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Neues aus den Partnerstädten

Text vorlesen Der rote Faden der Partnerschaft

Der rote Faden der Partnerschaft



1998 ist die russische Wirtschaft zusammengebrochen, vor allem in den Krankenhäusern herrschten katastrophale Zustände. Besonders schlimm hatte es die Psychiatrie getroffen. Das BRK Erlangen-Höchstadt unter Leitung von Brüne Soltau und Jürgen Üblacker ergriff damals die Initiative und schmiedete ein Bündnis der humanitären Hilfe. Aus dieser Notaktion heraus erwuchs aber rasch auch eine fachliche Zusammenarbeit. Seit genau zehn Jahren entwickelt sich das Projekt „Lichtblick“ der Barmherzigen Brüder Gremsdorf - mit erstaunlichem Erfolg. Ebenfalls 1999 eröffnete das BRK Erlangen-Höchstadt in Wladimir das Rot-Kreuz-Zentrum.

Jürgen und Josefa Üblacker mit Alexander Bersenjew in Wladimir

Um dieses Doppeljubiläum zu feiern, besuchte vom 6. bis 9. Dezember eine Fachdelegation unter Leitung von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die russische Partnerstadt. Beide Projekte wurden bereits 2001 von Bundespräsident Johannes Rau mit dem 1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Russland ausgezeichnet, Ansporn genug, die Arbeit weiter zu intensivieren. Eigens zurUnterstützung des Rot-Kreuz-Zentrum wurde ein Förderverein in Erlangen gegründet, dem es gelungen ist, das Programm „Häusliche Pflege von Schwerstkranken“ mit bis zu 15 Schwestern und einem Arzt sowie ein Erste-Hilfe-Projekt auf den Weg zu bringen. Auch wenn es in den letzten zwei Jahren personelle Probleme vor Ort gegeben hat, ist Jürgen Üblacker zuversichtlich, die Arbeit mit Unterstützung von Oberbürgermeister Alexander Rybakow und Vizegouverneur Sergej Martynow unter neuer Leitung erfolgreich fortsetzen zu können. Die Wladimirer Politik ist sich eins: „Ohne das Rote Kreuz können wir uns die Partnerschaft nicht vorstellen.“ Und Bürgermeisterin Elisabeth Preuß prägt das Wort vom roten Faden, der sich mit dem Roten Kreuz durch die ganze Städtefreundschaft ziehe. Spenden für den Verein sind möglich auf das Konto 91181 der Sparkasse Erlangen.

Jürgen Ganzmann erinnert sich an Zustände vor zehn Jahren, die so schlimm waren, dass er gar nicht wagte, Fotos in der Kinderabteilung zu machen. Mittlerweile ist die längst durch die Unterstützung der Aktion Sternstunden umgebaut und saniert, die Kinder sind gut gekleidet und können gut versorgt werden. Dank dem Fachaustausch mit den Barmherzigen Brüdern und weiteren Partnern wie die WAB Kosbach oder das Klinikum am Europakanal, an dem bereits über 200 Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen teilgenommen haben, konnten die Verweildauer der jungen Patienten erheblich verkürzt werden, und statt Psychopharmaka gibt es heute Musik- und Kunsttherapie.

BM Elisabeth Preuß in Wladimir

Im Vorjahr entstand aus dem Projekt „Lichtblick“ heraus vor den Toren Wladimirs der „Blaue Himmel“, eine Einrichtung für Kinder mit psychischen Behinderungen, die seit Anfang des Jahres intensiv für Erholungsmaßnahmen genutzt wird. Für die Renovierung des Heims mit seinem weitläufigen und malerischen Gelände am Ufer der Kljasma stellte die „Aktion Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks € 210.000 zur Verfügung. Da aber das Gouvernement Wladimir, von der Bedeutung des „Blauen Himmels“ überzeugt, einen Großteil der Kosten übernommen hat und den weiteren Betrieb sichert, muss die Summe gar nicht voll ausgeschöpft werden. Mehr noch: Wladimir will dort gemeinsam mit den Partnern ein Zentrum für Erlebnispädagogik einrichten. Projektkoordinator Wolfram Howein und Prof. Werner Michl, ausgewiesener Experte für Erlebnispädagogik, sind sich beim Festakt im Erlangen-Haus einig: „Das ist eine große Chance für die Kinder. Wir können hier unsere Erfahrungen mit denen der russischen Kollegen zusammenführen und gemeinsam neue Wege der Pädagogik für Kinder mit psychischen Behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten gehen.“

Einen besonders gelungenen kulturellen Akzent setzte das unlängst zum besten Mädchenchor Bayerns gekürte Ensemble des Christian-Ernst-Gymnasiums unter Leitung von JochachimAdamczewski. „Zwei Konzerte vor ausverkauften Sälen, ein begeistertes Publikum und die überwältigende Gastfreundschaft machten den Aufenthalt zur reinen Freude. Und im nächsten Jahr schon erwarten wir den Gegenbesuch eines Wladimirer Mädchenchors“, blickt der Gründer und Dirigent des Ensembles zurück. Möglich wurde die Reise dank der Unterstützung durch die West-Östliche Stiftung und das Kulturamt Erlangen.

Konzert des Mädchen-Chors in Wladimir

PS, 27.12.09



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