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2. Symposium Jugend und ...Alkohol



Der Alkoholkonsum Jugendlicher hat sich in den letzten Jahren spürbar erhöht. Die Zahlen von Krankenhausbehandlungen aufgrund einer Alkoholintoxikation haben sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht.

Logo Hart am Limit

Das Projekt HaLT – Hart am Limit setzt an diesem Punkt an und bietet Jugendlichen in der Klinik ein Gesprächsangebot und im Anschluss ein Gruppenseminar, den sogenannten ‚Risikocheck’, in dem der eigene Alkoholkonsum kritisch hinterfragt wird und Wege zu einem risikoarmen Konsum aufgezeigt werden.

Auf dem Symposium wurde der aktuelle Wissensstand zu den Auswirkungen des sogenannten ‚Komasaufens’ zusammengefasst. Referenten aus der Region beschrieben darüber hinaus die Situation in Erlangen.

Die Tagung diente weiterhin dazu das im Dezember 2007 in Erlangen begonnene HaLT-Projekt „Hart am Limit“ vorzustellen.

Frau Bürgermeisterin Dr. Preuß übernahm die Grußworte zur Tagung und stellte in diesem Zusammenhang das Gesamtkonzept der Stadt Erlangen zum Umgang mit Alkoholkonsum im öffentlichen Raum vor.

Im ersten Vortrag erläuterte Herr Prof. Wolstein den bisherigen Wissensstand zum Thema, wobei ein deutlicher Forschungsrückstand deutlich wurde. Bereits die Begriffsbildung ist schwierig, da das Phänomen des jugendlichen Alkoholkonsums mit vielen verschiedenen Namen benannt wird: Rauschtrinken, Flatratesaufen, Komasaufen, Binge drinking. Diesen Begriffen wiederum liegen unterschiedliche Mengen- und Häufigkeitsdefinitionen zugrunde. Dabei sind ‚Störungen durch Alkohol’ der dritthäufigste Aufnahmegrund für eine Krankenhausbehandlung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Der jugendliche Organismus reagiert sehr unterschiedlich auf eine hohe Alkoholmenge. Subjektiv wird der Alkohol im jugendlichen Alter ‚besser vertragen’, die Zeiten für die Rekonvaleszenz sind gering und die Betroffenen fühlen sich bereits nach kurzer Zeit wieder fit. Die körperlichen Gefahren hoher Trinkmengen liegen vor allem in einer Absenkung der Körpertemperatur und einer Unterzuckerung. Daneben sind Verletzungen, die sich Jugendliche im Rausch zuziehen und begangene Straftaten unter Alkoholeinfluss ein gravierender ‚Nebeneffekt’.

Längsschnittuntersuchungen zeigen deutlich eine höhere Gefährdung von Jugendlichen mit riskantem/missbräuchlichen Alkoholkonsum im späteren Leben eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Auch kann gezeigt werden, dass sich bereits bei Jugendlichen schnell eine Abhängigkeit entwickeln kann. Jugendliche mit einem niedrigen ‚Level of Response’, d.h. eine vergleichbar geringere Reaktion auf eine Alkoholdosis, haben dabei ein besonders erhöhtes Risiko. Jedoch sind auch Umweltgesichtspunkte – Vorbilder von Eltern oder anderen Erwachsenen, Darstellung von Alkoholexzessen in den Medien, Werbungetc. – ein wichtiger Faktor.

Neuere neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass das jugendliche Gehirn starken strukturellen Veränderungen ausgesetzt ist. Hierdurch können jugendtypische Verhaltensweisen und Befindlichkeiten, wie Suche nach extremen Erfahrungen und Reizen sowie schwankendes Gefühlserleben und Unlust erklärt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Schädigungen des jugendlichen Gehirns durch einen hohen Alkoholkonsum in dieser Phase besonders drastisch vor allem die Gedächtnisleistung beeinflussen.

Insgesamt ist eine deutliche Zunahme von stationären Behandlungen aufgrund von Alkoholintoxikationen in den letzten 10 Jahren zu vermerken – die Zahlen haben sich mehr als verdreifacht. Das Projekt HaLT- Hart am Limit setzt an diesem Punkt mit einer strukturierten Kurzintervention an.

Der Erlanger Autor Marius Meinhof las im Anschluss eine Passage aus seinem Buch ‚Die lange Straße’, die das Phänomen aus jugendlicher Sicht deutlich beschrieb.

Die weiteren Kurzvorträge stellten die Situation in Erlangen aus unterschiedlichen Blickwinkeln dar. Herr Prof. Rascher, Direktor der Kinder- und Jugendklinik Erlangen, stellte Zahlen aus den letzten zehn Jahren vor. Dabei wurde eine deutliche Zunahme der Klinikaufnahmen aufgrund von Alkoholvergiftungen während der Bergzeit sichtbar. Die Erlanger Streetworker, Petra Kraus und Thomas Mauru, berichteten von ihrer Arbeit mit Jugendlichen, die sich häufig im öffentlichen Raum aufhalten und von deren Sichtweise. Herr Polizeidirektor Kallert nannte die ersten Ergebnisse der Polizeiaktion zur Feststellung von Promillewerten bei Jugendlichen in der Erlanger Innenstadt, die von Dezember 2007 bis März 2008 durchgeführt wurde. Frau Kerstin Beyer, Mitarbeiterin der städtischen Drogen- und Suchtberatungsstelle, beschrieb schließlich das seit Dezember 2007 in Erlangen gestartete HaLT-Projekt in seinen einzelnen Projektabschnitten und die bisher aufgebaute Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendklinik Erlangen.

Das Symposium mündete in eine abschließende Podiumsdiskussion.

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