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Rekonstruktion der Herzklappen



Prof. Weyand, Sie haben heute in Ihrer Moderation der Live–Übertragung aus dem OP für die vielen Fachleute sehr detailliert über das Verfahren berichtet. Können Sie das Wesentlichste für uns Laien noch einmal zusammenfassen?

Wenn eine Herzklappe undicht geworden ist, kann das Herz nicht mehr richtig „ökonomisch“ arbeiten, der Patient merkt das zum Beispiel, weil er weniger belastbar ist. Daher muss so eine Klappe in aller Regel ersetzt werden. Dazu gibt es zwei Typen von Klappen, die Biologischen und die Mechanischen.

Beide haben Nachteile: Die biologische Klappe verändert sich - wir sagen sie degeneriert - nach einigen Jahren und muss dann evtl. erneut ersetzt werden, die Mechanische hält zwar für immer, es muss dann allerdings ein Medikament zur Blutverdünnung eingenommen werden mit entsprechenden Risiken z.B. von Blutungen.

Bei dem Operationsverfahren nach David wird die körpereigene Herzklappe erhalten sie wird so „rekonstruiert“ dass sie - um es ganz einfach zu sagen - wieder „dicht“ schließt. Die eigene Klappe bleibt also erhalten. Daher fallen hier beide Nachteile des Klappenersatzes weg. Dies ist vor allem bei jüngeren Patienten sinnvoll.

Bilder Echokardiographie

Wann ist es denn sinnvoll, eine „künstliche“ - mechanische Klappe zu nehmen, wann ist es sinnvoll, die eigene „biologische“ einzusetzen?

Prof. David: Prinzipiell ist es immer besser, die eigene Herzklappe zu erhalten. Muss sie dennoch ersetzt werden, werden die Vor- und Nachteile der möglichen Klappen mit dem Patienten eingehend besprochen und dann die passende Klappe implantiert. Grundsätzlich gilt: Für Patienten unter 65 Jahre nimmt man eher eine mechanische, für Patienten über 65 Jahren eher eine biologische Klappe.

Das Erlanger Team hat das Operationsergebnis gleich im OP überprüft. Machen Sie das immer so?

Prof. Weyand: Selbstverständlich – wir wollen schon im OP Klarheit haben ob das Operationsergebnis den Anforderungen entspricht. Ist dies nicht der Fall, kann sofort korrigiert, werden oder - doch das ist die Ausnahme - auf ein anderes Verfahren übergegangen werden. In der Regel ist es so wie bei der OP heute: Wir sehen ein perfektes Ergebnis.

Prof. David, man sagt Ihnen in den USA nach, dass Sie in ihren Fingern einen sechsten Sinn haben, was das betrifft. Brauchen Sie auch solche Methoden wie die Echokardiographie (Untersuchung des Herzens mittels Ultraschall) im OP?

Natürlich! Das was Professor Weyand sagte schon im OP sicher zu wissen, ist besser als nur glauben, dass das so ist. Sicher habe ich über die Jahre ein besseres dreidimensionales Vorstellungsvermögen entwickelt und kann mir daher ausrechnen, die bestimmte Dinge die Funktion beeinflussen werden. Aber ohne Technik für die Diagnostik im OP zusätzlich zu einer optimalen OP-Technik geht es heute nicht – das in Erlangen wie in Toronto so – das Setup hier wie dort ist so ziemlich dasselbe. 

Bilder Echokardiographie

Die Pioniere der Herzchirurgie scheint es nach Erlangen zu ziehen: Favoloro, der den ersten am Bypass am Herzen gemacht hat, war hier, mit Michael Debakey haben wir bei „Medicine meets Millenium“ gesprochen - heute ist Prof. David hier. Was bedeutet das für Sie?

Prof. Weyand: Wir treffen uns ja häufiger auf Kongressen, was mich besonders gefreut hat, ist, dass die Kollegen vor Ort unser Angebot, mit einem ganz großen der Herzchirurgie zu sprechen und ihm bei der Arbeit über die Schulter sehen zu können, so gut angenommen haben.

Was ist das Besondere daran, so einen  Mann hier in Erlangen zu haben, Teil (s)eines Netzwerks zu sein. Denn Sie und Ihre Abteilung brauchen sich ja - auch im internationalen Vergleich – sicher nicht „verstecken“.

