Auszug aus der Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung
„Vom Jahrmarkt zum Kultfest. 250 Jahre Erlanger Bergkirchweih”
am 5. Mai 2005 im Stadtmuseum Erlangen
Dr. Christoph Friederich
Leiter von Stadtarchiv und Stadtmuseum Erlangen
I.
Ich zitiere aus einer Lateinschulaufgabe der 6. Klasse des Gymnasiums Fridericianum aus dem Jahr 1950, in der folgender Text ins Lateinische übersetzt werden sollte:
"Von einem gewissen Fest unserer Stadt. Wir hoffen, daß wir in diesen Tagen die Bergkirchweih (= den heiligen Berg) besuchen werden. Dort wirst du mit deinen Freundinnen lustwandeln. In kleinen bunten Wagen fliegt ihr um den Platz herum. Fleißige Kaufleute haben sehr viele süße Dinge und mit scharfen Fischen bedeckte Brote herbeigebracht. Muntere Jünglinge und schwache Greise, frohe Mädchen und edle Frauen stillen ihren hitzigen Durst mit kaltem Bier (cervisia,-ae) aus schweren und hohen Steinkrügen (= steinernen Vasen). Da sowohl Einwohner als auch Fremde jenes Getränk sehr lieben, gibt es eine äußerst große Menge. Zierliche Bratwürste (salsicia,-orum) und teuere Hühner erquicken die gierigen Gäste. Ihr lautes (=großes) Geschrei donnert durch die Lüfte. Aber die mit Bauernkleidung geschmückten Männer, durch deren Musik höchste Lust erregt wird, haben sehr viele reiche Bewohner des Berges vertrieben, so daß ihre Villen jetzt leer sind. Plenus venter non studet libenter, wie ein altes Sprichwort heißt. Daher ist jenes altehrwürdige Fest schon immer in den Ferien gewesen. Da hoffen wir, daß alle Kinder und Eltern erfreut werden. Erzähle, o Anton, der kranken Großmutter, die früher oft dort gewesen ist, von den Freuden des heiligen Berges. Damals hatte der Großvater mit herrlicher Stimme gesungen: ‚Primum - secundum - tertium - bibite!! (Diesen klassischen Vers möglichst frei übersetzen!)" (1)
Wie man sieht, enthält dieser Text die wichtigsten Elemente der Bergkirchweih, so wie wir sie kennen. Auch ihre dreifache historische Wurzel, nämlich die Dreieinigkeit von Kaufen, Schießen und Saufen, wenn man so sagen darf, wird angesprochen: Die auf den Berg verlegten Altstädter Jahrmärkte mit den "fleißigen Kaufleuten", die Bierkeller mit "dem kalten Bier aus schweren und hohen Steinkrügen". Nur das Vogelschießen der Altstädter Schützenkompanie, das ja seit 1911 am Waldschießhaus stattfindet, wird nicht erwähnt, jedoch mit den "kleinen bunten Wagen" das sich etwa seit 1900 zunehmend ausdifferenzierende und technisierte Schaustellergewerbe angeführt. Alle diese hier aufgezählten Aspekte zeigt die Ausstellung in ihrer historischen Entwicklung und im Kontext der gesamten Stadtgeschichte.
Ich möchte stattdessen in den nächsten Minuten einige Überlegungen zum "Geist der Bergkirchweih", zum Bergmythos, anstellen und zu dessen Bedeutung für Selbstverständnis, Mentalität und Lokalidentität des homo Erlangensis. Insofern sind diese meine Gedanken erste kleine Bausteine zu einer noch nicht geschriebenen Erlanger Mentalitätsgeschichte.
Der oben zitierte Text enthält viele Anspielungen auf diesen Bergmythos. Zunächst einmal wird er hier, wie es sich für eine Akademikerstadt gehört, nicht so sehr mit der Muttermilch oder dem Bergbier als vielmehr mit dem Lateinunterricht aufgesogen. Weiterführend und symptomatisch in diesem Sinne erscheint mir jedoch die Anweisung des Lateinlehrers, "Bergkirchweih" mit "Heiliger Berg" zu übersetzen. Diese Übersetzungsanweisung deckt nämlich auf, dass ein wesentliches Element der Bergmentalität der Bergkult ist. Eine kultische Begrifflichkeit eignet sich daher auch sehr gut zur Beschreibung dessen, was sich auf dem Berg vollzieht:
- Pilgerströme ergießen sich auf die Weihestätte unter freiem Himmel,
- Trank- und Tieropfer werden dargebracht,
- rituelle Tänze zu monotonen Gesängen vollführt,
- bewusstseinserweiternde Selbstkasteiungen in hochgezüchteten Foltermaschinen durchlitten,
- ein fassförmiger Fetisch wird unter großer Anteilnahme beerdigt usw.
