Education

Lehrer dürfen benotet werden



Kontroverse Diskussion um ein Schüler-Portal

Als Lehrer darf man nicht allzu empfindlich sein. Auch ein Internetportal wie "spickmich.de", auf dem Schüler ihre Lehrer in den Kategorien "sexy", "cool und witzig", "beliebt", "leichte Prüfungen" oder "faire Noten" bewerten können, ist zulässig. Das Landgericht Köln entschied am Mittwoch (11.07.07), dass die Lehrerbenotung durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt ist. Unzulässige Schmähkritik liege in diesem Fall nicht vor.

Eine einstweilige Verfügung, die eine Gymnasiallehrerin eines Gymnasiums in Neukirchen-Vluyn gegen die Benotung ihrer Person eingelegt hatte, wurde aufgehoben. Der Datenschutz sei ebenfalls nicht durch die Veröffentlichung verletzt worden, da die bei "spickmich.de" verwendeten Daten von der Homepage des Gymnasiums stammten und die Lehrerin der dortigen Veröffentlichung offenbar zugestimmt habe.

Der Kölner BWL-Student Tino Keller, der zusammen mit zwei Kommilitonen die Website betreibt, hält das Urteil für mehr als gerecht. "Wer prüft, muss auch bereit sein, sich selbst prüfen zu lassen", sagte er im Gespräch mit WDR.de. Mit Mobbing habe die Seite nichts zu tun. Tatsächlich seien bisher über 100.000 Lehrer bei "Spickmich.de" bewertet worden. Die Durchschnittsnote auf einer Skala von eins bis sechs sei eine passable 2,7. "Außerdem rufen wir auf der Seite zur Fairness auf", sagte Keller.

Persönlichkeitsrechte gefährdet?

Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband hatte kürzlich - auch im Hinblick auf "spickmich.de" - gewarnt, Pädagogen seien insgesamt "zunehmender Diffamierung" ausgesetzt. Kritik übte auch NRW-Schulministerin Barbara Sommer, die durch die anonyme Bewertung die Persönlichkeitsrechte der Lehrer gefährdet sieht. Für die Einstellung von Lehrern in den öffentlichen Dienst, spielten diese Bewertungen keine Rolle, betonte Sommer.

Schlechte Noten fürs Aussehen

Die nun vor Gericht unterlegene Lehrerin wurde von ihren Schülern nicht nur wegen ihres Unterrichtstils kritisiert sondern auch in der Kategorie "sexy" mit der Note vier bewertet. "Das entspricht der Sprache der Schüler", sagt Keller von "spickmich.de". "Gemeint ist das allgemeine Auftreten und das hat sowieso nur fünf Prozent Einfluss auf die Gesamtnote.

Über eine Änderung der flapsigen Kategorien denken die Betreiber der Site derzeit nach. "Wir sind im Dialog mit dem Bildungsministerium", sagt Keller. "Nach den Sommerferien kann die Site schon etwas anders aussehen." Insgesamt sei aber auch hier Kritik berechtigt: "Lehrer haben eine Vorbild-Funktion und sollten nicht ungepflegt zum Unterricht erscheinen."

© 2012 Stadt Erlangen
Datum: 27 May 2012
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