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Der „Berg“ stand 1905 im Zeichen der Schützen



Postkarte vom "Berg" 1903
Wie Erlangen den 250. Geburtstag der Bergkirchweih begeht, erleben wir in diesen Tagen. Interessant ist aber auch ein Blick darauf, wie die Erlanger und ihre auswärtigen Gäste die Pfingstkirchweih vor 100 Jahren feierten.

Stärker als der „runde“ 150. Geburtstag im Jahre 1905 interessierte die Erlanger in den Monaten vor Pfingsten offenbar die Frage, ob der auf verschiedenen Volksfesten auftretende auswärtige Festwirt Michael Ammersdörfer erneut mit seinem erstmals im Vorjahre 1904 aufgestellten Riesenzelt den traditionellen Felsenkellern und den Wirtschaften in der Umgebung des Berges unliebsame Konkurrenz machen dürfe.

Wie die Gastwirts-Innung waren „fast sämtliche“ Magistratsräte dagegen. Sie beschlossen schon in ihrer Sitzung am 30. März 1905, dem „Baron Muckl“, wie sich Ammersdörfer werbewirksam nannte, die Rückkehr auf den Berg zu verweigern. Einem Auswärtigen gegenüber war das vergleichsweise einfach.

Dann aber bat die einheimische „Erste Erlanger Aktienbrauerei vormals C. Niklas“ unter Hinweis auf das Gewerbegesetz von 1868 darum, auch außerhalb ihres Kellers auf dem von ihr gepachteten Kressels-Garten an der Bergstraße Bier ausschenken zu dürfen.

Der städtische Rechtsrat Schmidt vermutete von Anfang an, dass „nur eine Umgehung des gegen Muckl gefassten Magistratsbeschlusses“ geplant sei. Daher erteilte die Stadt schließlich Mitte Mai der Niklas-Bräu eher ungern die Erlaubnis zur Errichtung eines Zeltes.

Abnormes war ganz normal

Vor dem Kirchweihbeginn in der zweiten Juniwoche 1905 verkündeten Großannoncen den Zeitungslesern dann tatsächlich: „Niklas-Bräu-Ausschank im Riesen-Festzelt ,Baron Muckl‘ mit seiner weltberühmten oberbayerischen Bauernkapelle ,d’ Hollertauer‘ in Nationaltracht.“

Zu den besonders stark frequentierten Attraktionen der 150. Bergkirchweih zählte der erneut modernisierte „P. Lindners Pracht-Kinematograph“. Neben unterhaltsamen Beiträgen konnten die Erlanger sich hier auch aktuelle Geschehnisse des Jahres 1905 vor Augen führen lassen, so die blutig niedergeschlagenen Unruhen in Petersburg oder Aufnahmen aus dem in Fernost tobenden russisch-japanischen Krieg. „Es wirkt die kolossale Lichtfülle sowie die ganze Ausstattung schon von außen auf jeden Besucher derart ein, dass er unwillkürlich in das Innere eintritt“, überliefert ein zeitgenössischer Berichterstatter.

Sehr selbstverständlich gehörte die Zurschaustellung von Menschen mit körperlichen Abnormitäten zur Wirklichkeit der Bergkirchweih. 1905 konnte man die 340 Pfund schwere 16-jährige Antonietta als „das schönste und schwerste Riesenmädchen der Gegenwart“ bewundern oder sich, ein paar Schausteller-Zelte weiter, sogar gleich drei „Riesengeschwister“ anschauen.

Im Gegensatz zum Jahr 2005 nahmen Stadt und Presse vom Jubiläum der Kirchweih vor 100 Jahren zunächst anscheinend kaum Notiz. Die „Fränkischen Nachrichten“ wurden immerhin kurz vor Pfingsten „von geschätzter Seite“ auf den dann auch abgedruckten Erlass vom April 1755 hingewiesen, der als „Gründungsurkunde“ der Kirchweih gilt.

Es waren die Schützen, die dem Jubiläumsjahr ein besonderes Gepräge gaben. Sie hielten ihren historischen Vogelfestzug „nach längeren Jahren“ wieder am zweiten Pfingsttag ab. Wie früher zog eine Abteilung der Regimentsmusik ab 6 Uhr morgens durch die Stadt und brachte dem ersten Bürgermeister Dr. Theodor Klippel als Schützenkommissär, den beiden Ehrenschützenmeistern, den Schützenmeistern und Ausschussmitgliedern sowie dem damaligen Vogelkönig – Bäckermeister Pflaum — ein Morgenständchen dar.

Neuer Besucherrekord

Um 11 Uhr wurde der Schützenvogel, begleitet von Trommlern und Pfeifern in Tracht, von den „Zielern“ durch die Stadt getragen und den Honoratioren des Schützenmeisteramtes präsentiert; um 14 Uhr setzte sich dann der Festzug mitsamt der von Buben getragenen Preisfahnen zum Altstädter Schießhaus in Bewegung.

Mit etwa 35 000 Besuchern an diesem Pfingstmontag wurde 1905 ein neuer Rekord aufgestellt. Angesichts der dicht besetzten Keller hatte sich das Publikum auch auf dem Rasen niedergelassen und bot in seiner vielfältigen Bekleidung ein buntes Bild. Trotz der vielen Sonderzüge gab es vor allem an diesem Tage auch das übliche Gedränge am Bahnhof, wenn die Pfingstgäste eintrafen oder abfuhren.

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