Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Lesetipp Oktober 2013

 

Super Sad True Love Story

Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story

Der jüngste Roman des Autors, der als Sohn jüdisch-russischer Immigranten in New York lebt, ist bereits vor zwei Jahren erschienen. Er hat aber, gerade angesichts der aktuellen Diskussion um den gläsernen Bürger, nichts an seiner Aktualität verloren. Die Geschichte spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. China hat die Rolle der Supermacht übernommen. Die wichtigsten Währungen sind der chinesische Yuan und der Nordeuro. Die USA sind wirtschaftlich am Ende und haben sich zu einer Art Militärdiktatur gewandelt. Die Menschen dieser Zeit tragen ständig eine „Äppärät“ genannte Weiterentwicklung des heutigen Smartphones offen mit sich herum, mit der sie immer online sind. Damit sind jederzeit für jedermann detaillierte Informationen über Alter, Herkunft, Charakter, Gesundheitszustand, finanzielle Situation, Konsumverhalten und (sexuelle) Vorlieben ersichtlich. Außerdem ist es dadurch möglich, seine Mitmenschen (z.B. in punkto Attraktivität) zu bewerten bzw. seinen eigenen „Wert“ festzustellen. Es wird nicht mehr miteinander geredet, sondern „getextet“, auch das Lesen ist aus der Mode gekommen, Informationen werden lediglich „gescannt“. Diejenigen, die es sich leisten können, beschäftigen sich hauptsächlich mit Konsum, gesunder Ernährung und der Bewahrung ihres jugendlichen Aussehens. Die Armen und Alten verschwinden mehr und mehr. In dieser Zeit also verliebt sich der 39-jährige Lenny Abramov, so wie der Autor ein Amerikaner mit jüdisch-russischen Wurzeln, bei einem einjährigen Auslandsaufenthalt in die 15 Jahre jüngere koreanischstämmige Eunice Park. Lenny, der für eine Firma arbeitet, die reichen Leuten Unsterblichkeit verkauft, ist hoffnungslos altmodisch. Er kauft und liest noch richtige Bücher, obwohl viele der Meinung sind, dass sie stinken, und er schreibt auch ganz konventionell Tagebuch. Eunice dagegen, die sich gerade erst aus ihrem strengen Elternhaus gelöst hat, ist ein Kind dieser neuen Zeit, und so gestaltet sich diese Beziehung ziemlich kompliziert. Der Roman besteht abwechselnd aus Lennys Tagebucheinträgen und Eunices Textbeiträgen aus dem „GlobalTeens Account“, einer Art sozialen Netzwerks. Damit werden beide Perspektiven beleuchtet und die Unterschiedlichkeit der beiden Charaktere  anschaulich verdeutlicht.

Der Autor hat mit dieser durchaus lesenswerten Geschichte eine ziemlich schräge Zukunftsvision geschaffen, indem er einfach unsere heutige Realität mit Smartphones, Facebook, Finanzkrise und Gesundheitswahn ein kleines Stück weiter denkt. Interessant und auch ein bisschen erschreckend war für mich der Gedanke, wieviel von dem Geschilderten heute schon technisch machbar wäre und z.B. unter geänderten politischen Vorzeichen auch gemacht werden könnte.

Sabine Köstler

Weiterführende Informationen

Kontakte

Kontakt

  • Stadtbibliothek Erlangen
    Marktplatz 1 (Eingang: Hauptstr.)
    91054 Erlangen
    Tel +49 9131 86-2282
    Fax +49 9131 86-2431
    E-Mail senden
    Website

Öffnungszeiten

Mo, Di, Do, Fr 10:00 - 18:30 Uhr
Sa 10:00 - 14:00 Uhr
Mi, So geschlossen