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Straße

Projekte in San Carlos

Podiumsdiskussion und Fotoausstellung zum Delegationsbesuch in der Partnerstadt San Carlos



Erlanger Agenda 21 - Schwerpunktthema 2006 "EineWelt: San Carlos / Erlangen"

Vom 25. Februar bis 04. März 2006 reiste zum ersten Mal eine offizielle Delegation aus Erlangen in die nicaraguanische Partnerstadt San Carlos. Delegationsleiter war Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis. Weitere Reiseteilnehmer waren die Stadträte Kleemann/CSU, Ortega Lleras/SPD und Hann/GL sowie die Partnerschaftsbeauftragte Dagmar Paliwal/Bürgermeister- und Presseamt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Delegation berichten am Dienstag, den 30. Mai 2006, um 19:30 Uhr, im großen Saal der VHS, Egloffsteinsches Palais, Friedrichstraße 19-21, 91054 Erlangen über ihre aktuellen Eindrücke aus der Partnerstadt sowie zu den laufenden und geplanten Projekten der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit mit San Carlos. Bereits um 16:30 Uhr wird im Foyer des Rathauses eine Fotoausstellung eröffnet, die bis zum 8. Juni 2006 zu sehen sein wird. 

OB und Delegation mit Kindern

Stadtbesichtigung

Seit dem Besuch der Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen Jahr 2000 haben sich eine Reihe positiver Veränderungen im Stadtbild ergeben. Beispiele: Straßenpflasterung, die auch tropischen Regenfällen standhält, und Anlage von Gehwegen in den Straßen der Innenstadt; seit den Gemeinden in Nicaragua per Gesetz ein gewisses Maß an Selbstverwaltung zugestanden wurde, können sie Aufträge in eigener Regie vergeben. So profitieren auch kleinere lokale Unternehmen und lokale Arbeitskräfte vom Straßenbau in San Carlos.


Renovierung von Häusern

Die Stadt San Carlos stellt den Bürgern das Material, z.B. Farbe für den Neuanstrich, zur Verfügung; die Bürger besorgen die Renovierungsarbeiten dann selbst. Weitere Fortschritte: Befestigter Busbahnhof, Markthalle, neue Boots- und Schiffsanlegestelle, Renovierung der Sporthalle mit Geldern aus Nürnberg, erste Arbeiten an der Uferpromenade „Malecón“.


Internetzentrum „Nexus“

Ein von der Stadt betriebenes „non-profit“ Internetcafé, das mit Unterstützung durch die niederländische Partnerstadt Groningen errichtet wurde und instandgehalten wird; der Stadtjugendring Erlangen hat zwischenzeitlich sein Interesse an einer Aufnahme von Kontakten per Internet mit Jugendgruppen in San Carlos bekundet.


Informationszentrum und Jugendbibliothek

Auf der Anlage des früheren spanischen Forts, die zu einem Park umgestaltet wurde, wurde ein Informationszentrum zur Geschichte von San Carlos und zu Umweltthemen eingerichtet, das vor allem von Schulklassen genutzt wird. Die angeschlossene Jugendbibliothek leidet allerdings unter einem Mangel an zeitgemäßen Sachbüchern und modernem Anschauungsmaterial.


Archipel Solentiname und Naturschutzgebiet „Los Guatozos“

Der Archipel von Solentiname mit seinen 36 Inseln liegt im Nicaraguasee und gehört zu Großkommune San Carlos. Auf der Hauptinsel Mancarrón, auf der die Erlanger Delegation wegen der Zuckmückenplage auf dem Festland zwei Nächte verbrachte, baute der Dichter und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal ab 1966 eine christliche Genossenschaft auf, die sich in den frühen 70er Jahren zu einem künstlerischen Sozialprojekt wandelte: Aus Bauern, die von Subsistenzwirtschaft lebten, wurden naive Maler und Kunsthandwerker. Malerei und Kunsthandwerk bilden bis heute die Lebensgrundlage der Bewohner von Solentiname; die Einwohner klagen jedoch darüber, daß die Zwischenhändler den größten Teil des Profits aus den Waren selbst abschöpfen.
Das Naturschutzgebiet „Los Guatuzos“ an der Grenze zu Costa Rica wurde 1999 von der nicaraguanischen Regierung ausgewiesen. Es bedeckt knapp 440 km² mit tropischem Regenwald, Sumpfland, Lagunen und Wasserläufen. Ein „Umweltzentrum“ liefert Informationen zur Fauna und Flora des Reservats; fachkundige Führer begleiten Besucher auf Touren durch den Dschungel mit seiner Kaimanfarm, der Schmetterlingsstation, der Orchideenfarm und dem „treetop-Pfad“ in den Baumwipfeln. Geldgeber waren u.a. die EU und die weltweite Organisation „Friends of the Earth“, die auch das „Umweltzentrum“ instandhält.


