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Cumiana

Freundschaft, Musik und viele Pläne

Damit hatten die Gäste aus Cumiana sicher nicht gerechnet: Gleich nach der Ankunft im Hotel am vergangenen Freitag bekommen sie von Jürgen Ganzmann, dem Leiter der WAB Kosbach, die Aufgabe gestellt, den italienischen Meister, Juventus Turin, dafür zu gewinnen, eine Kickerplatte von den Spielern und dem Trainer unterschreiben zu lassen. Das signierte Stück könnte man dann in einen Kicker der Barmherzigen Brüder Gremsdorf einbauen und meistbietend versteigern oder einem Sponsor anbieten. Und mit dem Geld wäre dann ein Projekt der Integration von Behinderten zu finanzieren, sei es im Bereich Inklusion an einer Schule, wo auch in Italien die Mittel fehlen, sei es in einer Einrichtung oder für eine Selbsthilfeorganisation.

Jürgen Ganzmann und José Ortega mit der offiziellen Delegation aus Cumiana

Noch wichtiger aber: Die Freunde aus Cumiana sollen eine Partnerorganisation für die WAB finden, denn die ist fest entschlossen, ihre internationalen Kontakte auch auf Italien auszudehnen, wo man ja in vielen Dingen in der Behindertenarbeit und Psychiatrie früh Pionierarbeit geleistet hat, wo also auch der Fachaustausch von beiderseitigem Vorteil wäre.

Paolo Poggio, Elisabeth Preuß und Elena Poliotto

Gerade im 70. Jahr des Massakers von Cumiana ist es mehr als eine Pflichtübung, der 51 Opfer jenes SS-Kommandos zu gedenken, das einem Offizier unterstellt war, der später in Erlangen seinen Wohnsitz genommen hatte. Ist es doch diese schwere Geschichte, die der Städtefreundschaft zugrunde liegt.

Johannes Pöhlmann, Paolo Poggio und Manfred Kirscher

Johannes Pöhlmann und Manfred Kirscher vom Friedensbündnis waren es, die 2001 das Versöhnungswerk zwischen dem Ort im Piemont und Erlangen begonnen haben und ihm bis heute verbunden bleiben.

Paola Maldera, Paolo Poggio, Elena Poliotto, Giuliana Comba und Aldo Calvetto

Eine Freundschaft, die von Jahr zu Jahr inniger und herzlicher wird. Auch wenn, wie Paola Maldera, die First Lady von Cumiana, im privaten Gespräch einräumt, zu Beginn viele Vorbehalte bei der älteren Generation, bei den Menschen, die Opfer des Massakers zu beklagen hatten, zu überwinden waren.

Offizielle Delegation Cumiana mit Erlanger Stadträtinnen Barbara Pfister, Birgitt Aßmus und Gabriele Kopper und Stadtrat Johannes Pöhlmann

Aber bei der Nachkriegsgeneration sei davon nichts zu spüren, und auch die Hinterbliebenen freuen sich heute über die Versöhnung mit den Deutschen, die ihren italienischen Freunden immer wieder gern die Hand reichen.

Paolo Poggio beim Anstich

Hand an ein Bierfaß hat Bürgermeister Paolo Poggio noch nie angelegt, aber beim Bockbieranstich überläßt ihm dann sein Amtskollege, Florian Janik, vertrauensvoll das schwere Gerät. Und siehe da: Das Bier strömt nach nur zweieinhalb Schlägen, obwohl man ja, wie der Gast bekennt, im Piemont doch eher zum Weinglas greift.

Florian Janik und Paolo Poggio beim Starkbieranstich

Auf Anhieb waren sich die beiden Stadtoberhäupter auch sichtlich sympathisch. Beide gerade erst ein halbes Jahr im Amt, beide entschlossen, die Freundschaft zwischen den Städten fortzuführen. Und da ist sie auch schon, die Gegeneinladung nach Cumiana am Weißen Sonntag 2015, wenn man wieder des Massakers gedenkt und eine offizielle Delegation - vielleicht auch mit einer musikalischen Verstärkung, doch davon später - erwartet.

Paolo Poggio mit seiner Frau Paola Maldera

Paolo Poggio kennt Erlangen von einem früheren Besuch her, als er noch Vorsitzender des Alpenvereins Cumiana war und mit den Bergwanderern und Kletterern aus Franken Bekanntschaft schloß. Die Städtefreundschaft ist ihm also vertraut. Zum ersten Mal aber hier, seine Frau, Paola Maldera, und die Stadträtin, Giuliana Comba, zuständig für Kultur.

Florian Janik und Paolo Poggio beim Konzert in Herz Jesu

Gerade die Lokalpolitikerin kommt nicht mehr aus dem Staunen heraus angesichts der engen Verbindung des Chors Cumbavianae mit den Kosbacher Stadlsängern, einer Sangesfreundschaft, die ja bereits vor drei Jahren einen ersten Höhepunkt bei einem gemeinsamen Konzert in der Hugenottenkirche erlebt hatte.

Doppelchor Combavianae und Kosbacher Stadlsänger mit Alice Enrici

Nun also am Samstag der gemeinsame Auftritt in Herz Jesu, vor bis auf den letzten Platz gefüllten Bänken, mit einer überwältigenden Stimmung, getragen nicht zuletzt von der großartigen Stimme der Dirigentin und Sängerin, Alice Enrici. Ein Konzert, das erst möglich wurde durch die großzügige Unterstützung der Bürgerstiftung Erlangen.

Knut-Wulf Gradert und Alice Enrici

Ein Konzert, zu dem aber auch Pfarrer Matthias Wünsche geladen hatte, der im April erstmals in Cumiana zu Besuch war und sich im Kalender schon den Weißen Sonntag 2015 freihält.

