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Passivrauchen tötet 3300 Menschen pro Jahr



Passivrauchen tötet jedes Jahr mehr als 3300 Nichtraucher in Deutschland. Das ist das alarmierende Ergebnis einer neuen Studie, die das Deutsche Krebsforschungszentrum am Mittwoch in Heidelberg vorstellte.

"Tabakrauch in Innenräumen ist keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen", erklärten die Wissenschaftler. In einem eindringlichen Appell forderten sie, den gesetzlichen Nichtraucherschutz auszuweiten: "Deutschland muss handeln."

Passive Belastung
Derzeit werden rund 43 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit mit Tabak-Schadstoffen belastet. Darunter sind mehr als acht Millionen Jungen und Mädchen unter 18 Jahren, die in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher leben. Zudem werden jährlich gut 170.000 Kinder schon im Mutterleib den Schadstoffen ausgesetzt. Zu den giftigen Substanzen im Passivrauch gehören nach Angaben von Studienleiterin Martina Pötschke-Langer Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid sowie eine Vielzahl Krebs erregender Stoffe wie Arsen, Cadmium, Chrom, Benzol, Vinylchlorid und N-Nitrosamine.

Für all diese Gifte lassen sich laut Pötschke-Langer keine Schwellenwerte feststellen, unterhalb derer eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen wäre: "Auch kleinste Belastungen können zur Entwicklung von Tumoren beitragen." Generell reize Passivrauch akut die Atemwege und könne zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen.

Erkrankung der Herzkranzgefäße
Schlimmer aber sind die chronischen Krankheiten mit Todesfolge, die der Passivrauch auslösen kann. Nach Berechnungen der Wissenschaftler sterben jährlich rund 2.140 Nichtraucher an einer von den Schadstoffen verursachten Erkrankung der Herzkranzgefäße. Hinzu kommen jedes Jahr rund 770 tödliche Schlaganfälle, 50 Todesfälle als Folge der so genannten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sowie 260 Lungenkrebstote. Schließlich sterben der Studie zufolge jährlich etwa 60 Säuglinge, weil sie im Haushalt oder schon im Mutterleib den Schadstoffen ausgesetzt waren.

Damit tötet Passivrauchen mehr Menschen in Deutschland als illegale Drogen und Asbestbelastung zusammen, wie die an der Studie beteiligten Wissenschaftler des Krebsforschungszentrums sowie der Universitäten Heidelberg und Münster betonten. Dies zeige, dass die Situation von Nichtrauchern in Deutschland nicht akzeptabel sei.

Einbeziehen der Gastronomie?
Die Mediziner forderten ein Bundesgesetz zum Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen, das auch die Gastronomie erfasse. Auch die Deutsche Krebshilfe rief die Bundesregierung zum Handeln auf. Präsidentin Dagmar Schipanski verlangte ein Tabakwerbeverbot, die Abschaffung aller Zigarettenautomaten sowie rauchfreie öffentliche Einrichtungen.

  Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf eine Vereinbarung, die im Frühjahr mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) geschlossen wurde: Demnach sollen bis 1. März 2006 mindestens 30 Prozent aller Speisebetriebe rund 30 Prozent ihres Platzangebotes für Nichtraucher reservieren. Bis zum 1. März 2008 soll dieser Anteil auf die Hälfte des Platzangebotes von mindestens 90 Prozent aller Gaststätten ausgeweitet werden.

  Positive Zwischenbilanz
Erst wenn dies nicht gelingen sollte, droht der Gastronomie eine gesetzliche Verpflichtung. Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Vorgaben erfüllt werden: "Die Zwischenbilanz nach einem dreiviertel Jahr ist ausgesprochen positiv."

  Der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz ist bereits jetzt gesetzlich geregelt: Jeder Beschäftigte hat Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Allerdings ist diese Bestimmung der Arbeitsstättenverordnung noch lange nicht überall umgesetzt, wie es aus dem Gesundheitsministerium heißt: "Zwischen Gesetz und Wirklichkeit besteht hier noch ein gewisser Widerspruch."

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