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Kunstmuseum – Ausstellungsarchiv

Christine Colditz – Malerei

Ausstellung im Kunstmuseum Erlangen

25. Juni 23. Juli 2006

Thematisch widmet Christine Colditz sich der Farbe und ihrer immanenten Bewegung. So wie sich alles auf der Erde bewegt — denn es existiert nirgendwo ein Ruhepol – so bewegt sich die Farbe auf ihren Bildern. Die Künstlerin ist die Lenkerin der Bewegung ihrer Farben, die sich „in direkter Relation zum Bewegen und Lenken im Denken“ (Prof. Tim Scott) befinden. Die Farben können diverse Bedeutungsebenen besitzen, eine Vorgabe macht Colditz nicht. Sie selbst vergleicht ihre Werke mit Phänomenen. Ohne weiteres darf man ihr Freude an Farben unterstellen, denn die Gemälde haben als primären Inhalt das Thema „Farbe“. Farbe steht hier für sich selbst.

Um Christine Colditz' Werke verstehen zu können, ist es notwendig den Hintergrund des Schaffens der Künstlerin zu kennen und zu wissen, dass das Fundament ihrer Aussage der Leib des Menschen ist in seiner Ganzheit. Aus großformatigen subtilen Zeichnungen des Körpers der Frau aus den 70er Jahren, in denen sie Fragestellungen ihres eigenen Daseins erarbeitete, erwuchsen großformatige Skulpturen aus Stein. Es folgten Pastelle, in denen schon damals ihr Augenmerk auf Farbe und gleichzeitiger Bewegung lag. Immer mehr öffnete Colditz sich für das Entfernen vom Gegenständlichen, vom Figurativen, ohne das Fundament ihrer Sehweise zu verlassen: Im Kernpunkt steht bis heute der Körper des Menschen in seiner Bedeutung als Gesamtes.

Die Gemälde bilden nichts Gegenständliches ab, sie sind nicht in der Tradition von Malerei als Illusion zu sehen. Expressive Anmutungen sind wider Erwarten nicht werkimmanent. Durch das Auftragen der zum Teil immens pastosen, mit Sand oder Stroh durchmischten Farben per bloße Hand, macht uns Christine Colditz ihre Malerei als Handlung erfahrbar. Bewegung und Rhythmik transferieren die Aussage zum Betrachter, der sich für den Zustand öffnen soll. Die Oberflächen, die Bewegungskürzel, die Farbwirbel, die mehr oder weniger stark aufgetragenen Farben zeigen prozessual Handlungen, die ungeplant entstehen.

Und gerade das nicht Konstruierte ist es, was diese Gemälde dazu macht unseren Sehsinn in einer ganz ungewohnten Art zu schärfen, denn das Sehen ist uns durch die mediale Pseudorealität gänzlich fremd geworden. Was tun mit Gemälden, die uns nicht das Gewohnte präsentieren, keine zeitgemäße Gesellschaftskritik ausüben, keine schönen real existierenden Landschaften zitieren, keine gefälligen Häppchen uns hinwerfen?

Diese Gemälde treten auf uns zu, treten aus ihrem traditionellen Malgrund heraus und fordern von uns, dass wir sie selbst dechiffrieren, sie annehmen, und hinnehmen, dass sie eben so sind, wie sie sind, nämlich ein Teil des großen Ganzen.

Die Künstlerin als Schaffende der Werke lässt diese Prozesse in ihrem Tun unmittelbar zu und gibt sie uns, den Betrachtern weiter.

(aus der Eröffnungsrede von Barbara Leicht M. A. am 25. Juni)


Rahmenprogramm:

Donnerstag, 20. Juli, 18 Uhr
Werkstattgespräch mit Christine Colditz
Moderation: Barbara Leicht, Kuratorin

Kunstworkshop für Kinder am Freitag, 21. Juli um 15 Uhr
mit Kathi Poetzsch-Meinhardt
Teilnahmegebühr: 6 €
Anmeldung erbeten bis 17. Juli unter Tel. 09131 / 72 59 90

 

08.09.2013
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