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Gender Mainstreaming - FAQs



Gender Mainstreaming/Geschlechtersensibles Handeln

Was ist unter Gender Mainstreaming bzw. geschlechtersensiblem Handeln zu verstehen?
Gender Mainstreaming ist die Verankerung der Geschlechterperspektive in alle Bereiche des (Verwaltungs-) Handelns. Es wird bei der Überprüfung von Aufgaben, der Gestaltung von Angeboten etc. immer auch eine Prüfung der Chancengleichheit vorgenommen.
D.h. es wird gefragt: Haben Frauen und Männer, Mädchen und Jungen unterschiedliche Ausgangsbedingungen bzw. hat unser Handeln unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer?
Gender Mainstreaming bzw. die geschlechtersensible Sichtweise umzusetzen ist in Bayern seit 2002 als Richtlinie der Staatsregierung verankert. Erlangen hat sich 2003 der Umsetzung dieses Prozesses verpflichtet.

Was ist das Neue an Gender Mainstreaming in Bezug auf die „klassische“ Gleichstellungspolitik?
Es lassen sich insbesondere 4 neue Elemente benennen:
1. Der Kreis der Akteure erweitert sich: Die Umsetzung von Gender Mainstreaming/ Geschlechtersensibilität bezieht aktiv alle Frauen und Männer - vor allem auch die politisch Verantwortlichen und Führungskräfte - mit ein.
2. Die Verantwortung für die Ergebnisse liegt nicht bei den Gleichstellungs- oder Gender- Beauftragten, sondern  bei der Führung. Die Beauftragten haben die Rolle von ImpulsgeberInnen, BeraterInnen, WissensträgerInnen etc.
3. Das geschlechterspezifische Wissen wird explizit für beide Geschlechter breit erhoben und das Geschlechterverhältnis selbst steht im Fokus des Interesses. Damit werden die Kriterien für mögliche Ungleichheiten verfeinert.
4. Gender Mainstreaming hat als Prüfung der Chancengleichheit eine klare methodische und Prozess- Orientierung der Bestandsaufnahme/Analyse, Zielentwicklung, Umsetzung und der Überprüfung der Umsetzungsergebnisse. Es lässt sich also gut in Verwaltungsreformprozesse integrieren.

Ändert sich mit Gender Mainstreaming auch etwas an den Inhalten der Gleichstellungspolitik?
Ja und Nein. Ja, weil viele Themen nun erweitert werden, Nein, weil die Substanz der Themen von Ungleichheit in großen Teilen gleich bleibt. Z.B. wird mit Gender Mainstreaming explizit das männliche Geschlecht angesprochen, in seinen verschiedenen Rollen und Aktivitäten. Die Familienorientierung von Männern und Frauen wird zum Thema gemacht. Tabus werden gebrochen und neue Fragen gestellt. Mädchen und Jungen sollen die Möglichkeit bekommen, ihr Berufswahlspektrum zu erweitern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll  für Männer und Frauen attraktiv gestaltbar sein etc. Eine Politik der Geschlechtergerechtigkeit ist immer damit verbunden, Aufwertungen der als weiblich geltenden Verhaltensweisen und Bereichen vorzunehmen.
Komplizieren tut sich die Sache dadurch, dass die Aufwertung des Weiblichen sich nicht nur auf Frauen sondern auf das, was als weiblich zugeordnet wird, bezieht, d.h. auch auf Elemente, die in männlichen Biographien zu finden sind. Wir müssen also die individuelle von der strukturellen Ebene unterscheiden. Strukturell ist das Weibliche gegenüber dem Männlichen abgewertet, individuell können Männer wie Frauen in ab- oder aufgewerteten Positionen sein.

Welchen Erfolg verspricht die Umsetzung von GM?
Eine aktive Ausgestaltung von Gender Mainstreaming kann zu passgenaueren Angeboten führen und die Qualität der Dienstleistungen und Arbeitsorganisation verbessern. Blinde Flecken der Gleichstellungspolitik werden reduziert. Neue auch durch die Frauen- und Gleichstellungspolitik entstandene Tabus können nun angesprochen werden. Gender Mainstreaming ist aber ebenso wie die Gleichstellungspolitik allgemein nur dann erfolgreich, wenn die Umsetzung aktiv gestaltet wird und GM nicht nur ein zusätzliches Schild auf der Verpackung von Themen darstellt.

Was macht Gender Mainstreaming auch für Männer interessant?
Jede/r ist mit ihrer/seiner Meinung in dem Prozess gefragt.
Alle sollen die Möglichkeit haben ihre Handlungsspielräume zu erweitern.
Damit gewinnen Männer und Frauen Freiräume und die Gesellschaft mehr Kreativität und Innovation, da die gesellschaftliche Potentiale von Männern und Frauen besser genutzt werden.
Vorurteile/Klischees und sogenannte Stereotypisierungen werden abgebaut.
Die Qualität der Angebote/der Arbeit kann erhöht werden.
Frauen und Männer kommen ins Gespräch über (Geschlechter-) Gerechtigkeit.

Wie erkenne ich, ob ein Thema die Geschlechterfrage berührt? Was kann/muss ich tun, um meine Geschlechtersensibilität zu steigern?
Es sind meist mehr Themen als wir denken. Neben den klassischen sozialen und pädagogischen Themen sind es auch solche der Stadtplanung, des öffentlichen Personen-Nahver-kehrs, in der Öffentlichkeitsarbeit, der Sport-, Gesundheits-, Umwelt- und Arbeitszeitpolitik etc. Erst einmal gilt es, mit dem sensibilisierten Blick hinzuschauen: Wie sieht das quantitative Verhältnis der Geschlechter aus, was stellen wir über Verhalten fest... Schon allein das öffnet manchmal neue Perspektiven. Dann gilt es weitere Fragen zu stellen, sich informieren, fortbilden, diskutieren. Die Gleichstellungsstelle steht hierfür als Organisatorin von Diskussionsprozessen, Wissensträgerin, Beraterin etc. zur Verfügung. Außerdem sind inzwischen im Internet viele interessante Hinweise zum Thema zu finden.

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