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Lesetipp März 2013

 

Vielen Dank für das Leben

Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben

Toto ist ein ganz besonderer Mensch. Er kommt 1966 in der damals noch existierenden DDR ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale zur Welt. Seine Mutter ist alkoholabhängig, der Vater nicht bekannt. So landet er bald in einem trostlosen Waisenhaus, wo er, neben sozialistischem Drill, nur Ablehnung und Ausgrenzung erfährt. Als er älter wird, verkauft ihn die Heimleiterin als billige Arbeitskraft an einen heruntergekommenen Bauernhof. Obwohl er auch dort nicht gut behandelt wird, fühlt er sich in Gesellschaft der Tiere doch relativ wohl und entdeckt seine  Leidenschaft für das Singen. Eines Tages trifft er zufällig auf eine Gruppe, die ihn in den Westen schmuggelt. Aber auch hier gerät er immer wieder an die falschen Menschen, die ihn ausnutzen und bald wieder loswerden wollen. Er lebt ein Leben am Rande der Gesellschaft, haust in den erbärmlichsten Unterkünften, singt in billigen Clubs und lässt sich begaffen. Aber all diese Widrigkeiten lassen ihn unberührt, er glaubt nach wie vor an das Gute im Menschen, nimmt sich selbst nicht wichtig, ist immer voller Zuversicht und passt sich jeder neuen Situation klaglos an. Nach vielen Jahren trifft Toto, der sich mittlerweile für ein Leben als Frau entschieden hat, nicht ganz zufällig einen ehemaligen Kameraden aus dem Kinderheim. Sie gehen zusammen nach Paris, wo diese traurige Geschichte im Jahre 2030 ihr Ende findet.


Sibylle Berg, die hauptsächlich durch ihre bissigen sozialkritischen Kolumnen bekannt wurde, hat hier nicht nur ein Buch über einen ganz und gar außergewöhnlichen Menschen geschrieben, sondern auch die letzten fünf Jahrzehnte deutscher Zeitgeschichte kritisch beleuchtet und unsere Gesellschaft noch einige Jahre weiter gedacht. Dabei wird nichts und niemand von ihrem Sarkasmus verschont, weder der Osten noch der Westen und schon gar nicht die globalisierte Welt von heute und morgen. Ihr Blick auf die heutige Gesellschaft ist erbarmungslos und ihre Prognose für die Zukunft alles andere als rosig.


Die düstere und zynische Sprache der Autorin ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber  das Buch ist geistreich geschrieben, voll sprödem Humor und absolut lesenswert.

Sabine Köstler

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