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Sozialbericht 2009 erschienen



Das monatliche Pro-Kopf-Einkommen der Erlangerinnen und Erlanger liegt bei rund 1.700 €. Wie überall in der Bundesrepublik Deutschland existiert auch in Erlangen eine große Spreizung zwischen Arm und Reich: Während ein Viertel der Erlanger von einem Pro-Kopf-Einkommen kleiner als 1.070 € leben, verfügt ein weiteres Viertel über mehr als 2.200 €. Die Hälfte der Erlanger leben mit einem Pro-Kopf-Einkommen kleiner als 1.510 €, alle Übrigen mit einem höheren Einkommen.

Betrachtet man den Bezug von Sozialleistungen, so findet sich Erlangen im bayerischen Vergleich im untersten Bereich wieder. Dies soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Erlangen bestimmte Personengruppen besonders häufig auf den Bezug von Sozialleistungen angewiesen sind und dass es im Stadtgebiet Gegenden gibt, in denen sich Armutserscheinungen räumlich konzentrieren.

So sind auch in Erlangen Kinder überdurchschnittlich häufig von Hartz IV abhängig. Über 10 Prozent der unter 15-jährigen Erlangerinnen und Erlanger sind auf Hartz IV angewiesen und bei den Kindern unter drei Jahren ist gar jedes Achte betroffen. Jeder dritte Hartz IV-Empfänger ist unter 18 Jahre alt. Ein Viertel der volljährigen Hartz IV-Empfänger haben keinen Schulabschluss.

Insbesondere Alleinerziehende sind in einer sehr schwierigen Situation: Jeder vierte Alleinerziehendenhaushalt ist auf Hartz IV angewiesen. Alleinerziehende – insbesondere jüngere - stellen rund 20 Prozent der Bedarfsgemeinschaften. Die Probleme der Alleinerziehenden – dabei handelt es sich zu rund 90 Prozent um Frauen – liegen v.a. in der Vereinbarkeit von Kindererziehung mit einer Erwerbstätigkeit, die ein ausreichendes Einkommen liefert. Sie haben häufig keine Möglichkeit, einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen und verfügen oft über niedrige schulische und berufliche Abschlüsse.

Auch für Erlangen zeigt sich überdeutlich, dass sich die Kombination aus guter Bildung und gutem Einkommen positiv auf die Bildungschancen der Kinder auswirkt: Wer gut verdient, kann seinen Kindern auch eine gute Bildung zukommen lassen, auch wenn er selbst über einen geringeren Bildungsstatus verfügt. Die Kinder von einkommensschwachen Eltern haben es da schwerer: Auch wenn ihre Eltern über einen hohen Bildungsstatus verfügen, kommen die Kinder seltener in den Genuss höherer Bildung.

Kinder selbst stellen ein gewisses Armutsrisiko dar. Bei den Erlanger Familien zeigt sich ein sinkendes Pro-Kopf-Einkommen, je mehr Kinder die Familie umfasst; dies betrifft v.a. Familien mit mehr als zwei Kindern. Häufig ist das Haushaltseinkommen nur dann ausreichend, wenn beide Elternteile arbeiten, obwohl sie in vielen Fällen eine häusliche Kinderbetreuung vorziehen würden. Vor allem jüngere Familien - hier insbesondere wieder Alleinerziehende – sind auch besonders häufig auf geförderten Wohnraum – also Sozialmietwohnungen - angewiesen.

Frauen arbeiten auch in Erlangen im Vergleich zu Männern oft in schlechter bezahlten Berufen trotz gleicher schulischer Vorbildung. Durch geringere Einkommen und somit geringere Beiträge in die Rentenkasse werden sie auch im Rentenalter zukünftig über geringere Altersbezüge verfügen. Bei den Senioren sind folglich vor allem alleinstehende Frauen von niedrigen Einkommen betroffen.

Manche Gegenden Erlangens sind gekennzeichnet durch das fast vollständige Fehlen von Armutserscheinungen. Wenn man die Erlanger Wohnquartiere unter dem Aspekt von durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen, Bildungs- und Berufsstatus der Bewohner, Sozialleistungsquoten und Wohnbedingungen betrachtet, so schneiden die Reuth, Dechsendorf, Tennenlohe und der Burgberg am besten ab. Überdurchschnittliche Einkommen finden sich allerdings auch in stärker gemischten Bezirken wie in Loewenich oder dem Röthelheimpark.

Am anderen Ende der Skala finden sich räumlich betrachtet Teile von Bruck und Büchenbach, der Anger, Rathenau und der Bezirk Tal. Vor allem Familien am Anger sind von sehr geringen Einkommen betroffen, außerdem Un- und Angelernte, Ausländer ohne Hochschulreife und Alleinerziehende. In den Gegenden mit Armutskonzentration ist oft auch die Unzufriedenheit mit Wohnung und Wohnumfeld recht groß. Eltern mit geringem Einkommen äußern besonders häufig ihre Unzufriedenheit mit der Kinderfreundlichkeit ihres Wohnumfeldes.

Im Hinblick auf eine stärkere soziale Ausgewogenheit scheint Bildung ein wichtiger Faktor zu sein, da ein Kreislauf zwischen Einkommen und Bildung existiert. Je besser die Bildung, umso höher ist i.d.R. auch das zu erwartende Einkommen, welches wiederum die Chancen für gute Bildung bei den Nachkommen erhöht. Um die „Weitervererbung“ des sozialen Status von den Eltern auf die Kinder durchbrechen zu können, wäre eine tatsächlich auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder zugeschnittene Bildung wünschenswert. Das traditionelle, gegliederte Schulsystem ist jedoch nicht voraussetzungslos und erfordert bestimmte Kenntnisse, die bereits vor Eintritt in die Schullaufbahn erworben werden müssen, wozu insbesondere gute Kenntnisse der deutschen Sprache gehören. Da sich am Schulsystem so schnell jedoch nichts ändern wird, kann zumindest im Vorfeld und begleitend dafür gesorgt werden, dass mehr Chancengleichheit zum Tragen kommt. Wichtige Schlagwörter sind hier: vorschulische Bildung, Integration Benachteiligter, Erwachsenenbildung.

Der Sozialbericht 2009 ist hier zum Herunterladen erhältlich, kann aber auch in gedruckter Form bei der Abteilung Statistik und Stadtforschung angefordert werden.

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