Wir vergessen nicht, aber wir verzeihen
Wladimirer Erklärung
Die Partnerstädte Erlangen und Wladimir, seit 1983 durch einen intensiven Austausch in allen Bereichen des öffentlichen Lebens eng verbunden, erklären am Vorabend des 9. Mai 2010, dem 65. Jahrestag des Kriegsendes, und anläßlich des fünfzehnjährigen Jubiläums des Erlangen-Hauses:
- Wir verpflichten uns, auch weiterhin im Rahmen der Bürgerpartnerschaft zwischen unseren Städten alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Austausch in Kultur, Sport, Wissenschaft, Bildung, Religion, Politik und Wirtschaft zu fördern und auszubauen. Besondere Aufmerksamkeit dabei soll dem Jugendaustausch zuteil werden.
- Wir verstehen die kommunalen und bürgerschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Städten als den fruchtbaren Boden, auf dem die gutnachbarschaftlichen zwischenstaatlichen Beziehungen unserer Länder gedeihen. Unser Beitrag zur Völkerverständigung führt Menschen beider Staaten zusammen, die ohne diese Kontakte nicht zueinander gefunden hätten.
- Eine zentrale Voraussetzung unseres vielseitigen Austausches mit mehr als einhundert Begegnungen pro Jahr ist die ungehinderte Reisefreiheit. Wir legen deshalb den Verhandlungspartnern der deutsch-russischen Regierungskonsultationen, die sich im Juni in Jekaterinburg treffen, nahe, auf eine Aufhebung des Visumzwanges hinzuwirken.
- Deutschland begeht am 3. Oktober 2010 den 20. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung, möglich geworden erst durch das entscheidende Mitwirken der Sowjetunion und der Russischen Föderation als deren Rechtsnachfolger. Wir fordern deshalb die deutsche Bundesregierung auf, sich im 20. Jahr der Deutschen Einheit auf EU-Ebene dafür einzusetzen, die Beziehungen mit der Russischen Föderation nicht nur auf allen Ebenen weiter zu intensivieren, sondern auch die gegenseitige Reisefreiheit zu ermöglichen.
- Zentrales Anliegen der Städtepartnerschaft war von Beginn an die Aussöhnung der einstigen Kriegsgegner. Dieses Ziel ist durch die vielen Begegnungen von Veteranen seit 1991 aus unserer Sicht erreicht. Allerdings wollen wir auch die kommenden Generationen mit unserer gemeinsamen Geschichte vertraut machen, um eine Wiederholung der schrecklichen Verbrechen der Vergangenheit in der Zukunft vermeiden zu helfen.
- Mittelpunkt der Städtepartnerschaft ist seit 15 Jahren das Erlangen-Haus mit seinen vielfältigen Aufgaben, von den Deutsch-Kursen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau bis hin zur Förderung der Bürgerkontakte. Wir werden deshalb weiterhin einvernehmlich diese Stiftung unterstützen und als Zentrum unserer Zusammenarbeit bewahren.
- Wir sind den vielen Ehrenamtlichen, die im Rahmen der Partnerschaft tätig sind, zu großem Dank verpflichtet und rufen alle Menschen unserer Städte dazu auf, weiterhin eigene Initiativen zum Austausch zu entwickeln. Nur ein dichtes Netz der Verbindungen zwischen Vereinen, Klubs, Verbänden und Organisationen gewährleistet auch in Zukunft die notwendige Verständigung zwischen unseren Völkern.
Wladimir, den 8. Mai 2010