Entwicklungsplanung öffentlich kulturelle Gebäude
Die städtischen Kultur- und Bildungseinrichtungen spielen eine wesentliche Rolle, um die Erlanger Innenstadt attraktiver zu gestalten. In den vergangenen Jahren wurden deshalb der Bauzustand und die Entwicklungsmöglichkeiten dieser öffentlichen Einrichtungen in der historischen Innenstadt näher untersucht. Die Stadt Erlangen beauftragte das Konsortium DIS (Dürsch Institut für Stadtentwicklung) und IKS (Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen gGmbH) mit der Erstellung einer entsprechenden Entwicklungsplanung.

Einbezogen in die Untersuchung waren schwerpunktmäßig folgende Einrichtungen: Stadtmuseum/Pinolihaus, Stadtarchiv, Volkshochschule Erlangen im Egloffstein’schen Palais, Städtische Sing -und Musikschule in der Friedrichstraße 35, Freizeitzentrum Frankenhof und die Gebäude in der Gebbertstraße 1 (ehemalige Fabrikgebäude der Fa. Siemens). Im Zeitraum von Januar 2008 bis Frühjahr 2009 wurde unter Beteiligung aller wichtigen Akteure ein umfangreiches Gutachten erarbeitet und im März 2009 vom Stadtrat beschlossen. Im Folgenden werden wichtige Ergebnisse des Gutachtens dargestellt.
Was war der Anlass für die Entwicklungsplanung?
Erlangen verfügt über eine Innenstadt mit einem außerordentlichen baugeschichtlichen Potenzial als gebautes Zeugnis barocker Stadtbaukunst. Da aufgrund vielfältiger Faktoren weder öffentliche noch private Träger in den vergangenen Jahrzehnten in ausreichendem Maße in die bauliche und öffentliche kulturelle Substanz der Erlanger Innenstadt investiert haben, kann dieses Potenzial nicht voll zur Geltung kommen. Seit einigen Jahren gehört die Entwicklung der Innenstadt zu den wichtigen Aufgaben der Erlanger Stadtentwicklung. Im Rahmen des Programms „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ wurden bereits einige wichtige Projekte der „Integrierten Innenstadtentwicklung Erlangen“ vorbereitet, begonnen oder bereits durchgeführt. Beispielhaft seien hier die Sanierung des E-Werks und des Palais Stutterheim sowie die Umgestaltung der Apfel- und der Halbmondstraße genannt.
Was ist das Ziel der Entwicklungsplanung?
Mit der „Entwicklungsplanung - öffentliche kulturelle Gebäude in der historischen Innenstadt“ werden inhaltliche, strukturelle und bauliche Faktoren in einem komplexen mehrdimensionalen Handlungskonzept zusammengefasst. Ausgehend vom Gedanken der Belebung der Innenstadt durch attraktive kulturelle Einrichtungen und der damit verbundenen Vitalisierung soll die Entwicklungsplanung ein längerfristiges Szenario entwickeln, welches auf eine ganzheitliche Sichtweise der Problemstellung zielt. Durch städtische Investitionen in die Kulturbauten soll die Attraktivität der Innenstadt und ihre Qualität als Lebensraum gesteigert werden. Zum anderen soll das Wirkungspotenzial der ansässigen Kultureinrichtungen aktiviert, momentane Entwicklungsbarrieren aufgebrochen und durch neue Perspektiven ergänzt werden. Es sind Synergieeffekte geplant, die mittelfristig zu einer Optimierung der ökonomischen Strukturen der Kulturinstitutionen führen. Die Maßnahmen sind als zukunftsorientiertes Signal zu sehen.
Konzeption der Entwicklungsplanung
Die vertieft zu betrachtenden Einrichtungen wurden zu zwei Clustern: QM „Museen“ QUARTIER MUSEUM Stiftung Wissenschaftsstadt Erlangen sowie QB „Außerschulische Bildung im kulturellen Bereich“ Kultur-, Bildungs- und Mehrgenerationenzentrum“ im Frankenhof zusammengeführt. Die Entwicklungsplanung schlägt vor, die Cluster QM und QB an zwei zentralen Positionen im Norden und Süden der historischen Innenstadt Erlangens zu konzentrieren.

Die Ergebnisse des Gutachtens wurden mit dem Stadtratsbeschluss vom 26.03.2009 zur Kenntnis genommen und die Verwaltung mit der Weiterverfolgung beauftragt.
Es wurde empfohlen, den Standort Frankenhof durch Um- und Neubau zu einem „Kultur-, Bildungs- und Mehrgenerationenzentrum“ zu entwickeln. In diesem Zentrum werden die Jugendkunstschule, die Städtische Sing- und Musikschule, die Volkshochschule, der Beherbergungsbetrieb, der Verpflegungsbetrieb, die verschiedensten Akteure Bürgerschaftlichen Engagements und Angebote im Bereich der Kindertagesstätten zusammengeführt. Die erforderliche Sanierung des Frankenhofes und die Errichtung eines Veranstaltungsraumes für ca 200 Personen können in einem ersten Bauabschnitt zusammengefasst werden. Durch eine Mehrfachnutzung der Räume z.B. des Veranstaltungsraumes als Aula der Sing- und Musikschule sowie des benachbarten Christian-Ernst-Gymnasiums kommt es zu einer Flächenersparnis und somit zur Reduzierung der Gesamtinvestitionskosten bzw. der laufenden Betriebskosten.
Mittel- bis längerfristig wird nach Aufgabe der Hallenbadnutzung mit dieser Konzeption auch der erforderliche Umbau des Badetraktes aufgegriffen, um hier weitere Räume des Gesamtkonzeptes unterzubringen. Dieser könnte die von der VHS benötigten Räume beinhalten. Die Gebäude Egloffstein’sches Palais in der Friedrichstraße 19, Sing-und Musikschule in der Friedrichstraße 35 und Wildenstein´sches Palais werden freigezogen und stehen zukünftig alternativen Nutzungen durch öffentliche oder private Träger frei.
Außerdem wird empfohlen, am Standort Martin-Luther-Platz zusätzliche Ausstellungsflächen für den Bereich Wissenschaft/Medizin/Technik zu errichten. Die Altstadt - insbesondere der Martin-Luther-Platz und die Achse Schiffstraße - erhalten ein QUARTIER MUSEUM, in dem die Funktionen des Stadtmuseums mit neuen Sonderausstellungsflächen zusammengeführt werden. Durch die Schaffung eines konzentrierten Standortes für Dauer- und Sonderausstellungen entstehen im Bereich der Verwaltung, Hausverwaltung und Technik aber auch für inhaltliche Arbeitsbereiche Synergieeffekte. Der bestehende Komplex des Stadtmuseums wurde bereits in den vergangenen Jahren saniert. In Teilbereichen stehen Anpassungen an. Dies betrifft z.B. die Räume, die nach Auszug des Archivs frei werden. Das Stadtarchiv wird unabhängig von den Ergebnissen des Gutachtens aufgrund der besonderen Dringlichkeit in einem sanierten Gebäudetrakt des städtischen Anwesens in der Gebbertstraße 1 untergebracht. Mit der Konzeption QUARTIER MUSEUM wird auch die erforderliche bauliche Sanierung des Bereiches „Pinolihaus“ aufgegriffen. Mit einem Neubau an dieser Stelle sowie der entsprechenden Einbeziehung des Innenhofes lassen sich Lösungen zur Unterbringung der geforderten Ausstellungsflächen realisieren.