Religion und Medien
In die vierte Runde gehen nun schon die Symposien der Religionswissenschaftler aus den Partnerstädten. Gestern eröffnete Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in der Villa an der Schwabach die Konferenz zum Thema Religion und Medien, die am Donnerstag mit einem philosophischen Ausklang endet, wenn der Moskauer Husserl-Kenner, Igor Kirsberg, untersucht, welche Rolle die Phänomenologie in der russischen Religionswissenschaft spielt. Dazwischen referieren die fünf Gäste aus Wladimir unter Leitung von Jewgenij Arinin zu den unterschiedlichsten Themen, angefangen von der hindu-christlichen Identität in Südindien über die hindu-jüdischen Bezüge bis zur Darstellung des Islams in den Massenmedien. Schwerpunkt der Vorträge ist aber die interkulturelle Kommunikation im Zusammenspiel mit der Religion, vorgestellt besonders von Andreas Nehring, Leiter des Lehrstuhls für Religions- und Missionswissenschaft und, unterstützt von Wadim Schdanow, Organisator der Veranstaltung.

Elisabeth Preuß zeigte sich denn auch tief beeindruckt von der Fülle der behandelten Themen, fügen sie sich doch paßgenau in die Bemühungen der Stadtverwaltung, den interkonfessionellen Dialog zu intensivieren, die Religionen ins Gespräch miteinander zu bringen und einen kritischen Umgang mit all dem zu pflegen, was zu Glaubensfragen über die Medien transportiert wird. Dieser Frage vor allem wollen Christoph Ernst in seinem Beitrag “Visuelle Kultur und Religion. Was wissen wir via Massenmedien über fremde Religionen?” und Daniel Meier, Pionier des Austausches mit Wladimir, nachgehen, der sich mit der journalistischen Wahrnehmung des Islams im Licht der Integrationsdebatte beschäftigt, Der gesamte Komplex, zusammengefaßt in dem Beitrag von Natalia Markowa mit dem Titel “Medien und interkonfessioneller Dialog in Rußland”, ist im übrigen an der Staatlichen Universität Wladimir zu einem Forschungsschwerpunkt geworden, an dem sich auch Gastwissenschaftler etwa aus Japan beteiligen. So forscht Sanami Takahashi seit drei Jahren in Wladimir und präsentiert hier in Erlangen das zeitgeschichtliche Thema ”Die Rolle der Medien für die atheistische Propaganda am Fallbeispiel der Region Wladimir”.
Schon sprechen übrigens die beiden Kollegen, Jewgenij Arinin und Andreas Nehring, von einer Fortsetzung des Austausches. Wie sehr Fragen der Religion vor allem in ihren dämonisch-fundamentalistischen Ausprägungen die Menschheit polarisieren und sogar terrorisieren, muß hier nicht weiter ausgeführt werden. Da ist es doch nachgerade ein Segen, daß Erlangen und Wladimir den Raum für den interreligiösen Diskurs, für die klare Analyse, für die friedliche Scheidung der Geister bietet, gestaltet von Deutschen, Russen und Japanern.
PS, 03.11.2010