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Informationen

Blickpunkt Stadtgeschichte

Erlangen hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, die nur teilweise im heutigen Stadtbild wiederzufinden ist, sein Selbstverständnis aber entscheidend geprägt hat. Schon sehr früh wurde das Regnitztal rund um Erlangen als Durchgangsweg von Norden nach Süden genutzt. Aus den wenigen archäologischen Funden lässt sich eine stärkere Besiedelung aber erst ab etwa 2000 v. Chr. ableiten, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Böden relativ karg sind.

Von der „villa Erlangon“ bis zum Dreißigjährigen Krieg

Eine erste urkundliche Erwähnung Erlangens als „villa Erlangon“ (Dorf Erlangen) stammt aus einer Urkunde aus dem Jahr 1002. In dieser bestätigte Heinrich II. die Schenkung des Kirchenguts Forchheim an das Stift Haug zu Würzburg, die Kaiser Otto II. im Jahr 976 vorgenommen hatte. Daneben schenkte Heinrich II. noch zwei Meilenquadrate nördlich und südlich der Schwabach. Das Dorf Erlangen muss von dieser Fläche räumlich getrennt gewesen sein, da die zusätzliche Schenkung sonst wohl nicht erwähnt wäre. Es ist anzunehmen, dass aus dem Dorf Erlangen das heutige Alterlangen hervorgegangen ist. Das geschenkte Gebiet umfasste die Fläche, auf der sich heute die ältesten Teile der Erlanger Altstadt befinden. Vermutlich war dort eine Siedlung im Entstehen, die durch die Schenkung legitimiert wurde.

Der Aufschwung Nürnbergs zu einer europäischen Handelsmetropole wirkte sich auch auf den Verlauf der Straßen und die Entwicklung der umliegenden Ortschaften aus. Die Tochtersiedlung des alten Erlangen florierte, so dass sie ab 1348 als „Großenerlang“ in den Quellen zu finden ist. In diese Zeit fällt auch die Gründung der ersten Erlanger Pfarrei. Die bis dahin zur Forchheimer St.Martins-Kirche gehörige Marienkapelle wird separiert und zur Pfarrkirche erhoben. Das ursprüngliche Dorf Erlangen stagnierte und wurde ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in der Konsequenz Alterlang, Kleinerlang oder Wenigenerlang genannt. Über die genaue Geschichte Erlangens zwischen seiner ersten urkundlichen Erwähnung und dem Jahr 1361 lassen sich auf Grund der schlechten schriftlichen Überlieferung nur wenige Rückschlüsse ziehen. Die Muttersiedlung Alterlangen schlug durch ihre erst im 15. Jahrhundert belegte Zuordnung zum Sprengel der Pfarrei Büchenbach und später durch die Reformation bis zur Eingemeindung nach Erlangen im Jahr 1920 einen eigenen Weg ein.

„Großenerlang“ dagegen erlebte 1361 einen ersten geschichtlichen Höhepunkt als es von Kaiser Karl IV. erworben (es gehörte bis dahin dem Bischof von Bamberg) und zum Lehen des Königreichs Böhmen wurde. 1374 erhielt der Ort durch König Wenzel Marktrecht sowie eine eigene Münze, 1398 das Stadtrecht. In dieser Zeit wurde wohl auch die Erlanger Burg errichtet, um eine Verwaltung des erworbenen Gebietes zu gewährleisten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört, ihre Ruinen blieben aber noch etwa 150 Jahre bestehen. Erst als sie immer mehr verfiel, wurde sie 1783/84 endgültig abgetragen. Ihre genaue Lage zwischen Fuchsengarten und Martinsbühler Straße konnte erst 1981 ermittelt werden, als man bei Ausschachtungsarbeiten auf Überreste des Brunnens stieß.

1402 gelangte die Stadt als Teil des Fürstentums Kulmbach (ab 1604 Fürstentum Bayreuth) an die Hohenzollern. 1528 schloss sich das gesamte Markgrafentum der Reformation an – Erlangen wurde protestantisch.

Die Geschichte Erlangens mit Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit ist insgesamt von vielen Heimsuchungen und Katastrophen geprägt. So fielen 1430 möglicherweise die Hussiten in die Stadt ein. Bis auf den Verlust einer Ausführung des Stadtrechts sind von diesem Vorfall aber keine weiteren Schäden bekannt. In den beiden Markgrafenkriegen 1449 und 1553 wurde Erlangen von Nürnberger Soldaten geplündert und niedergebrannt. Im Dreißigjährigen Krieg erfuhr Erlangen schließlich die verheerendste Zerstörung als es 1632 bis auf 16 Häuser vollständig niedergebrannt wurde.

