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Text vorlesen 60+ zu Gast in Jena

60+ zu Gast in Jena



Nun sage noch jemand etwas über die Deutsche Bahn! Um 7.56 Uhr pünktlich von Erlangen abgefahren und ebenso pünktlich um 9.52 Uhr in Jena angekommen, wurde unsere elfköpfige Gruppe von fast ebenso vielen Jenaern am Bahnhof Jena-Paradies in Empfang genommen. Dank den seit mehreren Jahren gepflegten persönlichen Kontakten fiel der Empfang überaus herzlich aus.

Senioren in Jena

Bei strahlendem Sonnenschein ging es gleich zum offiziellen Empfang in das Büro von Christoph Matschie MdL, der leider aus terminlichen Gründen nicht anwesend sein konnte. An seiner Stelle übernahm Ernst Werner, ehemaliger Landesvorsitzender der Arbeitsgruppe 60+, die Begrüßung nicht nur mit Worten, sondern auch mit einer kleinen Stärkung aus belegten Brötchen, Wasser und Sekt. Helga Steeger, Vorsitzende des Erlanger Seniorenbeirats, die diese Reise mit Umsicht vorbereitet hatte, überreichte als Gastgeschenk ein Buch mit den Namen der Erlanger Straßen und deren Erklärung.

Die Jenaer Senioren hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet, und so ging es zügig zur Besichtigung der Stadtkirche St. Michael. Gisela Werner machte uns mit den Sehenswürdigkeiten der spätgotischen, aus einheimischem Muschelkalk gebauten Hallenkirche vertraut, in der sich eine Bronzetafel befindet, die an Dr. Martin Luther erinnert und ursprünglich als Grabplatte gedacht war. Die Fenster sind einfach gehalten, nur in der Apsis gibt es in drei Fenstern Glasbilder der Erzengel Raphael, Michael und Gabriel zu sehen. Wie viele andere Gotteshäuser hat auch diese Kirche eine wechselvolle Geschichte. Während der Schlacht von Jena und Auerstedt diente sie als Lazarett. Der neben der Kirche gebaute Turm, der der Stadt Jena gehört, war bis kurz vor der Bombardierung 1945, der auch die Kirche zum Opfer fiel, noch bewohnt. Annähernd 300 Stufen zählt die Treppe hinauf, und die ganz unentwegten Senioren scheuten den mühevollen Aufstieg nicht.

In kurzen Umrissen erklärte uns Gisela zudem die Entwicklung der Stadt Jena von der Weinbau- über die Universitäts- (gegr. 1558) bis zur modernen Industriestadt, die ihren Aufschwung Zeiss, Abbe und Schott mit der Entwicklung und Herstellung optischer Geräte zu verdanken hat.

Nach Aufnahme derart geistiger Nahrung wurde es nun Zeit, auch den körperlichen Hunger zu stillen. Das gelang zur allgemeinen Zufriedenheit im "Roten Hirschen", dem ältesten Gasthof von Jena. Dort begrüßte uns dann Dr. Jörg Vogel, Kreis- und Fraktionsvorsitzender der SPD. Gestärkt verließen wir sodann den Gasthof, um mit der Straßenbahn zur Besichtigung des Wohngebiets Jena-Nord zu fahren. Dort empfing uns der "Ortsteilbürgermeister", Siegfried Ferge, um uns durch das Gebiet zu führen. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, daß Jena 27 „Bürgermeister" hat, vergleichbar wohl mit den Ortsbeiräten bei uns.

4Im Begegnungszetrum Jena e V

Die Häuser im Gebiet Jena-Nord stammen aus den Nachkriegsjahren. Sie sind teils drei- bis viergeschossig und erinnern so gar nicht an das, was man in den Alten Bundesländern immer wieder in Form von Plattenbauen als Muster der DDR-Architektur gezeigt bekommt. Nach der Wende sind sie modernisiert worden und machten auf mich mit ihren gepflegten Grünanlagen den Eindruck einer architektonisch gelungenen Siedlung in Geschoßbauweise. Vom Emil-Höllein Platz, wo das einzige Hochhaus des Gebietes steht, ging es erst zur Montessori-Schule mit Schulgarten, Jugendzentrum und "Generationenspielplatz". Dieser Spielplatz ist eine gelungene Anlage, wo sich in Sichtweite Kleinkinder, größere Kinder und Senioren entspannen können. Für die Senioren steht das Entspannen allerdings erst an zweiter Stelle, denn die auf dem Platz aufgestellten Geräte dienen in erster Linie der Körperertüchtigung, sind also Trimmgeräte. Zwar nicht in der Art, wie man sie in Fitneßstudios findet, sondern eher raffinierte Instrumente, die Neugier wecken und zur Bewegung anregen. Trotz der großen Hitze ließen sich manche aus unserer Gruppe nicht davon abhalten, die Geräte auszuprobieren. Sie waren des Lobes voll. Angemerkt sei, daß der Schulhof auch außerhalb der Schulstunden für die Kinder offen ist. Während der Schulstunden ist die Schule für die Ordnung verantwortlich, nach Schulschluß die Stadt Jena.

