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Lesetipp August 2016

Das Licht im Land meines VatersMurat Isik: Das Licht im Land meines Vaters

Der niederländisch-kurdische Autor erzählt in seinem ersten Roman in Anlehnung an die wahre Geschichte seiner Familie eine berührende Familiengeschichte, die in der Türkei der 1960er Jahre spielt.

Held des Romans ist der 10-jährige Miran, der mit seiner kurdisch-alevitischen Familie unter sehr einfachen Verhältnissen in einem ehemals armenischen Dorf in Ostanatolien lebt. Sie gehören den Zaza an, einem kurdischen Volk mit eigener Sprache. Der Vater ist Viehhüter und im Dorf geachtet als Geschichtenerzähler. Diese „alte Welt“ mit ihren jahrhundertealten Traditionen gerät aus dem Gleichgewicht, als das Dorf einen türkischen Lehrer bekommt, der den Kindern türkische Namen gibt und ihnen die kurdische Muttersprache verbietet. Das gesellschaftliche Klima wird rauer, ein schwerer Unfall des Vaters zerstört die Existenzgrundlage der Familie und zwingt sie, ins Land des Vaters zu ziehen. Doch auch hier gibt es Spannungen zwischen den Volksgruppen, sodass die Familie schließlich nach dem Erdbeben 1966 in den Westen der Türkei auswandert.

Isik erzählt berührend und anschaulich, was es bedeutet, in Armut zu leben, wie schnell man alles verlieren kann und wie schwer Neuanfänge sind. Er wirft aktuelle Fragen auf, z.B. was Heimat bedeutet oder welchen Preis bezahlen Menschen, die in der Fremde neu anfangen müssen. Mirans Vater kommt mit den vielen Veränderungen schlecht zurecht, doch er setzt große Hoffnungen in seinen Sohn: „Du wirst es zu etwas bringen, weil du gesehen hast, wie es ist, wenn man alles verliert und nichts mehr hat.“

Diese interessante Familiengeschichte spricht viele Themen an, die auch heute noch erschreckend aktuell sind: den Konflikt zwischen Sunniten und Aleviten, den Völkermord an den Armeniern, die Unterdrückung der kurdischen Völker, die türkische Assimilationspolitik, das rückständige Leben der Landbevölkerung und das rasante Wirtschaftswachstum in den Großstädten.

Leser, die Almudena Grandes „Der Feind meines Vaters“ oder Frank MacCourts „Die Asche meiner Mutter“ gern gelesen haben, wird dieses Buch auch begeistern.

Christine Lenhart

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