Der Deutsche Krimi Preis ist der älteste deutsche Krimipreis. Seit 1985 zeichnet eine Jury aus Krimi-Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Krimi-Buchhändlern die besten Kriminalromane des Jahres aus.
Mit dem Deutschen Krimi Preis - vergeben in den Kategorien National und International - werden jeweils drei Romane gewürdigt, die "inhaltlich originell und literarisch gekonnt dem Genre neue Impulse verleihen."
National
1. Platz: Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht (Pendragon)
August 1939: Sechs junge Menschen geben sich das Versprechen, füreinander da zu sein. Während der Nazi-Zeit wird ihre Freundschaft auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Denn Verrat wird mit dem Tod bestraft. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt Robert Lubisch im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, das Foto einer attraktiven Frau und einen Wehrpass, ausgestellt auf einen ihm unbekannten Mann. Was hat das alles mit seinem Vaterzu tun? Robert macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Journalistin, die sofort eine große Story ahnt und bereit ist, dafür auch den Ruf seines Vaters zu opfern.
»Mechtild Borrmann ist mit »Wer das Schweigen bricht« ein sehr ruhiger, nahgehender Kriminalroman über Jugend, Liebe und Zurückweisung gelungen, der seine Glaubwürdigkeit aus den sorgfältig gezeichneten Figuren und ihren Lebensumständen bezieht. Die Zeit des Nationalsozialismus ist dabei ebenso Bedingung für die geschilderten Ereignisse wie die Charaktere mit ihren unterschiedlichen Sehnsüchten und Ängsten, die hier aufeinander treffen.«
(Kirsten Reimers, alligatorpapiere.de)
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2. Platz: Friedrich Ani: Süden (Droemer)
Der ehemalige Kommissar Tabor Süden erhält als Privatdetektiv den Auftrag, nach dem Wirt Raimund Zacherl zu suchen. Der Fall ist genau das Richtige für den ehemals so erfolgreichen Ermittler: Ein Mann verlässt sein Durchschnittsleben, und jeder fragt sich, warum. Mit seinen besonderen Methoden findet Süden die Spur des Wirts und verfolgt sie bis nach Sylt – und schon längst hat er begriffen, dass niemand den Mann wirklich kannte.
»Ani hat ein ungemeines Gespür für seine Charaktere, mögen sie noch so kaputt sein, er erleuchtet ihre Verlassenheit, ihre Einsamkeit von innen heraus, sodass auch sie Licht sind und Schatten werfen. Und er vermag wunderbar anrührend zu erzählen.«
(Volker Albers, Hamburger Abendblatt)
3. Platz: Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten (List)
Judith Kepler ist ein »Cleaner«, sie säubert Wohnungen, in denen jemand verstorben ist oder in denen Verbrechen begangen wurden. Judiths Terrain ist Berlin, mit ihrer Schnodder-Schnauze und ihrem kiezgeschulten Auftritt kommt sie ganz hervorragend zurecht bei der Firma Dombrowski, die Judiths Tatortreinigungen im Rahmen ihres Facility-Managements anbietet. Die Wohnung von Christina Born, die Judith säubern soll, ist Schauplatz eines Mordes gewesen. Das stört Judith nicht besonders, es interessiert sie eigentlich gar nicht - bis sie durch Zufall entdedeckt, dass die Tote genau wie Judith im Kinderheim Juri Gagarin bei Sassnitz in der damaligen DDR aufgewachsen ist. Zufall? Sicher nicht. Denn Judith findet in Sassnitz heraus, dass sie gar nicht Judith Kepler heißt...
