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Lesetipp Mai 2012

In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel Artikel

Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel

Die Journalistin Andrea von Treuenfeld hat für ihr Buch 16 israelitische Frauen interviewt, die während des Dritten Reiches aus Deutschland nach Palästina geflohen sind. Sie blicken heute zurück auf ihr Leben und reden zum ersten Mal darüber, was damals passiert ist.

Viele erzählen von einer glücklichen, behüteten Kindheit, die mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten abrupt endete. Die meisten stammten aus dem deutschen Bildungsbürgertum, hatten eine gute Schulbildung und fühlten sich in der deutschen Kultur fest verwurzelt.
Einige jüdische Familien erkannten die Gefahr rechtzeitig und planten sorgfältig die Flucht, andere hofften bis zuletzt auf ein Ende der Verfolgung und entkamen teils in letzter Sekunde und unter abenteuerlichen Bedingungen ihrer Deportation. Nirgends waren Juden erwünscht, kein Land wollte sie aufnehmen und auch in Palästina waren sie nicht willkommen, denn sie kamen aus dem verhassten Deutschland und hatten sich nicht aus religiösen Gründen für das Land entschieden. Sie kamen auch nicht aus der Landwirtschaft, was damals für den Aufbau des Landes wichtig gewesen wäre. Doch diese jungen Damen bewiesen, dass sie anpacken konnten und sich auch nicht zu schade waren für einfache Arbeiten, um sich und die Familie durchzubringen. Ihre charakteristischen deutschen Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Disziplin und Ehrlichkeit legten sie dagegen nicht ab, wie die Autorin in ihrer Einleitung herausstellt, und prägten damit das neue Land Israel wie keine andere Einwanderungsgruppe.
Das Schimpfwort "Jeckete" ist zu einer Auszeichnung geworden, eine Tatsache, die auch diesen Frauen zu verdanken ist.
Diese 16 autobiographischen Berichte sind alle sehr unterschiedlich und authentisch bis hin zu Wortwahl und Sprache. Jede Frau erzählt sehr persönlich von ihren Erlebnissen und Erfahrungen während der Flucht, vom Neuanfang unter schwierigen Bedingungen, vom Leben in Israel und von der Beziehung zum heutigen Deutschland.
Diese individuellen Schilderungen subjektiver Empfindungen und belastender Erfahrungen in einer schwierigen Zeit machen den besonderen Reiz dieses Buches aus.
Eingestreut in das Buch sind erklärende Bilder, private Photos und Sachinformationen, ein Glossar und eine Zeittafel.
Andrea von Treuenfeld ist ein sehr bewegendes Buch gelungen, nicht nur, weil es ein Beispiel gelungener Trauerarbeit ist, sondern auch als ein Dokument gelebter Versöhnung.

Spannend zu lesen und schön gestaltet ist auch ein weiteres Buch zum Thema Auswanderung während des Nationalsozialismus: Thomas Blubacher porträtiert in seinem Buch "Paradies in schwerer Zeit" 48 berühmte deutschsprachige Künstler und Denker in ihrem Exil in Pacific Palisades, einem Ortsteil von Los Angeles. Blubacher gelingt es dabei sehr überzeugend, das komplizierte Beziehungsgeflecht der Exilanten untereinander aufzuzeigen.

Christine Lenhart

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