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Text vorlesen Stoke City mischt nach vielen Jahre wieder die englische Premier League auf

Stoke City mischt nach vielen Jahre wieder die englische Premier League auf



Haben Sie Ohrenstöpsel dabei? Es wird laut im Stadion!« Der Mann mit den Einkaufstaschen, der an der Ampel im Zentrum von Erlangens Partnerstadt steht und den Weg zum «Britannia Stadium« erklärt, warnt sichtlich stolz vor einem Phänomen, das derzeit England verblüfft. Der traditionsreiche, aber jahrzehntelang chronisch erfolglose Stoke City FC (in der Saison ’84/’85 war der Verein vor dem Aufstieg im vergangenen Jahr letztmals in der höchsten englischen Spielklasse vertreten und stellte dabei mit nur 17 erzielten Punkten einen zwei Jahrzehnte unerreichten Negativrekord auf), mischt derzeit ordentlich in der Premier League mit - und sorgt durch seine Fans für Ohrenschmerzen bei Stars wie Christiano Ronaldo, Michael Ballack oder Michael Owen.

Derzeit steht das Team von Trainer Tony Pulis auf Platz 12 der Premiere League. Als bester Aufsteiger hat man acht Punkt Distanz zu den Abstiegsrängen und ärgert vor allem bei Heimspielen auch die großen Vereine, deren Etats mit vielen Millionen Pfund mehr ausgestattet sind.

«Sind stolz auf die Jungs«

«Wir sind alle mächtig stolz auf die Jungs«, erzählt auch Henry Fox. An der Hauptstraße, deren Leerstände verraten, dass sie ihre beste Zeit lange hinter sich hat, betreibt er einen Schreibwarenladen mit angeschlossenen Stoke-City-Devotionalienhandel Hier gibt es Tassen mit den aktuellen Stars wie den Torjäger Ricardo Fuller, aber auch die als Souvenir verpackten Erinnerungen an die großen Zeiten und die großen Namen des Vereins. Immerhin spielten bei Stoke City Sir Stanley Matthews, Geoff Hurst sowie die Torwart-Legenden Gordon Banks und Peter Shilton. Der einzig richtig große Erfolg gelang aber lediglich im Jahr 1972. Damals gewannen die 1863 gegründeten «Potters« den Ligapokal und wurden per Triumphzug durch ihre Heimatstadt, die ein etwas seltsames Konstrukt aus mehreren Kommunen ist, gefeiert.

An die alten Tage erinnern sich vor allem die Senioren gern. Beispielsweise der Rentner, der im Bus zum Stadion gleich mal lautstark allen Fahrgästen verkündet, dass gerade ein Journalist eingestiegen ist, der auch in Deutschland über die Heldentaten der Mannschaft in den rot-weiß-gestreiften Trikots berichten möchte. Mit Funkeln in den Augen erzählt er davon, wie der große Stanley Matthews nach vielen Jahren der Fußball-Wanderschaft einst wieder nach Stoke-on-Trent zurückkehrte und 1961 beim Begrüßungsspiel fast 40000 Zuschauer ihrem Idol, der damals mit 46 Jahren seine große Zeit schon hinter sich hatte, zujubelten. «Er spielte noch mit Anfang 50. Aus Respekt vor ihm ging aber kein gegnerischer Abwehrspieler hart an ihn ran!«

Direkt neben dem Stadion steht das Denkmal, das an den 2000 verstorbenen Fußballer erinnert. Seine Asche ist unter dem Rasen des 1997 fertig gestellten Britannia-Stadions verteilt worden. 28000 Zuschauer finden hier Platz. Fast alle Spiele sind ausverkauft, für die kommende Saison wird gerade ein Dauerkarten-Vorverkaufsrekord vermeldet - schließlich zweifelt in Stoke-on-Trent niemand am Klassenerhalt.

Was die besonderen Qualitäten ausmacht, bekamen in den vergangenen Tagen Newcastle United und die Blackburn Rovers zu spüren. Gegen die Rovers gewannen die «Potters« - den Spitznamen «Die Töpfer« verdankt das Team den Ruf der Region als ehemalige Hochburg der Keramik-Industrie - und in einem hitzigen Spiel trennte man sich unglücklich gegen Newcastle mit eins zu eins. Newcastles Trainer und 90er-Jahre-Fußballheld Alan Shearer gab bei der anschließenden Pressekonferenz gleich zu, dass sein abstiegsbedrohtes Team in Stoke-on-Trent lediglich bestehen konnte, weil sie sich ein paar Tugenden der Hausherren abgeguckt hatten: Kampfgeist, Tempo und Willenskraft. Shearer: «Die spielen zwar schon etwas anders, als die anderen Teams in der Liga, aber wie sie das machen, ist beeindruckend und sehr, sehr erfolgreich.« An der Seite der beiden überragenden Spielern Ricardo Fuller und des Abwehrstrategen Abdoulaye Diagne-Faye wächst der Rest des Teams regelmäßig über sich hinaus. Und wenn dann Rory Delap zu seinen gefürchteten, weiten Einwürfen den vom Balljungen mit einem Handtuch abgetrockneten Ball gereicht bekommt, verwandeln sich die Zuschauer wieder in die «offiziell lautesten Fans der Liga«.

Wie es in anderen Stadien klingt, erfährt das Team am heutigen Samstag bei der Begegnung in London. Gegen Fulham möchte man wieder daran arbeiten, dass man bis Ende der Saison eine der großen englischen Fußballüberraschungen bleibt.

www.www.stokecityfc.com

Stefan Mößler-Rademacher

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Fußball in Stoke-on-Trent (EN)
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Datum: Sonntag, 27. Mai 2012
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