Prof. Weyand: Das ist richtig – aber hier nicht nur diese OP, sondern auch den Mann selbst - einen Pionier der Herzchirurgie mit seinem ganzen Background live zu sehen und zu wissen, das ist der Mann, der das gemacht hat - auch wenn er jahrelang um die wissenschaftliche Absicherung und klinische Etablierung dieser Methode kämpfen musste - war sicher auch für meine Kollegen hier vor Ort ein ganz besonderes Erlebnis.

Prof. David: Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben - aber ich musste auch kämpfen: Als ich begonnen und eine der ersten Publikationen zur Veröffentlichung eingereicht habe, schieb der Reviewer, der diese beurteilen sollte, nur an den Rand: „Interessante Methode, aber noch zu wenig abgesicherte Ergebnisse.“ Heute weiß ich, perfekt ist man nie - aber vielleicht werden meine Nachfolger oder diese Jungs hier unsere Methoden weiter perfektionieren - wir sind schon ganz gut - aber man darf nie mit dem Erreichten zufrieden sein.

Prof. Weyand: Nun, Tirone ist schon ein ganz herausragender Chirurg und eine exzeptionelle Persönlichkeit. Aber er hat recht: Wenn man in der Spitze bleiben will, muss man mehr tun als die anderen, intensiver an Verbesserungen arbeiten und vernetzt denken. Und da ist Prof. David sicher für uns alle ein Vorbild.

Prof. David: Man muss alle Möglichkeiten nutzen,  um ein Problem besser zu verstehen, dann bekommt man auch gute Lösungen. Ich habe auch viel mit Ingenieuren zusammen gearbeitet. Wir sind noch nicht perfekt – aber wir sind besser als vor zwanzig Jahren.

Prof. David, uns ist heute aufgefallen, dass Sie Ihr wissenschaftliches Programm mit Herrn Prof. Weyand und die OP mit sehr großer Konzentration, Kompetenz und Präzision absolviert haben. Was uns fast noch mehr beeindruckt hat ist, wie viel Zeit Sie sich für die Gastärzte, die hier in Erlangen zur Ausbildung sind, und Ihre jungen Kollegen genommen haben.

Prof. David: Das war für mich ein Traum – eine Vision, als ich mit meiner Ausbildung begonnen habe. Etwas im Beruf und im OP leisten – das ist das eine - doch ich denke, mindestens genauso wichtig ist, das Wissen auch an die jungen Kollegen weiter zu geben. Das ist der Grund, warum ich so viel reise, Vorträge halte, das Netzwerk weiter ausbaue. Ich bin eigentlich ein glücklicher Mann, weil ich das Eine wie das Andere so umsetzte, wie ich es mir vorgestellt habe.

Man nennt Sie in den USA „The Godfather“ – Sie sind offenbar die letzte Instanz, zumindest, wenn es um Herzklappen geht. Ein Patient aus Texas, dem etliche renommierte Ärzte geraten hatten zu Ihnen nach Toronto zu gehen, um seine Klappe rekonstruieren zu lassen, hatte wohl noch ein Quäntchen an Zweifel und stellte die Frage ins Internet: Wo soll ich denn wirklich hingehen? Hält der Mann was er verspricht? In kürzester Zeit bekam er etwa vierzig E-Mails - Tenor: „Go to the Godfather – we´ve been there and we´re alive!“

Prod. David (lacht): Ich habe davon gehört – aber ich möchte das nicht kommentieren. Wir alle sind noch nicht perfekt, aber wir sind heute schon sehr viel besser als damals, als ich angefangen habe. Die heute ganz jungen Kollegen werden das vielleicht einmal noch besser machen, als Prof: Weyand und ich.

Prof. Weyand, eine letzte Frage: Vor 30 Jahren sah die Welt nach Kapstadt. Die erste Herztransplantation war eine Sensation. Was ist heute daraus geworden?

Es ist fast ein „Routineeingriff“ geworden, der an Zentren wie unserem mit vertretbar geringen Risiko für den Patienten durchgeführt wird. Aber die Wartelisten sind noch zu lang. Da liegt ein Problem. Wir tun sehr viel – auch in der Forschung. Sie können gerne einmal kommen und sich in unseren Labors umsehen. Immunologische Aspekte und Punkte wie Tissue engeneering werden in den nächsten  Jahren sicher über die Arbeit im OP hinaus noch an Bedeutung gewinnen. Entscheidend ist immer, dass das, was wir tun unseren Patienten nützt und ihre Lebensqualität verbessert.



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