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Lesetipp März 2015

Maria Knissel:  Drei Worte auf einmal

Maria Knissel: Drei Worte auf einmal

Chris ist dreizehn, als sein sieben Jahre älterer Bruder Klaus mit dem Motorrad verunglückt. Klaus liegt lange im Wachkoma, wird schwer behindert aus der Klinik entlassen und bestimmt von da an das Familienleben. Die Eltern opfern sich in der Pflege ihres  Sohnes auf. Chris bleibt sich selbst überlassen und leidet an der Sprachlosigkeit und Überforderung seiner Eltern. Er zieht sich von seinen Freunden zurück, vernachlässigt die Schule, experimentiert mit Alkohol und Drogen und spielt mit Selbstmordgedanken.

Diese wahre Geschichte wird weitgehend aus der Perspektive des heranwachsenden Chris erzählt, der in der verkrusteten und strengen Welt der Nachkriegsgeneration in den 70er Jahren heranwächst. Deprimierend ist die Beschreibung der Situation behinderter Menschen in der damaligen Zeit, beklemmend die Wohnsituation und der Alltag, an dem die Eltern schließlich zerbrechen.

Durch Zufall wird Chris Mitglied im Landesjazzjugendorchester. Die Musik gibt ihm Halt, stärkt sein Selbstbewusstsein und gibt seinem Leben wieder Sinn. Trotzdem stellt er seine musikalische Karriere immer wieder zurück, um für seinen älteren Bruder da zu sein und für seine Würde zu kämpfen.

Dieser sachlich und schnörkellos geschriebene Roman, der laut Umschlagtext auch „Ziemlich beste Brüder“ heißen könnte, vereint gleich mehrere Themen geschickt zu einer mitreißenden Geschichte: Einerseits  gibt er einen interessanten und packenden Einblick in den Alltag eines Berufsmusikers. Er ist aber mehr als ein Musikerroman, denn er schildert auch sehr berührend und bewegend die „Glücksmomente“, die Chris mit seinem behinderten Bruder erlebt, klammert andererseits aber auch Chris‘ negative Empfindungen nicht aus, seinen Ekel, seinen Hass und seine Ohnmacht. Und schließlich ist dieser Roman auch ein sehr gut konstruierter, dichter  Entwicklungsroman, der beschreibt, wie Chris nach vielen Umwegen zu sich selbst findet. Ihm gelingt es, seinen Eltern zu verzeihen, als Jazz-Musiker Karriere zu machen und seinem Bruder ein gutes Leben zu ermöglichen.

Christine Lenhart

 

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