Umhausen - gemeinsame Projekte
Kein Gemurre trotz der Mure
Es war alles terminlich so umsichtig geplant. Und dann kam es doch wieder ganz anders, wie meist im Leben.
Das diesjährige Hüttenfest hatte der Deutsche Alpenverein mit seiner Erlanger Sektion auf den 13. August gelegt, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, anderntags abzusteigen und am Sonntag Mariä Himmelfahrt in Umhausen mitzufeiern. Ob es am Freitag lag, der auf den 13. fiel, ob eine andere Fügung am Werk war, wir wissen es nicht. Jedenfalls ist nur ein kleines Häuflein unter Leitung von Felix Wosnitzka zum vereinbarten Termin aufgestiegen, während der Schirmherr der Erlanger Hütte, Siegfried Balleis, und seine Gattin Angelika erst in der Nacht auf den Samstag in der tiroler Partnergemeinde eintrafen.

Während es am Freitag noch geregnet hatte, zeigte der Himmel am Samstag ein Einsehen, und so gelang den verspäteten Gästen von der Gehsteigalm aus ein zügiger Aufstieg innerhalb von gerade einmal zwei Stunden zur Erlanger Hütte. Über die Gehsteigalm ging es übrigens nach einer zünftigen Jause auch zurück, weil der Weg zur Leierstalalm, von wo aus der direkte Aufstieg möglich ist, seit Mai unter Gesteins- und Geröllmassen begraben liegt.

Christian Rimml und Antia Voglbauer, die sich auf der Hütte großartig um Küche, Gaststube und Nachtlager kümmern, bekommen die Folgen der Mure hart zu spüren. Klagen wollen sie nicht, und ans Aufgeben denken sie schon gleich gar nicht, aber es tut schon weh, wenn immer weniger Tagesgäste kommen, weil der kürzeste Weg abgeschnitten ist – und wohl auch noch einen weiteren Sommer versperrt bleibt. Die Versorgung mit schwereren Gütern übernimmt der Hubschrauber mit bisher mehr als einem Dutzend Flügen, die Lebensmittel kommen auf dem Rücken in der Kraxe von der Gehsteigalm bis zum Lastenaufzug, unweit der Leierstalalm. Beschwerlich, aufwendig, kostenintensiv. Aber, wie gesagt, das Hüttenwirtspaar will durchhalten und vertraut darauf, daß die Gemeinde Umhausen und der Alpenverein eine Lösung finden. Geologen sind längst unterwegs, auch Wegebauer, um das Gelände zu sondieren, aber festgelegt hat man sich noch nicht. Nur eines steht fest: Der Berg ist in Bewegung, und der alte Weg wird mittelfristig nicht wieder instandgesetzt. Und trotzdem noch eines: Wenn schon nicht alle Wege zur Erlanger Hütte führen, wird man neue finden.

Natürlich war die Mure auch das wichtigste Thema zwischen Oberbürgermeister Siegfried Balleis und seinem Kollegen Jakob Wolf. Doch die beiden hatten nicht nur Sorgen zu besprechen. Denn der Austausch zwischen Erlangen und Umhausen beschränkt sich beileibe nicht auf die Bergkameradschaft.

Im Tal traf sich nämlich, bestens betreut von Leonhard Falkner, eine zehnköpfige Gruppe des katholischen Pfarrgemeinderates Hemhofen unter Leitung von Karlheinz Schneider mit ihren Kollegen, um gemeinsam Mariä Himmelfahrt zu feiern, und vereinbarte, sich schon im Herbst in Franken wiederzusehen. Und die Schützengesellschaft 1673 Erlangen-Bruck veranstaltete mit der Schützengilde Umhausen eine echte Premiere.

Erstmals in der jahrhundertealten Geschichte des Festes Mariä Himmelfahrt haben um 6.00 Uhr morgens zum traditionellen Weckschießen auch Gäste aus Deutschland ihren Donnerhall erklingen lassen. Die Böllerschützen um Werner Dörfler eröffneten nicht nur das Fest gemeinsam mit den neuen Kameraden aus Umhausen, sondern ihr Salut war auch zur Mittagszeit im Ötztal zu hören und schließlich sogar bei strahlendem Sonnenschein zu Beginn des Stuibenfall-Festes.

Für das ganze Wochenende war übrigens Dauerregen gemeldet. Aber das Wetter im Gebirge hat seine eigenen Gesetze. In der Nacht von Samstag auf Sonntag regnete es denn auch tatsächlich in Strömen. In den frühen Morgenstunden sperrte die Feuerwehr sogar die Straße durch den Ortsteil Tumpen, weil die Ötztaler Ache über die Ufer getreten war. Aber tagsüber zeigte sich der Himmel, als könnte er kein Wässerchen trüben.
Wer dieses Mal dabei war, kommt bestimmt wieder nach Umhausen. Und bald schon werden wir auch wieder Gäste aus Umhausen in Erlangen begrüßen können. Doch davon demnächst mehr auf diesen Seiten.
Peter Steger, 15.08.10