Drei-Königs-Treffen in Jena
Feiertag hin, Ferien her, am Fest der Heiligen Drei Könige brachen im Morgengrauen fünf Schülerinnen des Ohm-Gymnasiums mit ihrer Projektkoordinatorin, Hedwig Pichlmayr-Blessing, und Peter Steger, dem Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Erlangen, am Steuer des Kulturbusses nach Jena auf. Was im vergangenen Jahr so erfolgreich begonnen hatte, nämlich die Zusammenarbeit mit dem Otto-Schott-Gymnasium in der Partnerstadt, sollte möglichst früh im Jahr fortgesetzt werden.

Der 6. Januar ist in Thüringen kein Feiertag, also auch nicht schulfrei. So traf man sich nach einer kurzen und eher zufälligen Begegnung (aber was passiert schon ohne Fügung in dieser Partnerschaft?) mit Frank Schenker, dem Fachbürgermeister für Schulfragen, gegen 11.00 Uhr in der Göhre, dem Stadtmuseum, um sich gemeinsam durch die noch bis Ende März laufende Ausstellung „Gesichter des Herbstes 1989 in Jena“ führen zu lassen und anschließend eine Dokumentation mit Zeitzeugen zu sehen.

Die Entstehung der Ausstellung hat übrigens selbst schon etwas Bezeichnendes für die Zeitgeschichte: Dem Aufruf der Ausstellungsplaner über die Medien, Zeitzeugen mögen sich melden, folgte zunächst nicht einmal eine Handvoll Jenaer Bürger, obwohl doch die allermeisten von ihnen mehr oder weniger Zeugen und sogar Akteure der Ereignisse vor 20 Jahren sein mußten. Erst als man sich direkt an bekannte Personen des Widerstands und der Friedlichen Revolution wandte, kamen die gewünschten Rückmeldungen, und das Projekt konnte seinen Gang gehen, der ihn übrigens im Herbst auch nach Erlangen führen wird.

Doch zurück zu den Schülern: Nach einer Mittagsstärkung machte man sich an die Arbeit im Oberstübchen des Museums. Der Hauptpart bestand darin, die gemeinsame Projektarbeit einander vorzustellen. Die Gruppe aus Jena hatte Straßenumfragen zum Thema „Mauerfall“ und „Friedliche Revolution“ gemacht und präsentierte die zum Teil recht überraschenden Ergebnisse, die man zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal tiefer analysieren sollte, wie die beiden Gastgeber, Reiner Lippmann und Ingolf van Boekel, anregten. Vielleicht ja schon am 27. und 28. Mai, wenn die Partner nach Erlangen kommen. Gegen Ende der Zusammenkunft erlebten die Teilnehmer eine kleine Uraufführung. Zum ersten Mal wurde der Dokumentarfilm, gedreht von Schülern des Ohm-Gymnasiums im Herbst 2009, in Jena gezeigt. Bis zum 1. Dezember 2009 mußte er an die Jury des Mittelfränkischen Festivals für Schülerfilme eingeschickt sein; bis zur Entscheidung der Juroren über die Preise ist keine öffentliche Vorführung – abgesehen von geschlossenen Veranstaltungen – gestattet. Verdienter Applaus war die erste Reaktion nach den gut 15 Minuten Originalton von Akteuren der Partnerschaft zwischen Erlangen und Jena, von den Gründervätern bis hin zu Jugendlichen von heute. Eine wirklich gelungene Komposition aus Schilderungen und Kommentaren, die ganz ohne Moderation auskommt, die vielmehr buchstäblich für sich selbst spricht. Anerkennung und Lob für die jungen Macher, unterstützt vom Lehrstuhl für Theater- und Medienwissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität!

Im Hintergrund kümmerten sich Peter Steger und seine Frau Nadja schon um die großen Feste, die in dem Jahr, wo die Deutsche Einheit ihren 20. Geburtstag feiert, noch anstehen. Zwei Jahrzehnte nun schon liefert die Privatbrauerei Kitzmann aus Erlangen ihr fränkisches Bier an die Saale, zwei Jahrzehnte, die der Burgkeller, den seit langem nun schon Enrico Heine führt, der Braukunst aus der Partnerstadt treu geblieben ist.

Gute 300 50-Liter-Fässer rinnen hier jährlich durch die durstigen Kehlen. Edelpils genießt dabei den Vorzug der Jenaer Kenner. Das Bier-Jubiläum fällt nicht von ungefähr mit 20 Jahren Deutsche Einheit zusammen, denn Peter Kitzmann war einer der ersten und bis heute beständigsten Unternehmer aus Erlangen, die in Jena aktiv wurden. Wohl kaum ein Jenaer, der nicht gleich nach dem Mauerfall auf den guten Geschmack der Brauerei aus der Partnerstadt gekommen wäre. Nun soll dessen bei Straßenfesten gedacht werden, zur Bergkirchweih darf man einen „Nostalgie-Bus“ mit Kitzmann-Freunden aus Jena erwarten, und der diesjährige Kitzmann-Krug ist justament der Partnerschaft mit Jena gewidmet. Anlässe genug für noch so manches Treffen in feucht-fröhlicher Freundesrunde.

Als die Gruppe nach getaner Arbeit am Nachmittag zufrieden wieder die Heimreise antrat, wunderte sich niemand mehr, als auch noch „zufällig“ Oberbürgermeister Albrecht Schröter vorfuhr und den Gästen winkend eine gute Fahrt wünschte. Da paßt eben das eine zum andern in dieser Partnerschaft.

(Photos: Nadja Steger)
PS, 06.01.10
Manifestations à l'occasion de