Besuchsdienste leisten Hilfe im Verborgenen
Meist bleiben sie im Verborgenen und fallen nicht weiter auf Menschen, egal ob krank oder alt, die niemanden mehr haben, der ihnen im Alltag oder in Notlagen hilft, Trost spendet und mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine Reihe von Besuchsdiensten in Erlangen versucht dem entgegenzuwirken. Ehrenamtliche Helfer leisten dort emotionale Hilfe und Beistand, wo sie oft am Dringendsten gebraucht werden: bei den Alten und Kranken unserer Gesellschaft.
"Geschenkte Zeit bringt Freude zurück", sagt Hildegard MelcherHein. Die 69-Jährige spricht aus Erfahrung: Seit fünf Jahren besucht sie in ihrer Freizeit eine 86-jährige alte Dame, leistet ihr Gesellschaft, hört ihr zu und hilft ihr dort, wo es nötig ist.
Zweimal im Jahr organisiert Hildegard Melcher-Hein darüber hinaus im Rahmen der Initiative Info-Treff einen runden Tisch für die verschiedenen Erlanger Besuchsdienste. 14 gibt es derzeit davon an der Zahl. Gemeinsam ist ihnen allen, dass ihre ehrenamtlich tätigen Helfer und Helferinnen "einsame, kranke oder alte Menschen im Heim, in der Klinik oder Zuhause besuchen. Oft haben diese Menschen keine Angehörigen mehr oder Angehörige, die zu weit weg wohnen", berichtet die 69-Jährige.
"Wir hören zu"
Für die Mitglieder der Besuchsdienste stehe dabei nicht das körperliche Wohl der Betreuten im Vordergrund — "für die pflegerischen Aufgaben sind andere da" —, sondern das emotionale Wohlbefinden, der Beistand, die Gesellschaft und die Hilfe im Alltag. "Wir lesen dem Menschen vor, wir hören ihm zu, wir gehen mit ihm spazieren, begleiten ihn zum Arzt, gehen mit ihm und für ihn einkaufen", beschreibt die Rentnerin ihr ehrenamtliches Tätigkeitsfeld.
Die Zahlen der Besuchsdienste sind beeindruckend: Rund 250 Helfer und Helferinnen haben im vergangenen Jahr knapp 2000 Menschen besucht und betreut und waren dabei fast 30000 Stunden im Einsatz. Das ergab eine Erhebung Melcher-Heins bei den verschiedenen Besuchsdiensten. Dabei leisten die ehrenamtlichen Helfer nicht nur, wie die Rentnerin betont, eine "wichtige Arbeit", sie decken auch ein großes Spektrum von verschiedenen Einsatzorten ab.
Auch Hilfe für seelisch Kranke
Während etwa der Klinikbesuchsdienst Patienten jeden Alters im Universitätsklinikum und im Waldkrankenhaus aufsucht, unterstützt der Betreuungsdienst Psychiatrie seelisch erkrankte Menschen im Alltag, Der Malteser Besuchsdienst hat sich dagegen auf den Besuch älterer und behinderter Menschen konzentriert. Natürlich: Nicht immer sei der Umgang mit alten oder kranken Menschen einfach, und es sei auch eine gewisse Verpflichtung, einen Menschen ehrenamtlich zu betreuen, gibt Melcher-Hein zu. "Aber spätestens, wenn man die strahlenden Augen sieht und merkt, hier wartet jemand Woche um Woche auf deinen Besuch, hat es sich ausgezahlt."
Engagement ohne Zwang
Davon abgesehen sei die Mitwirkung bei den Besuchsdiensten freiwillig und ohne jeglichen Zwang. "Ein Ehrenamt soll ja auch Spaß machen. Man bestimmt selbst, wie viel Zeit und Energie man dafür einsetzt", gibt sie zu bedenken und fügt lächelnd hinzu: "Aber eigentlich gewinnt man mehr, als man investiert." Probleme bereitet den Besuchsdiensten vor allem der eigene Nachwuchs.
Nicht immer sei es leicht, engagierte Menschen zu finden, die Zeit und Lust hätten, sich in ihrer Freizeit um andere Menschen zu kümmern.
"Die Gesellschaft muss sich viel mehr ihrer Verantwortung bewusst werden und der Einzelne selbst etwas zur Gemeinschaft beitragen", mahnt Hildegard Melcher-Hein an. Denn mehr getan werden könne natürlich immer. "Gerade einsame, alte Menschen ohne eigene Familie werden zahlenmäßig immer mehr. Das wird in den nächsten Jahren noch zunehmen." Die Aufgabe der Besuchsdienste, aber auch anderer ehrenamtlicher Stellen sei es daher, zu versuchen "eine Gemeinschaft zu bilden, die füreinander da ist und sich gegenseitig stützt."
Interessierte Frauen und Männer können sich unter Tel. 86 1676 oder per E-Mail unter freiwilliges.engagement@gmx.de an die Erlanger Freiwilligen-Initiative wenden. (Quelle: Stefanie Wolf - Erlanger Nachrichten).