Giuseppe Andolina und Paolo Poggio

Ein Konzert der Freundschaft, das mitorganisiert wurde von Giuseppe Andolina und seinem Deutsch-Italienischen Verein, der bereits zwei Bürgerreisen nach Cumiana veranstaltet hat und aus den Kontakten nicht wegzudenken ist.

Peter Steger, Thomas Schöck, Kurt Höller und Paolo Poggio

Ein Konzert aber auch, das Anlaß zum Fachsimpeln bietet. Paolo Poggio nämlich betreibt eine kleine Hausbrauerei, ist also gar nicht so auf Wein fixiert, wie man meinen könnte. Und da bietet es sich doch an, Verbindung zur Genossenschaftsbrauerei Weller aufzunehmen. Thomas Schöck und Kurt Höller jedenfalls würden sich über den Kontakt ins Piemont freuen. Man wird sehen, was da noch alles an Süffigem gären kann.

Angnes Paetzold und Alice Enrici

Aber auch in der Musik tun sich neue Möglichkeiten auf. Anges Paetzold, die eben erst zum Tag der Einheit in Jena mit ihrem Chor vom Ohm-Gymnasium die Stadtkirche in Begeisterung versetzt hatte, möchte nach Möglichkeit schon zum Weißen Sonntag 2015 mit ihrem Schülerensemble nach Cumiana. Ob es da nun zu einem gemeinsamen Auftritt mit dem Erwachsenenchor von Alice Enrici kommt oder mit einer kleinen Schulkapelle, wird sich noch weisen. Aber im Grundsatz ist man sich - mit Unterstützung der Stadträtin Giuliana Comba rasch einig: Die Konzertreise soll stattfinden!

Guilana Comba, Paolo Poggio, Paola Maldera, Elena Poliotto und Aldo Calvetto

Sicher nicht von ungefähr, unterhält das Ohm-Gymnasium doch bereits Verbindungen zu Cumiana, die nun allerdings in eine neue, in eine künstlerische Phase, treten, wenn etwas Gemeinsames geschaffen wird, so wie am Sonntag die beiden Chörs Cumbavianae und die Kosbacher Stadlsänger im Dom zu Bamberg.

Doppelchor Combavianae und Kosbacher Stadlsänger im Dom zu Bamberg

Dort, im Kaiserdom, den Gottesdienst musikalisch zu gestalten, ist eine Ehre, die bisher noch keinem Ensemble aus Erlangens Partnerstädten vergönnt war. Etwas Besonderes, ebenso besonders wie diese musikalische Freundschaft, die von Knut-Wulf Gradert so sorgsam gepflegt wird. 

Aldo Calvetto

Übrigens bahnt sich auch da eine Fortsetzung des Austausches an, denn es gibt schon Überlegungen, die künstlerische Zusammenarbeit in Cumiana fortzusetzen. Viel Arbeit für Aldo Calvetto, der neben seiner Tätigkeit als Finanzreferent auch noch die Kontakte zu Erlangen im Rathaus steuert und sich dabei immer der Unterstützung von Elena Poliotto sicher sein kann, die nun wohl schon zum sechsten Mal mit ihm als Dolmetscherin nach Erlangen gekommen ist. 

Helmut Schmitt und Felix Wosnitzka

Im Rahmen des Besuchsprogramms mit all den offiziellen Gesprächen, Anlässen, Konzerten und Besichtigungen von Nürnberg bis Bamberg und in der Fränkischen Schweiz bleibt aber auch bei aller Gedrängtheit der Termine Zeit für ein Wiedersehen mit alten Freunden: Helmut Schmitt, der in seiner Zeit als Leiter des Bürgermeister- und Presseamts die Kontakte zu Cumiana mit Herzblut in die Verwaltung hineintrug, und Felix Wosnitzka, der als ehemaliger Vorsitzender der Erlanger Sektion des Deutschen Alpenvereins die Verbindung zur italienischen Partnerorganisation aufbaute.

Gruppenbild mit Cumiana im Ratssaal Erlangen

Wie soll es weitergehen? Neben dem Schul- und Choraustausch, der Brauerfreundschaft sowie der Zusammenarbeit im Behindertenbereich gibt es Überlegungen im Bereich Europäisches Freiwilliges Jahr, Sprachferien mit der VHS und dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, ein Übersetzungsprojekt für ein Theaterstück über das Massaker mit einer späteren Aufführung der Inszenierung auf der Experimentierbühne der FAU, Aufbau von Kontakten zwischen der IHK Nürnberg und der Kammer im Piemont, eine Ausstellung mit Arbeiten von Kindern aus Cumiana in Erlangen ed alti.

Der Bus aus Cumiana

"Ein gelungenes Treffen mit unseren deutschen Freunden" freut sich Paolo Poggio am Ende seines Antrittsbesuchs und fügt hinzu: "Ich bin sicher, wir sind auf einem guten Weg und werden die Freundschaft weiter ausbauen." Wenn nur nicht der Weg so weit wäre. Mit dem Bus für den Chor - und mit Hindernissen für die offizielle Delegation, wenn - ganz unerwartet für die italienischen Gäste - ausgerechnet die Piloten der deutschen Lufthansa streiken, die Bahn Verspätung hat, die Autobahn um Erlangen und Nürnberg im Stau verharrt und schließlich ohne Frühstück nur der Weg nach München bleibt, um von dort per Bahn via Verona und Turin den Heimweg nach Cumiana anzutreten. Ciao, cari amici!

Peter Steger, 20.10.2014

22.10.2014
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