Die Gründung der Neustadt

Der Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg, der die Stadt materiell und wirtschaftlich in Mitleidenschaft gezogen hatte, gelang nur mühsam. Dies änderte sich, als der katholische König Ludwig XIV. von Frankreich das seit 1598 währende Edikt von Nantes, welches den protestantischen Hugenotten Glaubensfreiheit gewährt hatte, 1685 aufhob. In der Folge setzte eine enorme Flüchtlingsbewegung ein, in der sich die Hugenotten in viele Gegenden Europas verteilten. Der Markgraf Christian Ernst nutzte diese Situation, um die Wirtschaft im Markgrafentum und somit auch in Erlangen anzukurbeln und gewährte den Flüchtlingen das Recht auf Ansiedlung. Vom 17. Mai 1686 an, als die ersten Hugenotten in der Stadt eintrafen, siedelten sich im Laufe der Zeit nach und nach etwa 1500 Flüchtlinge an. Da Erlangen aber nicht viel größer als ein heutiges Dorf war und einem solchen Bevölkerungswachstum nicht standhalten konnte, wurden die Hugenotten zunächst auch in den umliegenden Orten untergebracht.

Im Vertrauen auf die wirtschaftlichen Leistungen der neuen Bewohner ließ der Markgraf eine nach idealen Gesichtspunkten angelegte Planstadt entwerfen. Der Baubeginn erfolgte am 14. Juli.1686 mit der Grundsteinlegung für die Hugenottenkirche. Abgeschlossen wurde das Projekt mit dem Bau des markgräflichen Schlosses, dem Schlossgarten und den dazugehörigen Nebengebäuden infolge wirtschaftlicher Stagnation aber erst Mitte des 18. Jahrhunderts. Als 1706 das mittelalterliche Erscheinungsbild der Altstadt durch einen Großbrand fast völlig vernichtet wurde, ergab sich die Gelegenheit, den barocken Entwurf der Neustadt zu übertragen und ein städtebauliches Gesamtkonzept zu schaffen.

Neben den Hugenotten kamen im 17. Jahrhundert auch andere Glaubensflüchtlinge (Lutheraner, Deutsch-Reformierte) und Siedler nach Erlangen, so dass die Franzosen schon bald in der Minderheit waren. Ihre französische Prägung nahm immer weiter ab, bis sie sich vollständig angepasst hatten und 1822 der letzte Gottesdienst in französischer Sprache in der Hugenottenkirche stattfand. Aus diesen für die Erlanger Geschichte sehr prägenden Ereignissen ist eine besondere Sensibilität für den Umgang mit Fremden und Minderheiten hervorgegangen und die Entschlossenheit, auf solche Gruppen zuzugehen und sie in ihrer Existenz und ihren Rechten anzuerkennen. Für diese Haltung steht heute das Stadtsignet „Offen aus Tradition“.

Erlangen im Königreich Bayern

1792 gelangte Erlangen mit den beiden Markgraftümern Bayreuth und Ansbach an das Königreich Preußen, da der Markgraf Alexander am 02.12.1791 abgedankt hatte. Als am 29.06.1806 allerdings die napoleonischen Truppen in Erlangen einmarschierten und Preußen besiegt war, kam die Stadt mitsamt dem Fürstentum Bayreuth für vier Jahre unter französische Herrschaft. Für Erlangen war dies jedoch nicht nur ein bloßer Machtwechsel: es hatte auch mit den schwerwiegenden Folgen des Krieges zu kämpfen und musste hohe Abgaben an Napoleons Kaiserreich zahlen. Es profitierte aber auch von den neuen Verhältnissen. So wurde die Weiterführung der Universität gestatte und konnte weiter ausgebaut werden. Der Übergang an Bayern 1810 wurde in Erlangen dennoch begrüßt.

1812 wurden die Alt- und Neustadt (bis dahin Christian-Erlang genannt) zu einer Gesamtstadt vereinigt. In der Folgezeit baute man vor allem die Infrastruktur aus, Eisenbahnverbindungen entstanden und als Großprojekt der Ludwig-Donau-Main-Kanal, der sich aber langfristig als unrentabel erwies. Neue Impulse für die Entwicklung erhielt die Stadt ab 1868 außerdem durch neu gegründete Kasernen, die Erlangen zur Garnisonsstadt machten, und durch die florierende Universität.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Der Erste Weltkrieg prägte Erlangen vor allem als Lazerettstadt. Er hatte aber auch personelle Folgen, da die beiden Regimenter etwa 3000 Gefallene zu beklagen hatte.. Als mit der Revolution, die 1918 von München ausging, die Monarchie verschwand, wurden die Sozialdemokraten die stärkste Kraft in der Stadt. Doch die Reparationszahlungen, die Inflation und schließlich die Wirtschaftskrise ließen auch in Erlangen die rechten Parteien immer mehr an Zuspruch gewinnen. Durch die stark vertretene Industrie konnte sich die SPD zwar relativ lange bei einer stabilen Mehrheit von etwa 40% halten, doch die akademisch geprägte Mittelschicht sorgte schon 1924 dafür, dass die NSDAP im Stadtrat vertreten war. Ab 1929 beherrschte sie als erste innerhalb der deutschen Hochschullandschaft die Studentenvertretung an der Friedrich-Alexander-Universität.

