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Cumiana

Hochrangige Erlanger Delegation zu Gedenkveranstaltung in Cumiana

Cumiana-Delegation mit BM Ajelli

Vom 5. bis 8. April 2013 reiste wie jedes Jahr eine Erlanger Delegation in die piemontesische Freundschaftsstadt Cumiana, um dort an den offiziellen Gedenkfeiern anlässlich des Massakers vom 3. April 1944 teilzunehmen. 51 unschuldige Geiseln waren dabei durch ein SS-Kommando – sehr wahrscheinlich unter dem Befehl eines späteren Erlanger Bürgers – erschossen worden. Die Gemeinde Cumiana gedenkt dieser tragischen Ereignisse jährlich mit einem Gedenkzug, einer Gedenkmesse und einem Gedenkakt, an dem auch politische Vertreterinnen und Vertreter der Nachbargemeinden, der Provinz und der Region teilnehmen. Dieses Jahr jährte sich der Jahrestag des Massakers zum 69. Mal.
Bereits seit über zehn Jahren nimmt regelmäßig auch eine Delegation aus Erlangen an dem Gedenken teil, ist doch aus der tragischen historischen Verbindung inzwischen eine überaus lebendige Freundschaft zwischen Erlangen und der piemontesischen Gemeinde am Fuß der Alpen entstanden. Auf Einladung von Bürgermeister Dr. Ettore Ajelli besuchte dieses Jahr zusammen mit der Erlanger Delegation auch der Bayerische Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, die Stadt Cumiana. Die Stadt Erlangen wurde durch Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und Stadträtin Gabriele Kopper vertreten. Mit Isa Paape vom Erlanger Bündnis für den Frieden, Giuseppe Andolina vom Italienisch-Deutschen Verein sowie Vertretern der DAV Sektion Erlangen und der Erlanger Fotoamateure waren darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter der am aktivsten an der Städtefreundschaft beteiligten Erlanger Vereine anwesend.
Auch der stellvertretende deutsche Generalkonsul aus Mailand, Dr. Bernhard Hauer wohnte den Gedenkfeierlichkeiten bei.

Kranzniederlegung Herrmann

Staatsminister Herrmann, Bürgermeisterin Aßmus und Isa Paape für das Erlanger Friedensbündis richteten sich im Rahmen des Gedenkaktes am Sonntag, 7. April mit Grußworten an die Gastgeber in Cumiana:

Staatsminister Herrmann: "Ich verspüre Trauer und Beschämung, wenn ich daran denke, zu welcher Unmenschlichkeit Deutsche – vermutlich unter dem Kommando eines Erlangers – in der Lage waren. Die 51 Toten, das Leid der Familien und Überlebenden, die Zerstörung und Plünderung Cumianas und die unvorstellbaren Grausamkeiten der unter deutschem Kommando stehenden SS-Leute sind auch heute nicht vergessen." Umso bemerkenswerter sei es, dass Cumiana der Stadt Erlangen trotz dieser schweren Bürde die Hand zur Versöhnung, zur Brüderlichkeit und zur Freundschaft gereicht habe. Die Bereitschaft, den Gedenktag der schmerzlichen Erinnerung gemeinsam zu feiern, beweise Großmut. Herrmann: "Seit über einem Jahrzehnt verbindet die Städte Cumiana und Erlangen aber nicht nur die Erinnerung an das furchtbare Verbrechen, sondern auch eine starke und lebendige Partnerschaft. Das ist genau der richtige Weg, die Zukunft eines versöhnten und in Frieden und Freundschaft verbundenen Europas zu sichern. Die Freundschaft zwischen Cumiana und Erlangen gibt hier Zuversicht und macht Versöhnung möglich." 

Bürgermeisterin Aßmus betonte in ihrem Grußwort einerseits die Verantwortung, die Wut und den Schmerz, die Erlangen gegenüber den Ereignissen empfinde, andererseits aber auch die Verbundenheit und Freundschaft, die durch die Teilnahme an den Gedenkfeiern ausgedrückt werde:
„Als Ausdruck unserer Verbundenheit haben wir im Erlanger Rathaus bereits am 3. April an der Gedenktafel vor unserem Ratssaal einen Kranz niedergelegt. Damit und mit unserer heutigen Teilnahme an dieser Gedenkfeier möchten wir Ihnen zeigen: Als Deutsche […] übernehmen wir Verantwortung für das Geschehene. Wir können die Vergangenheit unseres Landes nicht leugnen, wir stehen für die grausamen Taten unserer Väter ein. Als Nachbarn im geeinten Europa sind wir uns der Wichtigkeit und Einzigartigkeit des Friedens, in dem wir heute leben, bewusst. Es ist unsere Aufgabe heute, gemeinsam aus den Fehlern der Geschichte zu lernen und uns aktiv für ein friedliches Zusammenleben der Nationen und Kulturen einzusetzen. […] Als Freunde […] sagen wir Ihnen: Wir stehen an Ihrer Seite! Wir drücken Ihnen ganz persönlich unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl aus – aber auch unsere Wut und unsere Verzweiflung angesichts der Grausamkeit der Ereignisse, die vor 69 Jahren an genau diesem Ort stattfanden. Wir können nicht rückgängig machen, was passiert ist. Aber wir können heute hier zusammen der Geschehnisse gedenken. […] Auf Basis der gegenseitigen Gastfreundschaft, die unsere Städtefreundschaft seit nunmehr 12 Jahren prägt, können wir gemeinsam vorwärts schauen und die Zukunft gemeinsam gestalten, damit auch die zukünftigen Generationen in Frieden und Freiheit leben können.“

Neben der Teilnahme an den Gedenkfeiern umfasste das Besuchsprogramm für die Erlanger Delegation auch kulturelle Programmpunkte. Höhepunkt war die Eröffnung der Fotoausstellung „Incontri – Begegnungen“, die von Fotoamateuren aus Erlangen und Cumiana gemeinsam erstellt wurde. Die Ausstellung wird noch bis Anfang Mai im Rathaus von Cumiana und ab 21. Mai im Erlanger Rathaus zu sehen sein.

Gruppenfoto Cumiana 2013

Fotos: Roland Thamm

18.03.2014
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