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Kunstmuseum – Ausstellungsarchiv

in memoriam Inge Meidinger-Geise (1923 – 2007)

Ausstellung im Kunstmuseum Erlangen

27. Dezember 2008 — 6. Januar 2009

In der Reihe „ in memoriam“ – traditionsgemäß „zwischen den Jahren“ – ist nun nach dem Buchhändler-Ehepaar Heinz und Margot Redmann (2005), dem Galeristen Hartmut (Max) Beck (2006) und dem Bildhauer und Graphiker Lothar Strauch (2007) die Schriftstellerin Inge Meidinger-Geise an der Reihe.

Weshalb ist es richtig und reizvoll, an IMG zu erinnern?

Zum einen, ganz pragmatisch, weil sie unendlich viele Bücher hinterlassen hat, die nun darauf warten, mitgenommen und gelesen zu werden.

Zum zweiten, weil sie, wie die kleine Ausstellung zeigt, nicht nur eine eminent produktive Romanautorin, Lyrikerin, Essayistin und Literaturkritikerin war, sondern auch eine ernstzunehmende Literaturwissenschaftlerin (nicht nur als promovierte Germanistin!) und eine ethischen, religiösen und politischen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossene zeitgenossenschaftliche Intellektuelle.

Ihr lebenslanger kreativer Umgang mit bildenden Künstlern und mit Kunstwerken spiegelt sich ein wenig an den Wänden der  Ausstellungsräume wider, verbunden mit dem Versuch, eine Art familiäres Umfeld (die Eulen-Sammlung und die unausgepackten Taschen!) in den Räumen der ehemaligen Beletage des Loewenichschen Palais’ herzustellen.

Leider kann die Ausstellung IMGs preußische Nüchternheit, gepaart mit Mutterwitz und Erzählertalent ebensowenig lebendig vermitteln wie ihre kommunikative Kompetenz im Literaturbetrieb, also bei Lesungen, Tagungen, Anthologien, Rundfunkbeiträgen.

In ihrem Literaturbetrieb waren der Suizid ihres Mannes Konrad Meidinger 1979 und die ab ca. 2005 zunehmende Pflegebedürftigkeit und Einsamkeit leidvolle Erfahrungen, aber ihren Lebensmut und ihre Sprachgewandtheit haben sie nicht nennenswert lädiert.

Was wissen wir vom Leben der Schriftstellerin?

Inge Meidinger-Geise hat ab ca. 1946/47 (Veröffentlichungen in der Uni-Zeitschrift „Die Erlanger Universität”) bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts in Erlangen, wenn nicht den Ton in Sachen Literatur angegeben, so doch die literarische Szene unübersehbar mitgestaltet.

Geboren wurde sie am 16. März 1923 in Berlin. Als einziges Kind ihrer Eltern – eines sehr musikalischen Kaufmannes und einer begnadeten Erzählerin – erhielt sie alle nur denkbare Förderung ihrer musischen Neigungen. Die Familie des Vaters war in Ost-und Westpreußen zuhause, die der Mutter hatte hessische und französische Wurzeln.
 
1941 begann IMG ihr Studium der Germanistik und Geschichte in Berlin, floh aber dann 1943 vor dem Bombenkrieg nach Erlangen, wo ihre Tante lebte. Hier in der Scheinidylle der vom Kriegsgeschehen weitgehend verschonten fränkischen Universitätsstadt setzte sie ihr Studium fort und beendete es 1955 mit einer Promotion über „Agnes Miegel und Ostpreußen”. Zeitgleich erschienen ihr erster Gedichtband „Helle Nacht” und ihre erste Erzählung „Die Mondbude”. In Erlangen lernte sie auch ihren Mann kennen, Dr. Konrad Meidinger, einen vielbelesenen Juristen, selber Autor und Mitgründer der Zeitschrift „Die Erlanger Universität”, mit dem sie 1946 die Ehe schloss.

IMG blieb in Erlangen ansässig. Hier wuchs sie zur Schriftstellerin heran und etablierte sich als Autorin von Romanen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Hörspielen und Bühnenstücken. Nebenbei engagierte sie sich in zahlreichen literarischen Verbänden (u.a. Verband Fränkischer Schriftsteller, Neue Gesellschaft für Literatur, Europäische Vereinigung Die Kogge, P.E.N.) und als Jurymitglied. Von 1980 bis 1988 war sie als wissenschaftliche Fachkraft für Literatur im Kulturreferat der Stadt Erlangen tätig.

Am 10. Oktober 2007 ist Inge Meidinger-Geise mit 84 Jahren gestorben.

Zahlreich sind ihre Auszeichnungen (Auswahl):

1956 Willibald Pirckheimer-Medaille Nürnberg
1972 Kunstpreis der Stadt Erlangen
1973 Kogge-Ehrenring der Stadt Minden/Westfalen
1979 Max Dauthendey-Plakette, Würzburg
1985 Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland
1988 Wolfram von Eschenbach-Preis des Bezirks Mittelfranken
1993 Prof. Eduard Rühl-Medaille des Kunstvereins Erlangen
1999 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland

Jürgen Sandweg

 

08.09.2013
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