Erlangen im Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung wurden auch in Erlangen jüdische Geschäfte boykottiert und Bücher verbrannt. Wie in vielen Städten erhielt auch hier die Hauptstraße den Namen Adolf-Hitler-Straße; ebenso wurden in der Reichskristallnacht jüdische Familien erniedrigt, ausgeplündert und verschleppt, um 1944 schließlich verkünden zu können, dass die Stadt nun vermeintlich endlich „judenfrei“ sei.

Vor allem in der akademischen Gemeinschaft erfuhr die NSDAP einen starken Rückhalt, aktiver Widerstand hingegen war kaum zu spüren. In der Heil- und Pflegeanstalt wurden Zwangsterilisationen vorgenommen und Kranke für das „Euthanasie“-Programm ausgesondert. Wie allgemein üblich wurden auch in den Erlanger Rüstungsbetrieben die fehlenden männlichen Arbeiter durch Zwangsarbeiter ersetzt und zwar in so hoher Zahl, dass sie 1944 10% der Erlanger Bevölkerung ausmachten.

Bis auf zwei Luftangriffe 1942/43 auf Siedlungen am Stadtrand überstand Erlangen den Zweiten Weltkrieg völlig unbeschadet. Als die Alliierten die Stadt am 16.04.1945 besetzten, entschied sich der örtliche Kommandant der deutschen Truppen, Oberstleutnant Werner Lorleberg, die völlig überfüllte Stadt kampflos zu übergeben und ersparte ihr damit das Schicksal vieler deutscher Städte in den letzten Tagen und Stunden des Krieges.

Erlangen in der Nachkriegszeit

Die Nachkriegsjahre waren geprägt von einer Mischung aus autoritärer Tradition, demokratischer Besinnung und dem Willen zum Neuanfang. Dabei wachte die amerikanische Militärregierung über das Geschehen.

Bei der ersten kommunalen Wahl erhielt die SPD die absolute Mehrheit, so dass unter dem Oberbürgermeister Michael Poeschke vor allem der soziale Wohnungsbau, das Schulwesen und die Universität wieder einen Aufschwung erlebten.

Die einschneidendste Veränderung erfuhr Erlangen durch die Umsiedlung der Siemens-Schuckert-Werke aus Berlin. Siemens war im Bereich der medizintechnischen Fertigung zwar schon vorher hier tätig, die Zentrale sollte nun aber zumindest vorläufig aus dem völlig zerstörten Berlin ausgelagert werden, um den Wiederaufbau des Betriebs zu organisieren. Die große Zahl an Mitarbeitern, die nun zusätzlich zu den Flüchtlingen in die Stadt drängten, führte dazu, dass sich Erlangens Bevölkerung bereits 1960 von 30.000 auf 60.000 Einwohner verdoppelt hatte. Mit der Geburt des hunderttausendsten Einwohners 1974 war Erlangen dann in Rekordzeit zur Großstadt geworden. Um Siemens langfristig an die kleine Stadt zu binden, bot man dem Konzern ein Baugrundstück an der Sieboldstraße an. Auf der zeitweise größten Baustelle Süddeutschlands entstand dort bis 1953 der Himbeerpalast. Seitdem prägen die im Laufe der Jahre expandierenden Gebäude der Siemens AG das Stadtbild von Erlangen.

Erlangen heute

Heute ist Erlangen von drei Faktoren geprägt: der Universität, die mit über 20.000 Studenten einen großen Teil der Bevölkerung Erlangens ausmacht; der Siemens AG, die Erlangen zu einem starken Wirtschaftsstandort gemacht hat; und von Erlangen als Medizinstadt, wo Innovation und Erfindungsreichtum die Forschung vorantreiben. Doch fernab von all dieser Technik und Moderne atmet Erlangen an manchen Stellen noch immer die Luft einer kleinen beschaulichen Universitätsstadt.

 

Daten und Fakten

  • 105.514 Einwohner (Stand: 2011)
  • Fläche: 76,95 km2 (Stand: 2009)
  • Arbeitslosenquote: 4,4% (Stand: 2009)
  • Sehr viele Gründflächen, darunter 2 Naturschutzgebiete und 21 Landschaftsschutzgebiete
04.01.2012
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