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Lesetipp Februar 2012



 

Ein Roman, der sich wegliest wie nichts – damit ist Benedict Wells' Roman "Fast genial" gemeint.

Die als eine Art Roadmovie angelegte Geschichte spielt in Amerika. Der 17-jährige Francis Dean wohnt mit seiner allein erziehenden und psychisch kranken Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark von New Jersey. Keine rosigen Zukunftsaussichten also.

Bisher gab Francis seinem Stiefvater Ryan die Schuld an allem. Über seinen leiblichen Vater weiß er nichts. Seine Mutter hatte nur einmal angedeutet: Es war eine kurze Affäre mit jemandem von weit weg gewesen. Schließlich erfährt Francis, was dieses "weit weg" bedeutet: Er ist ein Retortenkind, gezeugt von einem genialen Wissenschaftler.

Damals, Anfang der 80er Jahre, hatte man eine Samenbank der Genies gegründet und seine Mutter nahm an einem dieser absurden Experimente teil. Sein Vater ist also kein Versager, der die Familie im Stich ließ, sondern ein Harvard-Absolvent mit einem IQ von 170.

Obwohl Francis weder den Namen noch die Adresse seines leiblichen Vaters kennt (es gibt nur den Hinweis, dass er an der Westküste lebt), macht er sich auf die fast aussichtslose Suche. Er will seinen Vater finden und aus seinem bisherigen Drecksleben ausbrechen.

Also begibt er sich mit seinem besten Freund Grover und seiner Freundin Anne-May auf einen abenteuerlichen Erkundungstrip an die Westküste. Seine ganze Hoffnung ruht auf der Klinik, wo damals die Experimente durchgeführt wurden. Doch hier hat man inzwischen alle Unterlagen vernichtet. Als Francis endlich hinter das Geheimnis kommt, erlebt er eine bittere Enttäuschung. Es gibt natürlich auch eine Kehrseite dieser Enttäuschung: Nämlich die persönliche Weiterentwicklung Francis’ aufgrund der Erlebnisse dieser Reise und des Blickes über den nahen Tellerrand.

Der 1984 geborene Benedict Wells überraschte 2008 mit seinem viel beachteten Debüt "Becks letzter Sommer". Ein Jahr später folgte sein Roman "Spinner", mit dem wir ihn in Erlangen zu einer tollen Lesung begrüßen konnten. Nun liegt mit "Fast genial" ein weiterer wunderbarer und nicht nur fast genialer Roman des Autors vor. Wir werden hoffentlich noch viel von ihm hören und vor allem lesen.

Susann Wagner
 

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