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MP3 Technologie

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Universidad Friedrich-Alexander de Erlangen-Nuremberg

Entwicklungslabor für Ohren und Augen



Ein Forscher des Fraunhofer-Instituts Erlangen justiert ein automatisches Prüfsystem für zylindrische Oberflächen. Die Hochschule schneidet bei Rankings regelmäßig gut ab und liegt auch gut im aktuellen Rennen um die Exzellenzfördermittel von Bund und Ländern. "Leider wird das in der breiten Öffentlichkeit aber bisher nicht entsprechend wahrgenommen", klagt der Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Karl-Dieter Grüske. Er sieht sich dabei vor allem im Schatten der beiden großen Münchner Universitäten.

Die Friedrich-Alexander-Universität ist überwiegend in Erlangen angesiedelt. Mit ihren 26.000 Studierenden gehört sie zu den großen Hochschulen in Deutschland, sie ist der wissenschaftliche Impulsgeber für die gesamte Region. 1743 durch Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth gegründet, hat die fränkische Alma Mater die gesamte Fächerbreite im Angebot - von der Theologie über die starken Naturwissenschaften bis hin zu Jura und Ökonomie sowie den weltweit anerkannten technischen Fakultäten. Dies hält sonst nur sonst nur die Ruhr-Universität Bochum vor.

Forschungsgelder und gefragte Wissenschaftler

Bei den eingeworbenen Fördermitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft belegen die Erlanger bundesweit einen herausragenden fünften Platz. Im Antragsverfahren um die Zuschüsse für neue Spitzenuniversitäten sind sie gleich mit zwei Anträgen in der letzten Runde. Der Leistungsverbund "Engineering of Advanced Materials" und die Erlangen Graduate School in Advanced Optical Technologies haben die Juroren überzeugt. "Bei der Antragstellung hat eine Zusammenarbeit zwischen Fächern und Wissenschaftlern stattgefunden, die es sonst in dieser Form wahrscheinlich nicht gegeben hätte", sagt Grüske.

Der Universität gelingt es auch, international renommierte Wissenschaftler zu gewinnen. So warb sie den Top-Physiker und Experte für Photonik und Präzisionsmessungen Lijun Wang aus Princeton ab. Aus England kam der Körber-Preisträger und Experimentalphysiker Philip Russell - in seinem Fall konnte sich die Universität Erlangen-Nürnberg gegen starke Konkurrenz aus den USA durchsetzen. "Das ist nur mit viel persönlicher Anstrengung gelungen", sagt Grüske, "und mit finanzieller Unterstützung durch Staatsregierung, Krupp-Stiftung und Siemens."

Neuester Coup: MP3-Surround-Verfahren

Weltweit in aller Ohren ist Technik aus Erlangen. Das dortige Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelte das MP3-Verfahren. Karlheinz Brandenburg gilt als "Vater des MP3-Formats". Er erarbeitete das Audiokodierungsverfahren in den 80er und 90er Jahren mit einem Team am IIS. Es reduziert die Audiodaten auf ein Zwölftel der ursprünglichen Menge, und dies bei nahezu gleichbleibender Qualität.

Mittlerweile leitet der Elektrotechniker zwar ein anderes Fraunhofer-Institut. In Erlangen, dem bundesweit mit rund 450 Mitarbeitern größten Fraunhofer-Institut, wird allerdings intensiv am MP3-Verfahren weitergeforscht. Neueste Entwicklung des IIS ist ein MP3-Surround-Verfahren. Es wird gemeinsam mit Thomson als Konkurrenz zum etablierten Dolby-Surround angeboten und kann den so beliebten Raumeffekt auch aus einfachen Stereo-MP3-Dateien erzeugen. Er lässt sich sogar auf tragbaren MP3-Surround-Spielern über herkömmliche Stereokopfhörer genießen.

Bessere Bilderkennung im Visier

Der Ideenvorrat des Fraunhofer IIS ist noch lange nicht erschöpft. "Wir entwickeln weiter elektronische Geräte, die das Leben und Arbeiten der Menschen im 21. Jahrhundert erleichtern", sagt Institutsleiter Heinz Gerhäuser. Wichtige Themen für die IIS-Forscher an den Standorten Erlangen, Nürnberg, Fürth und Dresden sind die Kameratechnik für das digitale Kino sowie für die Bilderfassung und Bilderkennung als Schlüssel für die Qualitätskontrolle. Ein in Erlangen entwickeltes automatisches Prüfsystem macht auf metallischen Oberflächen kleinste Kratzer und Flecken sichtbar. Die Technik kann in der Fertigung, der Produktionsautomatisierung und der Medizintechnik eingesetzt werden. Eine weitere Neuentwicklung des Instituts ist ein berührungsloser Einklemmschutz für automatische Fensterheber und Schiebedächer.

Uni-Außenstandorte, Fachhochschulen und mehr

Traditionell steht Nürnberg auf dem Feld der Forschung im Schatten von Erlangen. Aus der früher hier angesiedelten Handelshochschule und der Pädagogischen Hochschule sind eine Außenstelle der Friedrich-Alexander-Universität sowie die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule geworden. Letztere gehört mit 7500 Studierenden zu den größten in Deutschland.

Hinzu kommen eine evangelische Fachhochschule, eine Hochschule für Musik und die 1662 gegründete Akademie der Bildenden Künste. Die Universität Bayreuth ist eine der jüngsten Hochschulen Deutschlands und orientiert sich praxisnah am Innovationsbedarf der gewerblichen Wirtschaft.

Forschungsstandort mit Tradition und Zukunft

Arbeitgeber Die Friedrich-Alexander-Universität, einschließlich ihres Klinikums, ist mit weit über 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber in Erlangen. Etwa 45 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Klinikum.

Drittmittel Die Universität gehört, bezogen auf das Einwerben von Drittmitteln, zur Spitzengruppe der deutschen Hochschulen. Von 1999 bis 2003 stieg das Volumen der von der Universität eingeworbenen Drittmittel von 73,5 Mio. Euro auf 79,6 Mio. Euro - ein Zuwachs von acht Prozent.

Namensgeber Die 1971 in Nürnberg gegründete Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule wurde nach einem der bedeutendsten Physiker des 19. Jahrhunderts benannt. Ohm lehrte von 1833 bis 1849 an der Vorläufereinrichtung der Hochschule, der er auch sechs Jahre lang als Rektor vorstand. Heute ist die Fachhochschule mit 260 Professoren und 7500 Studierenden eine der größten in Deutschland.

Siegeszug Das von einem Team um Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut Erlangen entwickelte MP3-Format ist mittlerweile weltweiter Standard. Das Audiokodierungsverfahren ermöglicht die Verbreitung von Musikdateien über das Internet und das Speichern der Dateien auf Datenträgern. Auch die Verbreitung rechtlich geschützter Musikerzeugnisse wird dadurch ermöglicht, was die Musikindustrie heftig bekämpft. Obwohl die Technik in Deutschland entwickelt wurde, konnten deutsche Firmen von dem Siegeszug des Formats nur wenig profitieren. (Quelle: Finanzial Times Deutschland - Holger Elfes)

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