Kinder und Familie

1. Symposium Jugend und ...Cannabis



Im Gespräch
Anlass des Symposiums war das 25-jährige Bestehen des Vereins, Verein Therapeutische Wohngemeinschaft e. V., der, wie sein Name besagt, zunächst als Unterstützungsverein zur Eröffnung einer therapeutischen Wohngemeinschaft gegründet wurde. Der Verein hat sein Wirkungsspektrum im Laufe der Jahre erweitert und ist seit geraumer Zeit mit mehreren Projekten im Bereich der Sekundärprävention tätig. Seit 2003 wird ein Sozialer Trainingskurs für jugendlichen Cannabiskonsumenten von 14 bis 21 Jahren durchgeführt. Weiterhin bietet der Verein seit 2007 ein Anti-Aggressionstraining für Jugendliche an.

Herr Prof. Thomasius stellte vor allem den problematischen frühen Konsumbeginn vieler Jugendlicher dar. Cannabis nähert sich im Konsumverlauf immer mehr den Verlaufskurven von Alkohol an. Die Zahlen bei jugendliche Cannabiskonsumenten sind zurzeit auf hohem Niveau konstant. Die Lebenszeitprävalenz für einen Cannabiskonsum für 15- bis 20-Jährige liegt mittlerweile bei 40,5 % (Kraus, 2003). Eine Veränderung zu einem immer früheren Konsumbeginn ist dabei deutlich. Als besonders problematisch erweisen sich Jugendliche bzw. Kinder, die bereits mit 11 oder 12 Jahren mit dem Konsum beginnen.

Gleichzeitig muss jedoch deutlich zwischen einem experimentellen und einem problematischen Konsum unterschieden werden. Hier zeigt eine der wenigen Studien in diesem Bereich einen problematischen Konsum bei 2 % der 14 - 17 Jährigen und bei 4 % der 18 - 19 Jährigen. Von einer Cannabisabhängigkeit geht man bei etwa 9 % der 18 – 24 Jährigen Cannabiskonsumenten aus.

Aus Untersuchungen wird deutlich, dass es bereits im frühen Kindesalter Hinweise auf eine spätere Cannabisproblematik geben kann. Ein Großteil der späteren Cannabiskonsumenten zeigt bereits frühe Verhaltensstörungen. Im weiteren Verlauf sind eine ineffektive Erziehung, eine negative Bindung, Schulversagen und eine deviante Peergroup Prädiktoren für einen späteren problematischen Cannabiskonsum.

Cannabis spielt auch häufig bei Verkehrsunfällen eine Rolle. Eine Untersuchung von 108 Unfällen zeigt, dass bei 28 % ein reiner Cannabiskonsum vorlag, bei 9 % ein Mischkonsum von Cannabis und Alkohol. Bei 28 % waren mehrere Drogen konsumiert worden. Dabei ist ein erstaunliches Ergebnis, dass es bei einer geringeren Intoxikation mehr schwere Unfälle und Todesfolgen gegeben hat als bei hoher Intoxikation.

Frau Prof. Laging weist als zweite Referentin zunächst auf die fehlenden und sehr ungenauen statistischen Daten zur Anzahl der jugendlichen Cannabiskonsumenten hin. Hier gibt es deutliche Diskrepanzen zwischen verschiedenen Studien. So ermittelte die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in einer kürzlich durchgeführten Telefonumfrage lediglich eine 30-Tage-Prävalenz (d.h. Anteil, der innerhalb der letzten 30 Tage Cannabis konsumiert hat) von 5 % bei den Jugendlichen. Eine andere Studie kommt bei dieser Prävalenzrate zu einem Anteil von 17 %!

Es wird deutlich, dass nur ein geringer Anteil der betroffenen Jugendlichen von den Einrichtungen der Suchthilfe erreicht wird: nur etwa 4 % der Cannabiskonsumenten erscheinen im Behandlungssystem! Davon meldet sich nur ein sehr geringer Anteil (15,2 %) freiwillig. 84,8 % nehmen Kontakt zur Suchthilfe aufgrund einer Auflage oder Weisung auf. Bei der Inanspruchnahme von Hilfen spielen persönliche Kompetenzen eine entscheidende Rolle. Es wird deutlich, dass Personen mit einer sozialen Benachteiligung einen weit höheren Versorgungsbedarf haben. Auch nimmt dieser Personenkreis aus unterschiedlichsten Motiven angebotene Maßnahmen weniger in Anspruch.

Für eine sinnvolle Hilfestellung ist es notwendig, dass die mit den Jugendlichen befassten Institutionen besser zusammen arbeiten. Bisher leider Tatsache ist nach wie vor eine ‚Versäulung’ der einzelnen Einrichtungen. Das heißt, jede Einrichtung arbeitet für sich und versucht, mit der Problematik alleine zurecht zu kommen. Dabei wäre eine Vernetzung dringend vonnöten. Verbindliche Kooperationsabsprachen und aufsuchende Arbeit in den jeweiligen Institutionen (Schulen, Krankenhäuser, Jugendhilfeeinrichtungen) haben dabei gute Erfolge erzielt. Ein Stufenplan, der eine verzahnte Koordinierung von Hilfs- und Strafmaßnahmen vorsieht, stellt ein sinnvolles Konzept für diese Arbeit dar.

In der Realität bisher leider häufiger anzutreffen ist jedoch ein anfängliches Wegsehen und zunächst für eine relativ lange Zeit ‚weiche’ Konsequenzen, bis schließlich ‚der Bogen überspannt ist’ und harte Konsequenzen ergriffen werden.

Im Anschluss finden Sie den Betrag von Frau Prof. Laging und verschiedene Veröffentlichungen von Herrn Prof. Thomasius zum herunterladen.

Schon jetzt den nächsten Termin am 04. April 2008 wieder im E-Werk vormerken. Eine genaue Tagungsankündigung wird noch folgen.

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Therapeutische Wohngemeinschaft (TWG), Theaterplatz 7
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© 2012 Stadt Erlangen
Datum: 27 May 2012
URL:
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