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Erlangen – Jena: Eine exemplarische innerdeutsche Städtepartnerschaft



Am Freitag, den 26. Februar 2010, fand in Suhl eine von der Bundesstiftung Aufarbeitung organisierte Messe statt, in deren Verlauf auch die deutsch-deutschen Städtepartnerschaften thematisiert wurden. Nachdem seit Anfang der 90er Jahre der Status quo dieser Freundschaften von der Öffentlichkeit, den Medien, der Politik und sogar der Wissenschaft eher unbekannt ist, soll im 20. Jahr der Deutschen Einheit diesen Fragen wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Dies signalisierte deutlich die hochkarätige Beteiligung seitens des Bundesinnenministeriums. Ein weiteres Indiz für das geschärfte Interesse: Im September soll in Berlin der erste Kongreß für deutsch-deutsche Städtepartnerschaften stattfinden. Bereits im Vorjahr hatte das Innenministerium zu einer Vorbereitungskonferenz eingeladen, an der Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, sein persönlicher Mitarbeiter, Matthias Bettenhäuser, sowie Erlangens Partnerschaftsbeauftragter, Peter Steger, teilgenommen hatten.

Die Deutsche Gesellschaft hat nun unter www.deutsch-deutsche-partnerschaften.de eine Homepage eingerichtet, die als Portal für einen Erfahrungsaustausch dienen soll und Angaben über den Stand der Beziehungen gibt. Freilich lebt die Seite davon, in welchem Umfang und in welcher Qualität die Kommunen Informationen bereitstellen.

Deutsch-deutsche Partnerschaft

Gegenwärtig läuft darüber hinaus eine Umfrage des Leibnitz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung unter den Partnerschaftspaaren über Art und Intensität der Kontakte zwischen Ost und West. Das Projekt ist auf ein halbes Jahr angelegt und soll eine Wissensbasis bieten, die Impulse für weiterführende Arbeiten geben kann.

Schließlich plant das Bundesland Bremen als diesjähriger Ausrichter der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit eine Ausstellung in Form einer Landkarte Deutschlands, auf der 15 Partnerschaftspaare – der Zahl der Bundesländer entsprechend - eingezeichnet sind, die exemplarisch ihre Projekte vorstellen können. Mit von der Partie Erlangen und Jena als eine der nach wie vor intensivsten und aktivsten innerdeutschen Städtefreundschaften, die ihren Anfang bereits deutlich vor der Friedlichen Revolution genommen hatte. Die Veranstalter zeigen besonders Interesse an dem Partnerschaftsdreieck Erlangen – Jena – Wladimir, das in seiner Grenzerweiterung ungewöhnliche Perspektiven für die Zukunft bietet, regen aber auch an, den Jugend- und Schüleraustausch zu thematisieren, zumal der Partnerschaftsdokumentarfilm des Ohm-Gymnasiums als wegweisendes Projekt eingestuft wird und Mitte des Monats an der Endausscheidung des Mittelfränkischen Schulfilmwettbewerbs teilnimmt.

Die Ausstellung wird ab Ende des Jahres von Bremen aus kostenfrei in die beteiligten Städte geliefert, die damit ohne großen eigenen Aufwand eine einzigartige „Leistungsschau“ der deutsch-deutschen Partnerschaften zeigen können. Mehr noch: Die 15 Partnerschaftspaare haben die Möglichkeit, verdiente Persönlichkeiten des Austausches zur Teilnahme an der zentralen Gedenkfeier am 3. Oktober in Bremen vorzuschlagen.

Eine späte Anerkennung für die gar nicht so vielen Partnerschaften unter mehr als 1.000 Verbindungen, die es gleich nach der Wende gab und die es verstanden haben, nicht der Versuchung zu erliegen, mit der Normalisierung der Beziehungen die Kontakte einschlafen zu lassen. Eine Reverenz an all die, welche sich dem oft mühsamen Alltag der innerdeutschen Verbindungen gestellt und unspektakulär aber effektiv – von den Medien unbeachtet – ihren Beitrag zum Zusammenwachsen Deutschlands geleistet haben. Eine Auszeichnung für die Politiker und Bürger, die verstehen, daß man sich um die Deutsche Einheit – ähnlich wie um die Freiheit – immer wieder aufs neue bemühen muß. Beide sind eins sicherlich nicht: selbstverständlich.

PS, 27.02.10

 

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Datum: Sonntag, 27. Mai 2012
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