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Lesetipp August 2012

Die unwahrscheinliche Pilgerreise

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


Pilgern liegt im Trend. In den Medien wird das Thema ausführlich behandelt und in der Bibliothek sind Bücher darüber eigentlich Selbstläufer. Warum also einen Roman über das Pilgern besprechen?

Der erste Roman der englischen Autorin Rachel Joyce hebt sich deutlich von der Flut der Pilgerbücher ab, es ist ein unglaublich berührendes, bewegendes Buch mit sympathischen Charakteren.
Das pensionierte Ehepaar Harold und Maureen Fry führt nur noch eine lieb- und wortlose Ehe. Als Harold einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie bekommt, die ihm mitteilt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, will er ihr eigentlich nur einen höflichen Antwortbrief schreiben. Auf dem Weg zum Postkasten entscheidet er sich spontan, den Brief persönlich abzugeben, da er aus irgendeinem Grund in ihrer Schuld steht.
Er lässt sein kleinbürgerliches, bescheidenes Leben zurück und macht sich auf die Reise, 1000 km zu Fuß von Südengland bis an die schottische Grenze, ohne Ausrüstung, in Segelschuhen und Krawatte. Auf dieser Pilgerreise verarbeitet er sein Leben und stellt sich der gescheiterten Beziehung zu seinem Sohn und seiner Frau. Ganz allmählich erfährt der Leser das ganze Ausmaß der Tragödie, die das Leben dieser Familie verändert hat.
Auf seinem Weg macht Harold viele neue Erfahrungen und trifft Menschen, die ihm ihr Herz ausschütten, denn er ist offen, nimmt sich Zeit und verurteilt nicht.
Doch diese Pilgerreise verändert nicht nur ihn, sondern auch seine Frau. Sie vermisst ihn und fängt ebenfalls an, über die Vergangenheit nachzudenken.
Je weiter sie sich geografisch voneinander entfernen, desto mehr lernen sie sich wieder schätzen und achten.
Emotional und physisch zutiefst mitgenommen, aber mit neu erwachtem Selbstbewusstsein erreicht Harold schließlich Queenie, die mit dem Sterben auf ihn gewartet hat.

Die Autorin überrascht den Leser immer wieder aufs Neue. Am Ende des Buches schließt sich der Kreis, aber anders, als der Leser es erwartet. Rachel Joyce gelingt es außerordentlich gut, dem Leser nach und nach das Geheimnis zwischen Queenie und Harold zu enthüllen oder den tiefen Schmerz zu beschreiben, der zwischen Harold und seiner Frau steht.
Joyce schreibt sehr locker und elegant und gibt der Geschichte gegen Ende noch eine überraschende Wendung, die aber hier nicht verraten werden soll.
Nur soviel sei gesagt: 
Es ist nie zu spät, sein Leben zu ändern.

Christine Lenhart

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