Die Lateinschulaufgabe zeigt aber auch sehr gut, dass eine Voraussetzung für die besondere Bergkirchweihmentalität das gemeinsame Bergerlebnis ist und die auf dieses bezogenen Erwartungen, Hoffnungen, Emotionen und Erinnerungen. Der Mythos dieses Erlebnisses wohnt in den Herzen und Köpfen der Bergbesucher, es gilt, ihn jedes Jahr neu zu beleben, zu gestalten und schließlich durch eine einschlägige Erlebnisliteratur für die Erinnerung aufzubewahren. Diese, wie ich sie nennen möchte, bergmythologische Literatur, häufig mit poetischem Anspruch und durch alkoholische Einwirkung gleichzeitig getrübt und beflügelt, hat unser Bild von der Bergkirchweih durch die Jahrhunderte geprägt. Sie hilft auch in den Zeiten des technisierten Massenkonsums, an einem Idealbild der Bergkirchweih als einem friedlichen, fröhlichen und selbstbestimmten Gesamterlebnis festzuhalten und dessen traditionelle Einzigartigkeit für die Zukunft zu verteidigen.
II.
Ein weiteres wichtiges Element der Bergmentalität ist das der sozialen und regionalen Durchlässigkeit, das in der sozialgeschichtlichen und bergmythologischen Literatur immer wieder beschrieben wird. Werner K. Blessing spricht hier von einem schichtenübergreifenden "Erlebniskollektiv auf Zeit" (2) Unter dem verbindenden Dach gemeinsamen Genusses und gemeinsamer Fröhlichkeit fallen die Abgrenzungen der sozialen Schichtungen ebenso wie die zwischen Stadt und Land. Der Erlanger "Verschlimacher" Hermann Riedmüller hat dieses Phänomen in seinem Gedicht "Bergkerwa" 1965 äußerst prägnant beschrieben :
"Alles hockt do beianander,
wu mer her is, des is worscht,
Fremda wern si glei bekannter,
alla habn s in gleichn Dorscht." (3)
Etwas moderner, in der gesellschaftskritischen Begrifflichkeit eines 68ers formuliert es Fitzgerald Kusz:
"Erlangen, einmal im Jahr mit einem Vorgeschmack der klassenlosen Gesellschaft ...
Das gute Einvernehmen der saufenden Mehrheit.
Die Solidarität der an den Zaun Schiffenden.
Die zeitweilige Aufhebung täglicher Normen.
Der vorübergehende Sieg des Lustprinzips." (4)
Der Erlanger Wahlspruch Offen aus Tradition erhält also nicht nur aus seinen bekannten historischen Wurzeln der Hugenottenstadt, der Flüchtlingsstadt usw. seine Nahrung, sondern auch aus der alljährlich am Berg erlebten und bestärkten Gewissheit, dass eine durchlässige Erlanger Gesellschaft, auch über die Stadtmauern hinweg, prinzipiell möglich ist.
