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Yanis Varoufakis: Der globale Minotaurus

 

Yanis Varoufakis: Der globale Minotaurus. Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft

Warum lese ich dieses Buch?

Weil ich Varoufakis im Fernsehen so oft gesehen habe, dass ich kurz vor dem automatischen Weg-Zappen war. Weil ich ihn oft als borniert, aufgeblasen, rechthaberisch, politisch naiv oder ignorant empfunden habe. Und weil ich deshalb den Beweis haben wollte, dass er noch nicht einmal in seinem Buch verwertbare Theorien definiert hat, die seine Rolle als (ehemaligen) griechischen Finanzminister rechtfertigen würde. Und er tatsächlich der Quacksalber ist, für den man ihn vielleicht halten könnte. Weil er aber andererseits erfrischend anders ist als die meisten uns bekannten Politiker und er deshalb auch fasziniert, war ich neugierig auf  seine Ideen und wollte sein Buch lesen.

Inhalt des Buches

Varoufakis macht seine Erklärungen einer globalen Wirtschafts- und Bankenstrategie der Amerikaner seit 1929 am Fabelwesen des Kretischen Minotaurus fest, der in der Sage gnadenlos Menschen fraß, die man in sein Labyrinth trieb.

Aus der Position der amerikanischen Überlegenheit heraus sollte zunächst zwischen 1950 und 1971 „der große globale Plan“ gelten, ein System fester Wechselkurse und festgemacht am Dollar als Leitwährung und einem „Recyclingmechanismus für amerikanische Überschüsse“, Hilfen für andere „Peripherie-Staaten“ wie Europa und Japan, um zentrifugale Ablösungskräfte – hervorgerufen durch zu große Marktunterschiede – gar nicht erst entstehen zu lassen. Kurz: Tue Gutes, mache alle abhängig und behalte das Steuer in der Hand.

Mit Auftreten des amerikanischen Doppeldefizits in der Außenhandelsbilanz und dem Haushalt sollte dann der große „Geldstaubsauger Wallstreet“ (der Minotaurus) ab den 1970er Jahren Kapital ins Land spülen und die Weltwirtschaft für Amerika steuerbar halten. Was – wie wir alle wissen – spätestens 2008 in der großen Kapitalmarktkrise endete. Einzelheiten werden im Buch sauber protokolliert.

Als zukunftsorientierte Lösung schlägt Varoufakis letztlich eine globale Transferunion vor, die alle Überschüsse an leistungsschwache Länder umverteilt.

Kommentar

Es ist mühsam, sich durch das Buch zu kämpfen, was allerdings auch am Stoff liegt. Was aber bei der oben skizzierten Erwartungshaltung gar nicht zum Zuge kommt, ist, dass Varoufakis die Weltwirtschaft letztlich nur auf das Banken-/Finanzwesen und die Steuermechanismen der Politik – insbesondere die der Amerikaner – reduziert.

Damit macht er es sich für Länder wie Griechenland zu einfach. Seine Bewusstseinslage: die Amerikaner steuern ohnehin alles. Wenn die reichen Länder wollen, dass das globale  Wirtschaftssystem nicht auseinander bricht, müssen sie uns ihre Überschüsse abgeben, basta.

Von einer eigenen Leistungsbereitschaft dieser schwachen Länderwirtschaftssysteme („wir müssen als Volkswirtschaft selber leistungsfähig werden!“), der Umsetzung entsprechender Strukturen, der Bereinigung von Regierungsstrukturen und einem leistungsorientierten Schwenk im Mindset des Einzelnen ist nirgendwo die Rede.

Insoweit hat mich das Buch letztendlich nicht enttäuscht. Es zeigt zwar interessante Aspekte der Finanzwelt-Geschichte (die man aber auch woanders findet), aber letztlich ist es eine griechische „Klagemauer“, fernab von „Yes we can!“.

Seine Vorstellungen und sein (eingeschränkter) Fokus auf seine Aufgaben als ehemaliger Finanzminister Griechenlands sind auf der Basis dieses Weltbildes nachvollziehbar, waren aber für die Praxis leider nicht ausreichend.

Rainer Heppe

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