Privatkrankenhaus San Lucas

Das Krankenhaus mit Apotheke und Ambulanz wurde ab 1998 auf Initiative eines deutschen Priesters aufgebaut; es steht unter deutscher Leitung. Heute werden dort monatlich ca. 2.000 Patienten behandelt, viele davon unentgeltlich. Die Clínica San Lucas arbeitet mit dem staatlichen Krankenhaus zusammen, da sie über eine bessere technische und fachärztliche Ausstattung sowie vielfältigere Behandlungsmöglichkeiten verfügt.

Universidad Paulo Freire

Diese „Universität“ entspricht einer Fachhochschule, deren Fächerangebot sich am aktuellen Bedarf an Fachleuten im Departamento Río San Juan orientiert. Zur Zeit werden fünf Studienfächer in einer Kombination aus Fern- und Präsenzunterricht angeboten, dazu ein Kurs für kommunale Führungskräfte. Aktuell hat die Fachhochschule ca. 260 Studenten. Die Studienfächer umfassen Erziehungswissenschaften, Landwirtschaft, öffentliches Gesundheitswesen, Betriebswirtschaft und Buchführung sowie Jura. Je nach Fachrichtung bezahlen die Studenten eine Gebühr zwischen US$ 10,-- und 25,-- pro Monat. Bisher haben, neben Nürnberg, vor allem die europäischen Partnerstädte Witten und Albacete die Universidad Paulo Freire mit Stipendien, Dozentengehältern usw. unterstützt.

Kinderzentrum „Centro para el desarrollo infantil“

Träger des “Zentrums für die Entwicklung des Kindes“ ist ein Verein aus Eltern (oft alleinerziehenden Müttern) und Erziehern. Das Zentrum nimmt Kinder vom Krippenalter bis hin zu jüngeren Schulkindern auf. Beeindruckend ist das große Engagement des Betreuungspersonals, das mit seinem Einsatz die mangelhafte Ausstattung des Zentrums auszugleichen versucht.
Das Zentrum hat einen „Montessori-Raum“, in dem die Kinder mit den Methoden der Montessori-Pädagogik angeleitet werden (sollen). Zur Zeit steht allerdings kein/e einschlägig ausgebildete/r Erzieher/in zur Verfügung. Die Erlanger Montessori-Schule will sich unter bestimmten Voraussetzungen an einem Projekt in San Carlos beteiligen. Es soll daher geprüft werden, ob die Schule das Gehalt für eine Fachkraft übernehmen kann, welche die Betreuer des Zentrums entsprechend unterweist.

Bürgerversammlung

Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen führt die Stadt San Carlos im Frühjahr und Herbst jedes Jahres Bürgerversammlungen durch, in denen der Rechenschaftsbericht über die Verwendung des städtischen Haushalts des vergangenen Jahres bzw. die Haushaltsplanung für das kommende Jahr vorgestellt werden.
Den städtischen Gesamteinnahmen im Jahr 2005 (aus Steuern, staatlichen Transferleistungen u.a.) in Höhe von ca. € 1.417.000 standen Gesamtausgaben von ca. € 1.225.000, davon ca. € 882.000 für Investitionen, gegenüber. Hauptaufgaben waren der Straßenbau im eigentlichen Stadtgebiet und in den ländlichen Ortsteilen von San Carlos, Sauberkeit, Hygiene und Müllabfuhr, Trinkwasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Verschönerung des Stadtbildes, Unterstützung bedürftiger Familien, z.B. mit Wellblech zur Neueindeckung von Dächern, Schulfrühstück.
Eine Reihe dieser Maßnahmen, z.B. Straßenbau, Uferpromenade und Verschönerung des Stadtbildes, sind auch vor dem Hintergrund der Bemühungen zu sehen, die San Carlos und die Region Río San Juan zur Belebung des Öko-Tourismus unternehmen. In diesem Rahmen soll u.a. das Flugfeld von San Carlos, bisher eine Graspiste, in eine sichere Landebahn umgebaut werden. Die Interamerikanische Entwicklungsbank hat für den Ausbau der Infrastruktur im Gebiet von Río San Juan 15 mio US$ zur Verfügung gestellt, die auch San Carlos zugute kommen.

