José Saramago
„Der Unbeugsame“, wie es in einem Zeit-Nachruf über den portugiesischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger José Saramago heißt, begleitet mich mit seinem Werk seit etwa 15 Jahren. Einige seiner Werke haben mich dabei stark beeindruckt. Aus diesem Grund und zum Anlass seines Todes am 18. Juni dieses Jahres möchte ich José Saramago als Autor des Monats vorstellen.
Geboren 1922 in armen Verhältnissen, schlug José Saramago den Weg des Schriftstellers ein und erarbeitete sich eine entsprechende Bildung – auch ohne die finanzielle Unterstützung seiner Eltern. Zeitlebens Kommunist, äußerte er sich immer wieder auch kritisch zu Themen öffentlichen, politischen und religiösen Interesses.
Mittels seiner Romane verstand es José Saramago, dem Leser Denkanstöße zu geben und sich zum Beispiel mit fiktiven Gesellschaftsformen auseinander zu setzen. So ist der Gedanke faszinierend und abscheulich zugleich, einer rätselhaften Erblindungsepidemie zum Opfer zu fallen, in Ghettos gepfercht zu werden und einer furchtbaren Hierarchie mit Unterdrückung und Misshandlungen ausgesetzt zu sein. Oder wer möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der niemand mehr sterben muss? Doch José Saramago schildert die absurde Kehrseite dessen: Versicherungsgesellschaften, Bestattungsunternehmen, Altenheime und Krankenhäuser gehen bankrott. Der ersehnte und eingetretene Zustand wird zum Alptraum.
Die hier beschriebenen Romane „Die Stadt der Blinden“ und „Eine Zeit ohne Tod“ stehen beispielhaft für das interessante literarische Werk Saramagos.
Viele Werke des Autors sind in der Stadtbibliothek vorhanden und können entliehen werden. Wer mehr über José Saramago erfahren möchte, dem empfehle ich die ebenfalls vorhandene Autobiographie „Kleine Erinnerungen“.