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Abwasser

Das Kanalnetz der Stadt Erlangen

 Katasterblatt

 

Wir leiten Abwässer in die richtigen Kanäle

Ohne funktionstüchtiges Kanalnetz würde das anfallende Abwasser unkontrolliert und ungereinigt an der Kläranlage vorbei in die Umwelt gelangen. Deshalb gilt dem öffentlichen Kanalnetz und seinen Sonderbauwerken unser besonderes Augenmerk, was sich auch darin ausdrückt, dass rund ein Drittel unserer Mitarbeiter im Bereich Neubau und Sanierung des Kanalnetzes und seiner Sonderbauwerke sowie im Kanalbetrieb beschäftigt sind.
Sie sind zuständig für ca. 403 km öffentliche Kanäle und für zahlreiche zusätzliche Bauwerke wie Regenüberläufe, Regenüberlauf- und -rückhaltebecken sowie Pumpwerke, mit denen Höhenunterschiede einzelner Abschnitte des Kanalsystems überwunden werden. Dabei gilt es, das Abwasser möglichst

  • ohne Energieaufwand
  • schnell
  • hygienisch
  • geruch- und geräuschlos

zur Abwasserreinigung in das Klärwerk zu leiten.

Weitere Arbeitsschwerpunkte liegen in der Erschließung von Baugebieten (z. B. im Stadtwesten und -süden) und in steigendem Maße in der Sanierung älterer Kanäle.

 

Abwasser ist nicht gleich Abwasser

Das Kanalnetz in Erlangen ist historisch bedingt überwiegend im Mischsystem ausgeführt, d.h. es transportiert nicht nur Schmutzwasser aus Wohnhäusern, Gewerbe- und Industriebetrieben, sondern auch Niederschlagswasser von befestigten Flächen, Straßen und Plätzen. Nur in der Sebaldussiedlung und in Teilbereichen von Bruck, Eltersdorf, Büchenbach und Frauenaurach wird Regenwasser in getrennten Kanälen behandelt und direkt in die Regnitz oder andere natürliche Gewässer geleitet.
Das Abwasser gelangt über den unterhalb der A73 verlegten Hauptsammler zum Klärwerk.

Zur Entlastung des Mischkanalsystems und zur Vorreinigung des Abwassers wurden Regenüberlauf- und -rückhaltebecken integriert, in denen Schwebstoffe sich absetzen können. Aus Umwelt- und Kostengründen wird in Erlangen bei Bauvorhaben die Versickerung der Niederschläge auf den Grundstücken oder deren Entsiegelung angestrebt. Ziel all dieser Maßnahmen ist, bei starken Regenfällen die Einleitung ungereinigter Abwässer über Regenüberläufe in natürliche Gewässer weitestgehend zu reduzieren.

Büchenbach modifiziertes Mischsystem

In einigen Baugebieten im Entwicklungsgebiet West in Büchenbach und in Kriegenbrunn wird in einem modifizierten Mischsystem das Regenwasser von Dach-, Hof- und Wegeflächen über Rinnen und Mulden gedrosselt den „Vorflutern“ (natürlichen Fließgewässern wie hier dem Steinforstgraben und dem Bimbach) zugeführt. „Im Kanal“ landet dann nur das häusliche Schmutzwasser sowie die von den Straßen abfließenden stärker belasteten Niederschläge.

Die jährliche Abwassermenge im Einzugsgebiet der Erlanger Kläranlage ist seit Anfang der 1990er Jahre gestiegen und pendelt seit 2000 um die 20 Mio. m³. Dies liegt an unterschiedlichen, teilweise gegenläufigen Entwicklungen. Neben den klimatischen Veränderungen wirken hier

  • eine fortschreitende Bodenversiegelung
  • die Verbesserung der Regenwasserbehandlung
  • ein trotz kontinuierlicher Kanalnetzsanierung weiterhin vorhandener Fremdwasseranteil
  • steigende Einwohnerzahlen

in Erlangen und im angeschlossenen Umland.

Das Sachgebiet Kanalbetrieb überwacht deshalb laufend das Kanalnetz und die Sonderbauwerke auf Bauzustand, Funktionsfähigkeit und Betriebssicherheit. Alle Bauten werden regelmäßig von Ablagerungen befreit und gereinigt, Entwässerungsmulden und -gräben werden gemäht und störender Bewuchs entfernt.
Zur genaueren Prüfung und Beurteilung des Kanalzustandes erfolgen im Auftrag des EBE Befahrungen mit TV-Kameras durch spezialisierte Dienstleister. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse erfolgt eine EDV-gestützte Zustandsklassifizierung, die in einem auf Geodaten basierendem Kanalinformationssystem erfasst und dokumentiert wird. Neu gebaute Kanäle werden von Anfang an auf diese Weise digital erfasst und dokumentiert.

 

Optimierung durch Investitionen 

Inliner Sanierung Innenstadt

Viele ältere Kanäle sind im Laufe von Jahrzehnten schadhaft und undicht geworden. Örtlich begrenzte Schäden reparieren wir z. B. durch Injektion selbsthärtender Kunststoffe, während größere Bereiche z. B. durch Beschichten oder Auskleiden des Kanals von innen renoviert oder auch komplett erneuert werden.
Daneben investieren wir im Kanalnetz Zug um Zug auch in modernere Technik, z. B. mit der Ablösung älterer Pumpen durch energetisch effizientere Geräte in den Pumpstationen.

 

Künstlerische Außengestaltung von Pumpstationen

an der Ebrardstraße (Oktober 2019)                                       

 

 

an der Bayernstraße (Mai 2020)

 

 

an der Wöhrmühle (November 2020)

  

                      

 

Maßnahmen zur Modernisierung erfolgreich durchgeführt

Im Jahr 2020 konnte der EBE mehrere Bauvorhaben abschließen, die die Leistungsfähigkeit der städtischen Abwasserentsorgung auch für die Zukunft sicherstellen sollen. Das bedeutendste davon war die Sanierung des Hauptsammlers, eines 2,6 km langen Kanals, der das Erlanger Abwasser sammelt und dann zur Reinigung und Aufbereitung ins Klärwerk der Stadt leitet. Über ihn fließt das verbrauchte Wasser von insgesamt rund 113.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Erlangens ab.

Die Hauptarbeiten im Rahmen der Wiederinstandsetzung erfolgten in den beiden Winterhalbjahren seit Ende 2018. Da der Hauptsammler teilweise unter der Autobahn A73 verläuft, musste während dieser Zeit deren Mittelstreifen aufgebaggert werden, um für die Wiederinstandsetzungsmaßnahmen ausreichend Zugang zum Kanal zu erhalten. Dies führte dazu, dass es dabei auf der A73 immer wieder zu kleineren verkehrstechnischen Einschränkungen kam. Um den erhöhten Reiseverkehr während der Sommerferien nicht zu behindern, wurden die Arbeiten 2019 in den Sommermonaten unterbrochen. Im Oktober 2020 konnten nun auch die letzten der im Zuge der Sanierung durchzuführenden Aufgaben abgeschlossen werden.

23.11.2020
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