Dialektisch gesehen lebt jede Solidarität von der Existenz ihres Gegenteils, in diesem Fall von der Existenz einer kleinen, auch von der bergmythologischen Literatur weitgehend totgeschwiegenen Minderheit der Bergmuffel, Berggeschädigten und Bergopfer. Neben letzteren sind es vor allem die Zweifler an der reinen Berglehre, die bier- und versammlungsresistenten Außenseiter, die sich schuldig machen an der pfingstlich aufbrechenden Gemeinschaftlichkeit und Verbrüderungsfreude. Um diese Minderheit trotz aller euphorischen Reverenz an den Berggeist nicht völlig zu unterschlagen, zitiere ich aus dem Brief eines Anliegers vom 20. Juni 1960 an Oberbürgermeister Dr. Lades:
"Liebes Stadtoberhaupt ... Deine Rede zur Eröffnung der Erlanger Bergkerwa und besonders Dein Hinweis auf die Gemütlichkeit an den Kellern hat mir gut gefallen. Doch wie Du allen an der Gestaltung jener Gemütlichkeit Beteiligten den Dank der Stadt ausgesprochen hast, hast Du etwas vergessen, nämlich das Opfer der passiv Beteiligten, die dem Kerwabesucher die häusliche Gemütlichkeit opfern. ... Mir persönlich liegt es fern die Abschaffung der Kerwa zu erhoffen, da die Kerwa für alle Leute außer den Anliegern ein schönes Fest ist. ... Wäre es nicht schön und möglich, der Anlieger in Deiner Rede bei der nächsten Bierprobe zu gedenken und Dein tiefes Mitleid für die Lärmgequälten anschließend durch einen Sondersuperkerwatusch zu unterstreichen?" (5)
In seinem Antwortschreiben verspricht der Oberbürgermeister, der Geschädigten beim nächsten Bieranstich öffentlich zu gedenken. Als Lösung des Problems empfiehlt er:
"Wahrscheinlich gibt es aber nur ein wirksames Mittel für die, die nicht ausreißen wollen oder können: Mitmachen!
III.
Ein wichtiges Element der Bergsolidarität sind die Musik und der gemeinsame Gesang, insoweit diese Bezeichnungen, musikalisch gesehen, wirklich angebracht sind. Während man heute wohl eher von der Gemeinsamkeit eines rhythmischen Lärmerlebnisses sprechen muss, wurden noch bis in die 1930er Jahre Liederbücher verteilt und zu deren Texten mit Kapellenbegleitung gesungen. Vermutlich erlaubt eine genauere Analyse des bevorzugten, damals noch der Vaterlands-, Heimat- und Frauenliebe gewidmeten Liedgutes ebenfalls tiefere Einblicke in die Bergmentalität. Als negatives Beispiel erwähne ich hier nur den "Altstädter und Neustädter Kirchenboten" von 1925, der wegen des offensichtlichen zunehmenden sittlichen Qualitätsverfalls der Liedinhalte die Bergkirchweih als "Eiterbeule am Körper unserer Einwohnerschaft" brandmarkte. (6)
Die Gemeinsamkeit des Bergerlebnisses erscheint hier also eher als die Praktizierung eines niedrigen Niveaus, das ja in einer Akademiker- und Ingenieursstadt durchaus eine von den Zwängen des Alltags entlastende Funktion haben kann. Diese kompensatorische Funktion von Volksfesten wird auch in der wissenschaftlichen Literatur hervorgehoben. (7)
Ob die Kategorie des Niveaus überhaupt ein angemessenes Kriterium für die Qualität des Bergerlebnisses sein kann, möchte ich dahingestellt sein lassen. Wir sprechen ja auch im Ausstellungstitel nicht von einer Bergkultur, sondern von einem Bergkult. Die in einem weiten Sinne kulturellen Veranstaltungen am Berg, wie Kaspertheater, Varietes, Scherenschneider, Porträtzeichner und -fotografen oder die Präsentation historischer Panoramen in Schaubuden legten ihren Schwerpunkt offensichtlich mehr auf Sensationslust und Unterhaltung. Dies gilt auch für den besonders geschmacklosen Fall einer Ausstellung von Bildern aus den Konzentrationslagern im Jahr 1947.
Es hat den Anschein, dass Universität und Stadt eine Zeit lang versucht haben, die Bergkirchweih als städtische Gesamtveranstaltung durch eigene kulturelle Beiträge aufzuwerten, um so den vielen auswärtigen Gästen ein attraktives Gesamtbild zu vermitteln. So öffnete die Universität vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Einrichtungen und Sammlungen, wie den Botanischen Garten, die Gemäldegalerie, die Zoologische und vor allem die Anatomische Sammlung, — diese vor allem als eindringliches, den gleichzeitigen Sinnesfreuden am Berg gegenübergestelltes Memento Mori und in der Präsentation von Abnormitäten und Monstrositäten als Fortsetzung einer alten Schaustellertradition sowie im Dritten Reich sogar als rassekundlichen Anschauungsunterricht. Gesondert geöffnet wurden auch das sogenannte Freimaurer-Museum, besonders für die Gäste aus der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg und natürlich das Heimatmuseum, heute Stadtmuseum, mit besonderen Veranstaltungen.
