Höhepunkt ihres Renommees, was Goldmedaillen und Auszeichnungen bei Welt- und Industrieausstellungen belegen.
Nach dem Tod von Martin Ernst Erich im Jahre 1905 gelangte die Erich-Bräu über seine Schwester an die Familie Toenishen, die das Unternehmen durch die schweren 1920er Jahre brachte, bis 1930, auch aufgrund von verlustreichen Spekulationsgeschäften durch Fritz Toenishen Konkursantrag gestellt werden musste. Die drohende Übernahme oder Stilllegung der Brauerei konnte die Stadt Erlangen durch ihr Engagement verhindern. Stadt Erlangen und Bamberger Mälzerei AG traten 1931 als Eigner der neugegründeten „Exportbrauerei Franz Erich GmbH“ auf. Gasthausneubauten, der Ausschank im städtischen Redoutensaal und Lieferungen zu den Nürnberger Reichsparteitagen 1937 und 1938 begünstigten die wirtschaftliche Konsolidierung.
Auf Anordnung des Bayerischen Innenministeriums musste sich die Stadt Erlangen 1940 von der Brauereibeteiligung trennen. Nach der Überwindung der Dünnbierzeit, als nur 1,7 % Stammwürze zulässig waren, blühte die Erich-Bräu Anfang der 1950er Jahre wieder auf. Hauptabsatzgebiete waren Erlangen, Nürnberg, Fürth, Bamberg und die Fränkische Schweiz. Neben den beliebten Erich-Bieren gewann Limonade (u. a. die Lizenzmarke Olympia) immer mehr an Bedeutung. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung von Flaschenbier wurde 1953 eine neue Flaschenfüllereianlage angeschafft, die neun Jahre später bereits erweitert werden musste und man stellte 1965 von Bügelverschlussflaschen auf Euroflaschen und Kronkorken um.
Ab 1972 gehörte die Erich-Bräu zur Patrizier-Bräu Nürnberg. Nach der Bergkirchweih 1975 musste der gesunde Betrieb mit der von Braumeister Manfred Pscherer geprägten Kompetenz für auffällig herbes Pils auf Konzernanordnung schließen. Auf dem Gelände am Altstädter Kirchenplatz errichtete die Stadt Erlangen unter teilweiser Erhaltung der Fassade das Sozialzentrum Dreycedern. Das Erich-Haus befindet sich inzwischen im Besitz der Brauerei Steinbach und beherbergt das Restaurant „Zen“ sowie dem Haus der Gesundheit Dreycedern.
Quelle (Text und Bilder)
:
Buchelt, Jochen, Dr.Hans-Diether Dörfler, Martin Schieber: Ein Erlanger bitte ....! (Erlangen, 2000)
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