Die „Pause“ ist ein einzigartiger Ort. Geöffnet von 20 Uhr bis 23 Uhr jeden Abend, kann diese neue Einrichtung, die sich in der Innenstadt von Rennes, Erlangens Partnerstadt in Frankreich, und ein paar Meter vom Roten Kreuz befindet, bis zu 50 Personen gleichzeitig aufnehmen.
Einige der Besucher sind obdachlos, andere haben ein kleines Zuhause, aber das Einkommen ist nicht ausreichend, um normal zu leben. Seit dem 2. Dezember, der Eröffnung des Treffpunkts, gewöhnt sich jeder allmählich daran und knüpft seine Kontakte bei einem Kaffee oder einer heißen Suppe. Diese Initiative will ehrenamtliche Helfer nicht ersetzen, sondern ergänzen. Die Räumlichkeit ist zum Ausruhen da, körperlich und sozial.
Mittwoch, den 15. Dezember
Draußen hat es -2° C. Bereits einige Tage liegen die Temperaturen unter Null und der Plan für den Fall strengen Frosts läuft schon. Das ändert aber nichts für die Ehrenamtlichen, die vorhaben, sieben Tage in der Woche während der Wintermonate bis zum 31. März 2010 in der „Pause“ zu sein.
19.30 Uhr

Alle machen sich an die Arbeit, damit alles fertig ist, wenn die „Pause“ ihre Türen öffnet. Kaffee und Suppe sind bereits heiß. An diesem Abend wartet das Gebäck auf Besucher, gespendet von einem neuen Partner. Edmond, Lagerist des Samu Social (französisches Sozialdienst) sorgt gemeinsam mit Régine und Joël für die Organisation der Abende und überprüft jedes Detail mit Hilfe eines Duzend von Ehrenamtlichen wie er. Kartenspiele und Zeitschriften sind da, einige Girlanden schmücken den Treffpunkt, und der Tannenbaum darf nicht zu spät kommen. Bei der Öffnung der Türen teilt sich die Mannschaft: Sechs Personen bleiben hier, die anderen sechs fahren ihre Tour in der Stadt.
Genau 20 Uhr
Die Besucher lassen nicht auf sich warten. Sébastien (21) kommt als Erster. Er besucht den Treffpunkt seit seiner Eröffnung und hat hier bereits etwas für sich gefunden. Er gibt den Ehrenamtlichen die Hand und beschreibt die Atmosphäre: „Hier, ich kann hierher kommen und essen oder einen Kaffee trinken und mit den Ehrenamtlichen reden. Das ist angenehm, weil sie mir Ratschläge geben und Mut machen“. Geboren in Bordeaux, ist er vor einigen Monaten mit zwei Freunden nach Rennes gekommen. Über seine Situation berichtet er nicht sehr viel, sagt nur, er habe in jungen Jahren Dummheiten gemacht und wolle heute raus. Sein Onkel und seine Großmutter wohnen in Rennes, aber sie kennen seine Schwierigkeiten nicht. „Ich will sie nicht damit belästigen. Ich komme zu ihnen regelmäßig, um Grüß Gott zu sagen, aber ich will sie nicht um Hilfe bitten und ihnen Sorgen machen“, sagt er. So kümmern sich die Ehrenamtlichen um ihn und leisten ihm Hilfe.
21 Uhr
15 Menschen sind da. Ovio und Sabi, 27 und 26 Jahre alt, trinken Kaffee und unterhalten sich mit Régine und Joël. Das Leben auf der Straße kennen sie bereits lange: elf Jahre für Ovio und vier Jahre für Sabi. Sie sprechen darüber mit einem Lächeln, als ob sie dahinter ihre Scham verstecken möchten. Von den Ehrenamtlichen über diesen Treffpunkt informiert, sind sie heute Abend hier und zwar vor allem aus Freundschaft. „Die Ehrenamtlichen, die wir gut kennen, haben uns im letzten Jahr bereits viel geholfen. Wir waren beide verletzt und nicht mobil, und sie sind zu uns gekommen und uns alles gebracht, was wir brauchten“.
An diesem Abend sind unter den zwanzig anwesenden Personen viele Jugendliche, auch Ältere und einige Frauen. Einige haben kein Dach, die anderen können bei ihrem Einkommen nicht ausgehen. An diesem Abend sind sie nicht mehr allein, sie tauschen sich aus, machen Späße miteinander und dem Team. Die „Pause“ ist ein Treffpunkt, wo man Leib und Seele aufwärmt“, erklärt Yvan Boisramé, der Vorsitzende des Roten Kreuzes Rennes.

Bald 23 Uhr
Die Besucher bereiten sich vor, die Räumlichkeit zu verlassen. Einige helfen sogar beim Abräumen. Die Türen der „Pause“ schließen bald. Sébastien geht zu einem Kumpel schlafen, Sabi und Ovio gehen zurück in eine unbewohnte Wohnung, die anderen kehren wieder zurück auf die Straße, weil sie nichts haben oder nicht in der Unterkunft schlafen wollen. Aber sie gehen fröhlicher, sie haben es warm, sind richtig glücklich, nachdem sie einige Stunden in der Wärme verbracht haben und sich ausruhen konnten, – und gleichzeitig erschöpft vom alltäglichen schweren Leben.
Yvan BOISRAMÉ, Vorsitzender des Roten Kreuzes Rennes:
Wie ist die „Pause“ entstanden?
Dieser Treffpunkt ist ganz einfach entstanden. Unsere Verpflegung „cul“ vom Lastwagen, die von Ehrenamtlichen betreut wird, hat keine Kapazitäten mehr. Man musste eine andere Lösung finden, weil es weder für Besucher noch für Ehrenamtliche weiter zumutbar war, in der Kälte zu arbeiten. Hier kann man sich Zeit nehmen, um zu diskutieren, einander zuzuhören oder eine neue vertrauensvolle Beziehung zu knüpfen. Die Stadt Rennes und das Kreisamt für Gesundheit und Soziales sind unsere Partner in diesem Projekt, und wir arbeiten gut zusammen.
Welche Ideen haben Sie für diese Räumlichkeit ?
Heutzutage bietet die „Pause“ eine Möglichkeit, sich zu treffen, sich auszuruhen, aber wir wünschen uns, dass mehr Betroffene zu uns kommen als bisher. Wir überlegen uns, ob wir in der näheren Zukunft hier nicht medizinische und psychologische Beratung anbieten, aber dafür muss man ein paar Zimmer haben. Wir wollen diese Räumlichkeit an die Bedürfnisse der Betroffenen anpassen.

Warum ist die „Pause“ eine so kurzzeitige Struktur?
Auf Grund des von drei Seiten unterzeichneten Abkommens soll dieser Treffpunkt am 31. März 2010 schließen. Wir wünschen uns allerdings, dass dieser Ort bestehen bleibt, weil sich unsere Aufgabe, den Betroffenen zu helfen und sie zu begleiten, nicht auf die Winterzeit beschränkt. Mit der Erfahrung der ersten Aktivitäten hoffen wir, die Stadt Rennes und das Kreisamt für Gesundheit und Soziales zu überzeugen, unsere Zusammenarbeit zu verlängern, um diese Räumlichkeit zu einem permanenten Treffpunkt für Obdachlose zu machen. Finanziert wird die „Pause“ vom Kreisamt für Gesundheit und Soziales.
Danke an Herve Lecomte vom Roten Kreuz Rennes für die Informationen und Photos!