Lesetipp des Monats September 2010 
Richard Wilkinson, Kate Pickett: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind
„Wir brauchen mehr Wachstum? Nein, wir brauchen mehr Gleichheit!“
Dies ist die These des Buches. Das Autorenpaar lässt akribische Untersuchungen folgen, Langzeitstudien über Themen wie Gesundheit, Bildungschancen, Vätermangel, Gewalt oder soziale Mobilität und deren Zusammenhang mit Gleichheit und Ungleichheit in der Gesellschaft. Die Studien erforschen die Ängste der Menschen ebenso wie beispielsweise die Frage, ob man glücklich sein kann, wenn man dem Mitmenschen überwiegend mit Misstrauen begegnet beziehungsweise begegnen muss. Eine Fülle von statistischem Material erhärtet auch folgenden Befund der Autoren: In Gesellschaften mit hoher sozialer Ungleichheit leiden auch die Mittelschicht und sogar die Wohlhabenden.
Die These ist also bewahrheitet. Die Bestandsaufnahme lautet:
„Denn mit zunehmender Ungleichverteilung der Einkommen und Chancen nehmen alle gesellschaftlichen Probleme zu – bei Armen wie bei Reichen: Ängste, Depressionen, Stress, Konkurrenz, soziale Verwahrlosung, Gewalt, Wettrüsten der Statussymbole. Mehr Wirtschaftswachstum beflügelt weder die Lebenserwartung noch die Lebensqualität, es verschärft vielmehr nahezu alle sozialen Probleme und unterminiert das gesellschaftliche Zusammenleben.“
Der letzte Teil des Buches ist dem Kapitel „Die Zukunft gestalten“ gewidmet; darin spielt der Abschnitt „Der politische Wille“ eine Rolle. Es gäbe eine Fülle von Maßnahmen, deren Umsetzung für mehr Gleichheit in der Gesellschaft sorgen würde – aber nur im Verbund. Einzelne Aktionen sind gut, um sie sich auf die Fahnen zu heften, verändern jedoch letztlich wenig. Nur wenn genügend Menschen ihren Willen bekunden, ihre Gesellschaft gerechter gestalten zu wollen, werden Maßnahmen auch Realität.
Eine Vision? Eher eine genaue Zielvorstellung.
Anne Grimmer (Bibliotheksleiterin)
Weiterführende Informationen