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Alles, nur nicht Lehrerin



Man darf unterstellen, daß die gestrigen Gäste von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß damals gerade einmal geboren oder eben erst in statu nascendi waren, als das Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde bei der Universität Erlangen – Nürnberg im Jahr 1988 den Austausch von Dozenten und Studenten aufnahm. Von Beginn an dabei Heinz Römermann, heute Leiter der Russischabteilung des Instituts (IFA), dessen Leiter, Frank Gillard, die Leidenschaft für Wladimir teilt. Versetzen wir uns einmal 22 Jahre zurück. An der Macht war Michail Gorbatschow mit seiner Politik der Perestrojka, aber die Mauer stand noch scheinbar unerschütterlich, niemand ahnte, daß Deutschlands Wiedervereinigung zum Greifen nahe war und die Ost-West-Konfrontation bald der Vergangenheit angehören sollte.

Brücken in diese noch fern anmutende Zukunft schlug damals schon der Austausch zwischen der damaligen Pädagogischen Hochschule (heute Staatliche Humanwissenschaftliche Universität) und dem IFA, Brücken, die erst die Verständigung zwischen den Partnerstädten möglich machten und bis heute tragen. Die Dozenten, anfangs noch die Zuchtmeister der Austauschgruppen, kommen heute nur noch zu Symposien, die Studierenden sind längst reisetüchtig und fahren ohne Begleitung hin und her - und das in dieser einzigartigen Kontinuität. Seit 22 Jahren! Ohne Pause! Immer im Frühjahr die Wladimirer zu uns und im Herbst die Erlanger nach Wladimir. Respekt!

IFA Wladimir 

Andrea Lancova mit den fünf Studentinnen aus Wladimir; in der Mitte Elisabeth Preuß mit Heinz Römermann und Frank Gillard

Seit dem 26. Februar ist die Gruppe da und hat bis zum 19. März noch viel vor: Nürnberg, Bamberg, Regensburg, Rothenburg, die Fränkische Schweiz… Aber das ist nicht alles nur touristisches Pflichtprogramm. “Wir wollen viel von der deutschen Kultur, den Sitten und Bräuchen kennenlernen”, erklärt eine Besucherin. Und das Institut bietet just in dem Bereich Auslandskunde alles, was des Fremden Herz begehrt. Aber natürlich gibt es auch einen Stundenplan, auf dem Fächer stehen wie Deutsch für Ausländer, Übersetzung, Dolmetschen, Korrespondenz, Stegreifübersetzung oder Methodik des Übersetzens. “Vieles davon können wir gut zu Hause gebrauchen, und vor allem lernen wir viel über andere Konzepte des Unterrichts”, ergänzt eine andere Studentin. Eigentlich ist ihr Berufsziel vorgegeben: Fremdsprachenlehrer. Doch auf die Frage von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß nach dem, was auf das Studium einmal folgen soll, kommt die Antwort zögerlich aus der Runde. Schließlich ergänzt Heinz Römermann aus seiner Erfahrung, daß viele Arbeit als Dolmetscher finden, häufig in die Wirtschaft gehen und gerne auch nach Moskau abwandern. Kaum jemand strebt noch – da ist sich die Gruppe rasch einig – den Lehrberuf an. Zu schlecht bezahlt, zu unattraktiv. Und das im “Jahr des Lehrers”, das gerade in Rußland begonnen hat. Kein gutes Zeugnis für die Schulpolitik!

Bliebe noch der Dank an die gastgebenden Familien nachzutragen, die zum Teil schon seit Jahren dem Austausch Obdach geben und damit auch die Zukunft der Partnerschaft sichern helfen. Denn vielen, sehr vielen Teilnehmern an dem IFA-Programm begegnet man später wieder, sei es an prominenter Stelle wie Irina Chasowa, der Geschäftsführerin des Erlangen-Hauses oder Sergej Schtschedrin, der lange Jahre für den privaten Sender TV 6 arbeitete, anspruchsvolle Reportagen über Erlangen gedreht hat und mittlerweile in der Gouvernementsverwaltung tätig ist, sei es eher im Hintergrund wie Irina Makarowa und Irina Wolkowa, die so erfolgreich die Deutsch-Kurse für das Projekt “Lichtblick” leiten. Damit aber genug für heute. Bis zum Ende ihres Aufenthalts haben nämlich die fünf Studentinnen noch einen Bericht über ihre Eindrücke zugesagt, der selbstredend umgehend und schnurstracks den Weg in den Blog finden wird. Wir dürfen gespannt sein.  

Ein Nachtrag nur noch: Besonders schön, daß zwei der Besucherinnen bei Andrea Lancova und Martina Neuner untergebracht sind, die im Vorjahr zum Austausch in Wladimir waren (s. Eintrag im Blog vom 27. November 2009). So wird das Staffelholz immer weitergegeben.

PS, 4.03.2010

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