IV.
Wenn man auch nicht gerade behaupten kann, dass die Bergkirchweih einen höheren Kulturauftrag hat, so lässt sie sich dennoch verstehen als Gesamtfest Erlanger Lebenskultur, das durch das Bergbier eine besondere Würze erhält. Das Bier als Gleitmittel für die Festsolidarität und für das Festerlebnis hat jedoch neben seiner unverzichtbaren euphorisierenden Funktion einen identitätsstiftenden Charakter. Dies bedeutet: eine auf der Bergidentität beruhende Stadtidentität ist ohne Bieridentität nicht zu haben. Mit Rücksicht auf diese Erkenntnis hat man rechtzeitig zum Jubiläum die Bierstadt Erlangen wiederentdeckt. Einem Gerücht zufolge soll sogar ein Bierheiliger namens "St. Karl-Kraus" ernannt worden sein. Obwohl es in Erlangen zwei bekannte und leistungsfähige Brauereien mit äußerst qualitätsvollem Bier gibt und auch sonst viel gutes Bier nach Erlangen importiert wird, ist der Begriff "Bierstadt" eher eine historische Reminiszenz. Er erinnert jedoch zu Recht daran, dass Erlangen eine lange zurückreichende Biertradition hat, ja im 18. Jahrhundert sogar als "Bierinsel" bezeichnet wird und in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise den Spitzenplatz im Bayerischen Bierexport innehatte. Paradoxerweise und ironischerweise ist jedoch gerade der Berg mit seinen Bierkellern eine der wesentlichen Ursachen dafür gewesen, dass die Bierstadt Erlangen diese Position verlor. Denn die Bierkeller verhinderten es lange Zeit, dass die Erlanger Brauereien auf die wesentlich leistungsfähigen und effizienteren modernen Kühlverfahren umstiegen.
Nachdem aber am Berg weiterhin große Biermengen vertilgt werden, liegt es nahe, im Zeichen des Bergkirchweihjubiläums auch den Erlanger Biermythos als Teil des Bergmythos wieder aufzufrischen, zumal auch die neue, vom Stadtarchiv herausgegebene historische Darstellung der Bergkirchweih den Titel "Die Erlanger Bergkirchweih. Deutschlands ältestes und schönstes Bierfest" trägt und somit diesen Anspruch wissenschaftlich untermauert. Es empfiehlt sich jedoch grundsätzlich, wenn von Bierstadt die Rede ist, zwischen der Biertrinkerstadt, Bierbrauereistadt und Biergeschichtsstadt zu unterscheiden.
Dass, wie der nachdenkliche Zeitgenosse meinen könnte, die Identität der Bierstadt Erlangen mit der Identität der Medizinstadt Erlangen in Konflikt geraten könnte, widerlegt schon unser Verschlimacher Hermann Riedmüller:
"Un so gehts die ganza Wochn,
dauernd bleibt mer do in Schwung
un sogoar die altn Knochn
macht die Kerwa wieder jung." (8)
Wenn es denn nun schon kein gesundheitsfreundliches alkoholfreies Bier sein darf, so könnte man bei dieser Gelegenheit doch eventuell auf den Vorschlag aus dem Amtsblatt der Militärregierung vom 8. Juni 1946 zurückgreifen:
"Es ist allerdings beabsichtigt, ein zwölfprozentiges Bier zum Ausschank zu bringen: Zwei Prozent Alkohol, 10 Prozent Bedienung."