Wer nun etwa über die Kosten für dieses Spielplatzarrangement wissen möchte, hier einZitat aus der Stadtteilzeitung Jena-Nord: "Das Nordlicht".

„Nachdem der Stadtrat 2007 den Bau beschlossen hatte, machte sich das Stadtplanungsamt gemeinsam mit Kindern des Stadtgebietes im Februar 2008 Gedanken, wie der künftige Spielplatz aussehen könnte. Der Entwurf on Armin Werner konnte am besten überzeugen. Gleichzeitig entwickelten die Mitarbeiter des Begegnungszentrums Jena e.V. die Idee, Spielgeräte für Erwachsene in den Platz zu integrieren. Der Bau begann schließlich im November 2008 auf einer Fläche von 2500 qm. 40 000 € hat die Stadt für das Grundstück ausgegeben, 260 000 € haben Spielgeräte und der Bau gekostet.“

Anschließend besuchten wir noch das Christliche Gymnasium, das im September 1999 in einer ehemaligen Kaserne unter der Trägerschaft der evangelischen Schulstiftung Deutschlands eröffnet wurde und mit einem solidarischen Finanzmodell von Eltern und Förderern getragen wird. Die Schule führt in acht Jahren zum staatlich anerkannten Abitur, hat Klassen von höchsten 25 Schülern, pflegt christliche Werte, fördert künstlerische Begabungen ebenso wie selbständiges Lernen, erhebt keinen Anspruch auf Exklusivität, was die Auswahl der Schüler betrifft - und nimmt bisher kein Schulgeld, was sich aber in absehbarer Zeit ändern dürfte.

5Senioren Spielplatz Jena

Nach Besichtigung eines brachliegenden ehemaligen Kasernengeländes, das demnächst mit Wohnungen bebaut werden soll, (Jena hat zur Zeit im Gegensatz zu anderen Städten der Neuen Bundesländer kaum mehr verfügbaren Wohnraum) wurden wir in der Begegnungsstätte Closewitzer Straße von der Leiterin der Einrichtung, Elke Rathke, freundlich begrüßt. Sie stellte uns die Einrichtung vor, die unter dem Motto "Das Band der Generationen" als Verein geführt wird. Es ist ein Begegnungszentrum für jung und alt und bietet Angebote für Familien, ALG II Beratung (Arbeitslosengeld), Bewerbungshilfe und Angebote für Senioren. Einige Senioren waren anwesend, und bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen, später sogar noch Thüringer Rostbratwürsten und Bier / Wasser entspann sich eine lebhafte Unterhaltung. Da die Zeit schon ziemlich fortgeschritten war, reichte es nur zu einer Kurzbesichtigung des Hauses. Interessant dabei: Im Untergeschoß ist ein Kindergarten zu Hause. Dort waren jedoch lediglich die Sachen der Kleinen untergebracht, da es sich um einen " Waldkindergarten" handelt. Die Kinder sind das ganze Jahr über bei jedem Wetter im nahegelegenen Wald. Nach einer Verabschiedung mit viel Hallo und Winken begleitete uns Ernst Werner zum Bus, der uns zum Bahnhof brachte. Am Bahnhof dann nochmals eine Abschiedsszene mit vielen Grüßen auch an die Partnerstadt Erlangen, verbunden mit dem Wunsch auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr in Erlangen.

Ein besonderer Dank gilt Hildburg Hella Korfmann, die sich mir gegenüber als "Rudelführerin" von SPD 60+ Jena vorstellte, denn ohne sie wäre dieser Bericht nicht so umfangreich ausgefallen.

Es gäbe natürlich noch viel zu berichten. Von der Stadtkirche St. Michael, vom Stadtmuseum und auch von der wechselvollen Geschichte des SPD-Hauses. Aber das würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Erlangen, den 2. Juli 2010

Ruth Sych



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