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Kunstmuseum – Ausstellungsarchiv

in memoriam Helmut Haunstein (1928 – 2006)
Bildhauer und Zeichner

Ausstellung im Kunstmuseum Erlangen

26. Dezember 2013 – 6. Januar 2014

AusstellungsplakatDie neunte „in memoriam“-Ausstellung des Kunstmuseums ist dem Erlanger Künstler Helmut Haunstein gewidmet. Er war der Experimentator unter den Erlanger Künstlern der 60er und 70er Jahre. Verdient gemacht hat er sich zudem als Motor der Ateliergemeinschaft „Thalerei“, die, obwohl nur von 1965 bis 1969 existent, damals der erste feste Hort für zeitgenössische Kunst in Erlangen war.

Der Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine thematisch geordnete Übersicht über sein zeichnerisches Werk. Die plastischen Arbeiten sind auf wenige Objekte konzentriert, die aber im Kontext mit Konzepten und Entwürfen dokumentuert sind. Ein gesonderter Raum vermittelt so einen Einblick in Haunsteins kontinuierliche Arbeit an einem bildhauerischen Konzept. 

Biographie & Würdigung:
Helmut Haunstein wurde 1928 in Erlangen geboren und starb 2006 in Heßdorf. Seine Erfahrungen als 16-jähriger Luftwaffenhelfer in Oberschlesien, der Einmarsch der Roten Armee und die Flucht in den Westen 1945 haben sein späteres künstlerisches Schaffen seit Ende der 50er Jahre nachhaltig geprägt. 1948 bis 1952 lernte er Technischer Zeichner an der Berufsoberschule Erlangen und übte den Beruf bis 1988 bei den Erlanger Stadtwerken aus.

Helmut Haunstein entwickelte sein künstlerisches Talent von 1958 bis 1963 als Schüler des Erlanger Bildhauers Hans Gügel. Ausgehend von figürlichen Arbeiten in Ton, entdeckte er das fast ausgestorbene Relief, dessen bewegte Bilderzählungen experimentell mit eingebauten Materialien zur Assemblage erweitert wurden. Für das Motiv der bewegten Einzelfigur fand er eine adäquate  Technik im Schneiden, Biegen und Schmieden von dicken Eisenblechen. Neben figürlichen entstanden in den 60er Jahren zeitgleich abstrakt-konstruktive Arbeiten und schließlich Experimente mit plastischen Rasterkonstruktionen aus industriell vorgefertigten Formteilen.

Das zeichnerische Werk hat Haunstein immer nur als Nebenarbeit betrachtet, weshalb es erst bei der Aufarbeitung seines Nachlasses in seiner Bedeutung sichtbar geworden ist. Als Bildhauer nutzte er die Zeichnung nicht nur als Ideenskizze, sondern für die konstruktive Entwicklungsarbeit der bewegten Figur. Bei weitem die meisten Zeichnungen kommen aber ohne solche Zweckbindung aus. Die Skizze erscheint in diesen Arbeiten als eigenständige Kunstform. Schnelligkeit und Unmittelbarkeit bestimmen nicht nur die technische Herstellung, sondern auch die Wahrnehmung des Motivs. Dass Skizze keine Korrektur duldet, ist Formprinzip: Haunstein zeichnet nicht nur mit Pinsel und Stift, sondern mit Tuschpatrone und Allesklebertube und experimentiert mit Drucktechniken wie Styropor.

In seinen Zeichnungen beschwört Haunstein seine fränkischen Wurzeln in Form einer mythischen Ethnologie. Die altfränkische Nostalgie kommt darin nicht vor, vielmehr erscheint eine von Gier und Gewalt getriebene Gegenwart des Vergangenen. Bis zu seinem Lebensende hat er an einem Tagebuch gearbeitet, einem Bilderwerk aus Texten, Zeichnung, Malerei und Collage, das zu einem aus Tausenden von Einzelbildern zusammengesetzten Korpus von Blättern im DIN A4-Format führte: eine private Mythologie, die – in sieben Ordnern gesammelt – im Kunstmuseum aufbewahrt wird.

Kurt Jauslin

Öffnungszeiten: täglich 11 – 16 Uhr

07.04.2014
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