Ich erinnere weiter daran, dass die Medizinstadt ja auch von der um die Pfingsttage herum signifikant ansteigenden Nachfrage nach Schwangerschaftstests unmittelbar profitiert. Die ursprünglich vom Museumsteam entwickelte Titelzeile für die Ausstellung Sitzen, Saufen, Schlaganfall wurde denn auch mit Rücksicht auf das Gesundheitsjahr wieder verworfen. Jedenfalls macht es einen tieferen Sinn, dem medical valley, also dem Medizintal, einen Bier-Berg an die Seite zu stellen. Der alte Spruch: Suchet das (medizinische) Heil zu erlangen muss dann durch einen zweiten Teil ergänzt werden: Suchet das Bier zu erlangen. Im Zeichen des Bergkirchweihjubiläums und des Gesundheitsjahres gilt es also, die Medizinstadt und die Bierstadt Erlangen miteinander zu versöhnen. Dies könnte am besten durch einen neuen Ortsnamen geschehen: aus Bi (für die Doppel-Medizin-Bier-Stadt) und Erlangen wird Bi-erlangen, zusammengezogen also Bierlangen.
V.
Ich habe soeben nur einige von den Aspekten angesprochen, die in unserer Ausstellung konkretisiert werden. Die Ausstellung will die Geschichte der Bergkirchweih in ihren Grundzügen mit erläuternden Texten und exemplarischen Objekten anschaulich präsentieren. Das Bergerlebnis selber als emotionaler Tatbestand lässt sich wohl nicht ausstellen, aber doch seine Symbole und Vergegenständlichungen in Form musealer Objekte, die ihre Geschichte als Teil der großen Bergkirchweihgeschichte erzählen. Ich bin überzeugt: Wer die Ausstellung gesehen hat, wird auch die Bergkirchweih mit anderen Augen betrachten; und wer die aktuelle Bergkirchweih erlebt hat, wird vielleicht gerne in die Ausstellung zurückkehren, weil er den flüchtigen "Berggeist" hier noch am ehesten erahnen kann. Insofern bekennt sich die Ausstellung zu einer gefährdeten Tradition. Wir hoffen jedenfalls, die Vielgestaltigkeit und historische Tiefe der Bergkirchweih deutlich und nachvollziehbar gemacht zu haben. Allen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, gilt der herzliche Dank des Stadtmuseums.
VI.
Zum Schluss möchte ich nochmals an die Bierstadt Erlangen anknüpfen. Im Intelligenzblatt der Stadt Erlangen vom 25. April 1859 erschien eine Hymne auf das Bayerische Bier, die sicher auch für das Erlanger Bier gilt:
"Biedere, brave, brauchbare Bierbrauer-Burschen
bereiten beständig bitteres braunes Bayerisches Bier,
bekanntes besonders billiges Bedürfnis
begnügsamer, brüderlich behaglich beisammen bleibender bürgerlicher Biertrinker.
Bierfeindlich bethörte Bachus-Brüder behaupten bisweilen bestimmt:
Bier berausche bald, befriedige blos besoffene Bauern,
beraube besseres Bewußtsein, beschränke blühende Bildung,
bringe böses Blut, begründe breite Bäuche, befördere blinden Blödsinn,
breche bedauerlichen Begierden bodenlose Bahn."
Ich möchte aus heutiger Sicht für die Bergkirchweih diese Darstellung folgendermaßen ergänzen:
"Bergfröhliche Bürger besagter Bierstadt Bierlangen
bitten berühmten blaublütigen bierfreundlichen Bürgermeister Balleis:
Beglücke bierlechzende Bürger bald!
Besteche bierbauchiges Bergbbierfass beherzt!
Bierlangen bleibt Bierlangen - Bergkirchweih bleibt Bergkirchweih!"
(1) Die Schulaufgabe stellte Dr. Alexander Schäfer. Sie wurde mir dankenswerterweise von Dr. Harald Popp zur Verfügung gestellt.
(2) Werner K. Blessing, Art. "Volksfest", aus: Handbuch Populäre Kultur, hg. von Hans-Otto Hügel, Stuttgart/Weimar 2003, S. 500.
(3) zit. in: das neue Erlangen, Heft 52/53 (1980), S. 102.
(4) ebd. S. 106.
(5) Stadtarchiv Erlangen, A. 240/60 II.
(6) ausführlicher zitiert und erläutert von Martin Schieber, Fidele Bierlieder, in: Der Berg. Das Phänomen Erlanger Bergkirchweih, hg. von Ralf Birke und Klaus Karl-Kraus, Erlangen 2004, S. 120f.
(7) vgl. Blessing (Anm.2).
(8) Riedmüller (Anm. 3).