Kulturbrief Mai 2006
Liebe Erlangerinnen und Erlanger,
die Kaiserwahlstube im Frankfurter Römer, die er ausgemalt hat, gilt als sein bedeutendstes Werk, aber im sakralen Bereich dominiert doch seine Ausgestaltung der Neustädter Kirche in Erlangen. Auslandsreisen führten ihn nach Italien, Österreich, Frankreich und Dänemark, wo er im Auftrag von König Christian VI. an der Ausstattung mehrerer Schlösser mitwirkte. Dazwischen hat er in Erlangen gewohnt und gilt heute als wichtiger Barockmaler. Zum 300. Geburtstag von Christian Leinberger stellt das Stadtmuseum den europaweit tätigen Erlanger Künstler mit über 100 Exponaten vor. Die Ausstellung dauert vom 14. Mai bis 30. Juli. Am 21. Mai, dem Internationalen Museumstag, kann man zudem sehen und probieren, wie Bilder restauriert oder Gipsfiguren gegossen werden.
Das Theater reist im Mai nach Memmingen, um seine „Rosigen Zeiten“ und „Platonov“ im Rahmen der 24. Bayerischen Theatertage zu präsentieren. Bei dieser Leistungsschau zeigen die Theater Bayerns das, was ihre Besonderheit ausmacht, einem kritisch vergleichenden Publikum, und natürlich hoffen die Erlanger Theatermacher wieder darauf, einen der begehrten Preise einsammeln zu können, wie das in der Vergangenheit schon oft der Fall war. Aber natürlich wird auch in Erlangen kräftig gespielt. Wer freilich „Die Gefangenen“ oder „Haus zur Sonne“ noch sehen will, muss sich beeilen, denn diese Stücke laufen im Mai aus.
Start ist in diesem Monat im Schlossgarten angesagt, wo am 14. Mai der Reigen der Gartenkonzerte eröffnet wird. Mit „Batida de Coco“ gibt es lateinamerikanische Rhythmen zum Auftakt, und gleich am 21. folgt mit Prokofiews „Peter und der Wolf“ ein Kinder- und Familienkonzert – hoffentlich wieder bei schönem Wetter!
An Fußball führt in diesem Sommer kein Weg vorbei. Auch die Volkshochschule, das Theater und das Kultur- und Freizeitamt spielen hier im Sturm mit. Die Diskussion um die Stuhlpyramide in Nürnberg zeigt, dass Bildende Kunst in der Lage ist, heftige Emotionen frei zu setzen. Freilich wäre eine Diskussion wünschenswert, die von mehr Toleranz, mehr Gelassenheit und auch mehr Neugierde (wörtlich: als Gier auf Neues!) geprägt ist, als das, was sich derzeit in den Leserbriefen nachlesen lässt. Man muss bestimmte Kunstwerke ja nicht unbedingt mögen; man kann dem Künstler ruhig unterstellen, dass er den Eklat ganz gern sieht, weil er so mehr Aufmerksamkeit bekommt, als sein Werk verdient – aber Beleidigungen der Kulturreferentin, die Forderungen nach sofortigem Abriss oder gar nach abzuhackenden Händen machen doch deutlich, dass die Praxis unserer kulturkritischen Diskussion noch reichlich defizitär ist. Vielleicht sind wir in Erlangen da ein Stück weiter. Es wäre schön.
Ganz praktischen Anstoß am Fußball werden die Kinder und Jugendlichen nehmen, die sich am Wettkampf um den „Street Soccer Cup“ 2006 beteiligen, zu dem das Jugendamt vom 22. bis 26. Mai auf den Rathausplatz einlädt. Den Vergleich mit der WM müssen die Mannschaften dabei nicht scheuen, traten im letzten Jahr doch 101 Teams aus 34 Nationen auf den 10 x 15 Meter kleinen Feldern gegen einander an im Wettstreit um Fairness und Toleranz. Die spannenden Spiele haben sich auch zu einem wichtigen Beitrag zur Integration der Kinder und Jugendlichen entwickelt. Im Gegensatz zur „anderen“ WM gibt es hier keine Probleme mit Eintrittskarten: Zuschauer sind herzlich willkommen.
Lassen wir hier und sonst für die Menschen anderer Nationen, die dauerhaft bei uns leben, das gelten, was die FIFA den WM-Besuchern verspricht: dass sie bei Freunden sind!
In diesem Sinn und mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Dieter Rossmeissl
Berufsmäßiger Stadtrat
Referent für Kultur, Jugend und Freizeit