»Schnell, schlagfertig, selbstsicher, aber auch empfindsam, intelligent und absolut sympathisch - Judith Kepler ist eine tolle Heldin, der man gerne durch diese Geschichte von Täuschung und Lügen folgt.«
Reinhard Jahn (WDR)
International
1. Platz: Peter Temple: Wahrheit (C. Bertelsmann)
Es ist die Zeit der großen Waldbrände, die alles zu vernichten scheinen und auch die Stadt Melbourne bedrohen. In einem neu erbauten Luxuskomplex wird eine junge Frau ermordet aufgefunden. Stephen Villani, der die Ermittlungen leitet, wird von der Politik an der Aufklärung gehindert. Aber es beschäftigt ihn nicht nur die Frage, warum der Mord vertuscht werden soll. Die Ermordete sieht aus wie seine jüngste Tochter, die spurlos verschwunden ist. Und diese familiäre Situation zermürbt ihn mehr als der frustrierende Polizeialltag.
»Mit der Wucht des Titels »Wahrheit« stemmen sich hier die Aufrechten gegen das Schweinesystem; ihre Chance ist begrenzt, unser Lesevergnügen in derartigen Fällen immer besonders groß. So auch hier. Neben Garry Disher ist Peter Temple der andere große Krimiautor von Down Under und »Wahrheit« sein Meisterstück.«
(Günther Grosser, Berliner Zeitung)
2. Platz: Don Winslow: Zeit des Zorns (Suhrkamp)
Ben und Chon betreiben ein exklusives Millionengeschäft mit erstklassigem Dope für erstklassige Kundschaft. Sie lieben, was sie tun, und sie lieben Ophelia. Die drei sind ein unschlagbares Team: Ben investiert in Hilfsorganisationen, Ophelia bringt den Kreislauf des Geldes in Schwung, und Chon hält ihnen allen Ärger vom Hals. Doch nun macht das mexikanische Baja-Kartell ihnen ein Angebot, zu dem sie besser nicht nein sagen sollten. Aber Ben und Chon sagen nein. Und sie schlagen sich gut. Bis das Kartell Ophelia entführt.
»Aus 290 Kapiteln, manche davon nur wenige Wörter lang, setzt Don Winslow ein grelles Mosaik zusammen. Die Sprache wirkt getrieben, hektisch und atemlos. Einwortsätze, Ellipsen, durchgehendes Präsens. Und immer wieder Wortspiele, die den Job der wackeren Übersetzerin Conny Lösch sicher nicht einfacher gemacht haben. Manchmal entzieht sie sich eines Problems, indem sie einfach das Original übernimmt. »Chon hat keine attitude, er hat batitude«, heißt es schon auf der ersten Seite. Das ist in Ordnung, denn hier zählt vor allem der Rhythmus.«
(Joachim Feldmann, Die Welt)
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3. Platz: Kate Atkinson: Das vergessene Kind (Droemer)
Tracy Waterhouse, ehemalige Polizistin und absolut gesetzestreue Bürgerin, kauft ein Kind. Niemand ist davon mehr überrascht als sie selbst. Zwar handelt es sich dabei eigentlich um eine Rettungsaktion, dennoch ist das Ganze keineswegs legal, und Tracy ist von Stund an auf der Flucht. Da kommt es ihr höchst ungelegen, dass ein gewisser Jackson Brodie, Privatdetektiv, sie unbedingt wegen eines dreißig Jahre alten Falles sprechen möchte ...
»Kate Atkinson spielt mit den unterschiedlichsten Aspekten der Liebe zu Kindern, die sie gekonnt in die verschiedenen Erzählstränge einbindet. Diese Stränge berühren einander, verknoten sich, lösen sich wieder und krachen am Ende furios und unaufhaltsam aufeinander. Um einen Krimi handelt es sich dabei eher am Rande, vielmehr verflechten sich Handlungen und Ereignisse zu einem dichten Gewebe, in dem nichts wirklich zufällig geschieht und doch nichts so verläuft wie geplant. Atkinson gelingt dies mit großer Souveränität und einem sehr entspannten schwarzen Humor, der gefangen nimmt.«
(Kirsten Reimers, alligatorpapiere)