Staatliches Krankenhaus Dr. Luis Felipe Moncada

Anläßlich des Treffens der europäischen Partnerstädte von San Carlos, das im Oktober 2005 in Erlangen stattfand, sagte die Stadt Erlangen die Kostenübernahme für den Bau einer Abteilung für frischoperierte Patienten zu. Diese werden bisher zusammen mit anderen, auch hochinfektiösen Patienten zusammengelegt, so daß die Gefahr von Wundinfektionen stark erhöht ist. Für den Bau dieser Abteilung wurden US$ 15.000,-- veranschlagt. Während ihres Besuches übergab die Erlanger Delegation einen Betrag von insg. € 6.800,--, der sich folgendermaßen zusammensetzte: € 5.000,-- aus Haushaltsmitteln Städtepartnerschaften,  € 1.000,-- aus den Einnahmen der „Fiesta Latina“ im E-Werk im Oktober 2005, € 800,-- aus der Sammlung im Stadtrat am 24. Februar 2006, die durch Spenden der Delegationsteilnehmer aufgerundet wurde.
Die Summe wurde Bürgermeisterin McRea Quiroz übergeben und in den Einnahmen der Stadt San Carlos verzeichnet. Der Oberbürgermeister verpflichtete Frau McRea Quiroz persönlich und öffentlich zur Verwaltung des Geldes. Er sagte auch zu, die noch fehlende Summe bis zum Ende des Jahres 2006 zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Zusage kann die Stadt San Carlos, entweder mit einem Darlehen oder aus eigenen frei verfügbaren Mitteln, schon jetzt den Bau der neuen Abteilung veranlassen.

Das Krankenhaus selbst hat insgesamt 39 Betten für die Gebiete Allgemeinmedizin und Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Neugeborene. Mit 122 Mitarbeitern versorgt es die gesamte Region Río San Juan mit ca. 95.000 Einwohnern, die im übrigen auf kleine, schlecht ausgestattete Gesundheitsstationen angewiesen sind. Im Jahr 2005 behandelte das Krankenhaus ca. 3.500 Fälle stationär und ca. 6.000 ambulant. Die zehn Hauptgründe für die Behandlung waren 2005: Geburten, Atemswegserkrankungen, Leistenbrüche, Komplikationen nach Abtreibungen, Schlangenbisse, Durchfallerkrankungen, Niereninfektionen, Infektionen der Gallenblase, obstruktive Erkrankungen der Lunge, Knochenbrüche.
Dem Krankenhaus angeschlossen ist eine vor wenigen Jahren eingerichtete Abteilung für Frauen mit Risikoschwangerschaft. Im Gegensatz zum Krankenhaus erscheint diese vorbildlich geführt, was die Einrichtungen, die Hygiene und die Betreuung der schwangeren Frauen betrifft.
Das Hospital Dr. Luis Felipe Moncada leidet, neben dem Mangel an Fachärzten, an geeignetem medizinischem Gerät und Räumen sowie an menschenwürdigen Unterbringungsmöglichkeiten für seine Patienten, vor allem unter dem Fehlen von Hygienestandards, die eigentlich selbstverständlich sein müßten. So halten sich im Außengelände zwischen den Gebäuden Hunde und Katzen auf, die Räume sind nicht sauber, die Einrichtung ist verrostet und beschädigt. Die mangelnde Sauberkeit wurde von der Erlanger Delegation in Anwesenheit von Bürgermeisterin McRea Quiroz und der Krankenhausleitung offen angesprochen. Bereits einen Tag später verpflichtete Frau McRea die Krankenhausleitung in einer schriftlichen Vereinbarung zur ersten Grundreinigung des Geländes, der Räume sowie der Geräte und Einrichtung, zu der sie Mitarbeiter der Stadtreinigung abstellte. Die weiteren Reinigungen sollen in Zukunft regelmäßig erfolgen. Die Stadt San Carlos sagte auch Material zum Abschleifen und Neulackieren rostiger Betten usw. zu.
Die Krankenhausleitung übergab der Delegation eine Liste mit dringend benötigten Geräten für orthopädische Behandlungen, die mit dem „Arbeitskreis Eine Welt – Erlangen – San Carlos“ geprüft werden soll.

1 € für San Carlos - Hilfe, die ankommt!

Wie können Sie das Krankenhausprojekt in San Carlos unterstützen? Durch Ihre Spenden - im Einzelhandel sowie in zahlreichen städtischen Einrichtungen sind Sammeldosen des Fördervereins Erlanger Agenda 21 aufgestellt. Auch steuerlich abzugsfähige Spenden für das Krankenhausprojekt sind jederzeit möglich: Förderverein Erlanger Agenda 21 e.V., Stichwort "1 € für San Carlos", Konto 19008000, Stadt- und Kreissparkasse Erlangen, Bankleitzahl 763 500 00.

Weitere Informationen sind den nachstehenden Artikeln und Downloads zu entnehmen.

 

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