Projekt ARETE
Seit dem 1. April 2008 gibt es in San Carlos das Beratungszentrum ARETE, welches unter der Leitung der deutschen Entwicklungshelferin Hilde Düvel aufgebaut wurde. Das Projekt ARETE dient zur Betreuung von Opfern familiärer und sexueller Gewalt und von Menschenhandel in San Carlos und der Region Río San Juan.
Familiäre und sexuelle Gewalt sind in der Region Río San Juan nach wie vor ein sehr ernstzunehmendes Problem, zu dem Armut und Machismo nicht wenig beitragen. Seit 2008 kümmern sich die MitarbeiterInnen von ARETE um die Opfer solcher Delikte und leisten psychologische, soziale, medizinische und rechtliche Hilfe. Neben der psychologischen und rechtlichen Betreuung ist seit 2009 die Präventionsarbeit ein wichtiger Bestandteil von ARETE, um besser gegen Gewalt vorgehen zu können. Die Arbeit umfasst beispielsweise das Projekt zur Prävention von Gewalt an Grund- und Oberschulen und die Ausstrahlung von Radioprogrammen, die sich mit familiärer und sexueller Gewalt, sowie mit Menschenhandel befassen. Die Radiosendungen erfreuten sich in der Vergangenheit großer Beliebtheit in der Region, wie die sprunghaft angestiegen Hörerschaft des Radiosenders „Trópico Húmedo“ und zahlreiche Anrufe von Hilfesuchenden beim Beratungszentrum ARETE zeigten. Ebenso wie diese beiden Projekte konnten in den letzten beiden Jahren dank großzügiger Spenden einzelner Personen, Erlanger Schulen und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen auch durch die Einnahmen der jährlich stattfindenden Fiesta für San Carlos und der Restcentaktion der städtischen Angestellten weitere Projekte gefördert werden. Vor wenigen Monaten wurden in San Carlos und in weiteren Dörfern der Region Selbstverteidigungskurse für Frauen und Jugendliche angeboten, welche auf großes Interesse seitens der Bevölkerung stießen. Da sie großes Potential zur Senkung der Gewaltfälle bergen und die Nachfrage von der Bevölkerung nach wie vor besteht, sollen Selbstverteidigungskurse auch in Zukunft wieder angeboten werden.
Ein weiteres Projekt ist die Einrichtung eines Nottelefons, damit Betroffene auch abends, nachts oder am Wochenende, wo sich am meisten Gewaltdelikte ereignen, eine/n AnsprechpartnerIn im Beratungszentrum erreichen können.
Das neueste und kürzlich vollendete Projekt von ARETE ist der Bau eines Frauenhauses, welches betroffenen Frauen und Kindern bis zu 6 Monate Schutz bieten soll. Eine angegliederte Druckerei und umliegende Wirtschaftsbetriebe sollen dazu beitragen, dass sich das gesamte Projekt in wenigen Jahren selbst tragen kann und dass betroffene Frauen einen Weg in die Wiedereingliederung der Gesellschaft und die wirtschaftliche Unabhängigkeit finden. Im September 2010 wurde der Bau des Frauenhauses fertiggestellt.
Die Anzahl der Mitarbeiter von ARETE ist seit Beginn des Gesamtprojekts stetig gestiegen, so dass dort inzwischen ausgebildete PsychologInnen und SozialarbeiterInnen, sowie eine Lehrerin und Pädagogin beschäftigt sind, die sich im Beratungszentrum in San Carlos, oder vor Ort um die Betroffenen kümmern. Um entlegene Orte besser erreichen zu können, wurden dafür eigens ein Jeep und ein Motorboot angeschafft, welche durch Erlanger Spenden mitfinanziert wurden.
Seit seinem Bestehen hat das Projekt ARETE weit über 8000 betroffenen Frauen oder Kindern in der Region Río San Juan unterstützt. Die anfangs noch staatlich unterstütze Einrichtung ist seit Kürzungen der Regierung 2009 vollständig auf die Unterstützung durch die Partnerstädte Erlangen und Nürnberg angewiesen.