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Berichte

Reise in die alte Heimat

Karin Günther, die umtriebige Vorsitzende der Erlanger Fotoamateure (EFA), ist in Komotau geboren und hat gestern erst erfahren, in welcher Kirche sie getauft wurde. Vor zwei Jahren war sie schon einmal bei jener Bürgerreise dabei, die anläßlich des sechzigjährigen Jubiläums der Patenschaft Erlangens über die Heimatgemeinde Brüx / Most auch nach Chomutov geführt hatte. Damals kam ihr spontan die Idee, eine Ausstellung in ihrer Geburtstadt zu machen, und schon wenige Wochen später kam es tatsächlich zur ersten Ausstellung einer Erlanger Künstlerin in Komotau. Doch damit gab sich die Bildgeberin der Internationalen Kontakte Erlangens nicht zufrieden. Sie verhandelte mit Museumsdirektor Stanislav Děd eine weitere Ausstellung über Erlangen unter Teilnahme auch anderer Mitglieder der EFA, die am heutigen Sonntag eröffnet wurde. Und für den Herbst ist bereits eine Ausstellung von zwei Künstlern aus Chomutov in Erlangen geplant.

     Ausstellung von FA (2)

Am gestrigen Abend kamen bei einer Kennenlernveranstaltung weitere Planungen in Gang. In den Bereichen Choreographie und Museumspädagogik könnte es bald zu einer konkreten Zusammenarbeit kommen, wie die mitgereisten Ursula Lanig, Stadträtin, und Georg Gebhard vom Stadtverband Kultur überzeugt sind. Ebenfalls im Herbst könnten die Gespräche vertieft werden – in Erlangen und Chomutov.

      Ausstellung von FA (2) in Komotau

Eine weitere Verbindung tut sich während der Vernissage auf, die ein wenig mehr heimische Gäste verdient hätte: Es gibt in Chomutov eine deutsche Minderheit, etwa sechshundertköpfig, in der Region um die 2.000. Ein Kulturtreff in der Stadt sorgt für Austausch untereinander und bietet sich für künftige Begegnungen auch mit Gästen aus Erlangen an.

       Ausstellung von FA (3) in Komotau

Doch zunächst lädt Erlangen, genauer die Heimatgemeinde Komotau, zum Bundestreffen der Vertriebenen ein. Am 17. und 18. September werden Erinnerungen an die alte Heimat ausgetauscht und sicher auch Zeichen der Verständigung in Richtung des modernen Chomutov ausgesandt. Ganz im Geist Erlangens: Offen aus Tradition.

      Ausstellung von FA (4) in Komotau

Peter Steger, in der Stadtverwaltung zuständig für die Betreuung der Heimatgemeinden Brüx / Komotau, durfte ein Grußwort sprechen, in tschechischer Sprache als Referenz an die Gastgeber.

Ausstellung von FA (5) in Komotau

Der deutsche Wortlaut ist hier nachzulesen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

da, wo Menschen Familienbilder austauschen, ist kein Platz mehr für Feindbilder. Wir sind heute hier in Komotau zusammengekommen, um uns voneinander ein Bild zu machen, um einander kennenzulernen, um einander zu verstehen und um Freunde zu werden.

Die Geschichte hat unsere Städte eng verbunden. Komotau war vor dem Krieg von Deutschen und ihrer Kultur geprägt. Nach dem Sieg der Alliierten über das Dritte Reich mußte die deutsche Bevölkerung ihre Heimat verlassen und sich in der Fremde niederlassen. Viele fanden eine neue Heimat in Bayern. Es ist jetzt 60 Jahre her, daß Erlangen eine Patenschaft über die Heimatvertriebenen aus Komotau übernommen hat. Wir wollen dieses Jubiläum im September feiern.

Ausstellung von FA (6) in Komotau

Aber wir haben ja heute schon eine kleine Vorfeier hier in Komotau. Bilder aus Erlangen für Komotau werden gezeigt. Die Veranstaltung ist nicht zufällig entstanden, sie hat eine Vorgeschichte, die am besten Karin Günther erzählen kann, die selbst in Komotau geboren wurde. Zu dieser Geschichte gehört übrigens auch, daß im Herbst zwei Künstler aus Komotau in Erlangen ihre Photographien zeigen werden.

Ich will die heutige Veranstaltung gern in einen größeren Rahmen stellen. Vor einem Monat war ich zum 70. Jahrestag des Überfalls von Hitlerdeutschland auf die Sowjetunion in der Partnerstadt Wladimir – zusammen mit einem Veteranen aus Erlangen, dem man dort in der Gefangenschaft das Leben gerettet hat. Die Begegnungen standen alle unter dem Motto: Wir wollen einander die Schuld nicht mehr aufrechnen. Der Gast aus Erlangen hat gemeinsam mit den früheren Feinden einen Friedensbaum gepflanzt und Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten niedergelegt.

Ausstellung von FA (7) in Komotau

Dieses Erlebnis macht mir Hoffnung auch für das deutsch-tschechische Verhältnis. Wir wissen alle: Trotz der Europäischen Einigung ist in der Versöhnung zwischen unseren Völkern noch viel zu leisten. Auf beiden Seiten. Dabei sind wir kleine Bürger an der Basis meist aktiver als die großen Politiker oder Meinungsmacher. Versöhnung kann man nicht verordnen, man muß ihr Zeit zur Entwicklung geben. Zeit und Gelegenheit.

Ausstellung von FA (8) in Komotau

Unser Besuch hier mit fast 50 Erlangern und diese Ausstellung bieten diese Gelegenheit. Wir sollten sie ergreifen und das Beste daraus machen für unsere Städte und Völker. Ich freue mich besonders darüber, daß auch unsere Kommunalpolitik diese Gelegenheit nutzt und danke Stadträtin Ursula Lanig sowie Ingrid Kiesewetter und Georg Gebhard für ihre Teilnahme.

Ich danke ganz besonders Stanislav Děd, der die Verbindung zu den Heimatvertriebenen seit Jahren so umsichtig und klug unterhält und ohne den diese Begegnungen wohl nicht zustande gekommen wären. Danken möchte ich aber auch Peter Wesselowsky, dem Obmann der Heimatgemeinde Brüx, der wieder einmal die so unterhaltsam-lehrreiche Führung der Gruppe übernommen hat. Mein besonderer Dank gilt dem Stadtverband Kultur unter Leitung von Karl Heinz Lindner, der die Anregung von Karin Günther aufgenommen und die Reise in bewährter Weise vorbereitet und geplant hat. Nicht vergessen will ich bei meinem Dank Hedwig Gemmrig, die Vorsitzende der Heimatgemeinde Komotau. Sie gehört einer Generation an, die am eigenen Leib die Folgen des Krieges und der Vertreibung hat erleiden müssen, die aber dennoch die Hand zur Verständigung reicht und im Geist der Völkerfreundschaft in ihre alte Heimat zurückkommt. Ohne ihr Zutun wäre auch der so gute Kontakt zu Stanislav Děd nicht möglich geworden. Und dann ist da schließlich noch Karin Günther mit ihren Freunden von den Erlanger Fotoamateuren, die am besten ihre Bilder für sich sprechen lassen. Bilder, die uns, wie ich eingangs sagte, hoffentlich zu Freunden machen.

Fotoamateure in Komotau

Ich wünsche der Ausstellung den verdienten Erfolg und danke allen Organisatoren.

Peter Steger, 17.07.2011

21.11.2011
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